Regionalwirtschaft

Neugierde ist keine Altersfrage

Wenn es um Mobile Payment geht, setzen die Schweizer Banken auf Twint. Als erste Regionalbank in der Schweiz geht die Bank Linth einen anderen Weg. Sie bietet ihren Kunden Apple Pay an. Für Bank-Linth-Chef David Sarasin zählt die Wahlfreiheit.

Die Kunden sollen letztlich selber entscheiden, welche Lösungen sie beim kontaktlosen Bezahlen an der Kasse im Laden favorisieren — sagt der Geschäftsleiter der Bank Linth, David Sarasin.

Die Kunden sollen letztlich selber entscheiden, welche Lösungen sie beim kontaktlosen Bezahlen an der Kasse im Laden favorisieren — sagt der Geschäftsleiter der Bank Linth, David Sarasin. Bild: Keystone

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Die Schweizer Bankenszene setzt beim kontaktlosen Bezahlen auf eine Schweizer Lösung: Warum bricht die Bank Linth als erste und einzige Regionalbank bisher aus dieser Phalanx aus?
David Sarasin: Das war eine Entscheidung aus Sicht unserer Kundinnen und Kunden, welche moderne Dienstleistungen nutzen möchten. Und eine dieser Dienstleistungen ist eben Apple Pay. So gesehen entspricht die Einführung von Apple Pay einem Kundenbedürfnis.

Wäre es aus Sicht der Konsumenten nicht vernünftiger, in der Schweiz gäbe es eine einheitliche mobile Zahlungslösung: Ihr Schritt zielt doch in die entgegengesetzte Richtung...
Grundsätzlich würden wir eine Vereinheitlichung der technologischen Basis natürlich begrüssen. Wohlverstanden nur hinsichtlich der Technologie. Denn eine Vereinheitlichung im Sinne einer Monopolisierung des Wettbewerbs — mit einem einzigen Anbieter —wäre ein Schritt in die falsche Richtung.

Wie haben Branchenkollegen auf den Entscheid der Bank Linth reagiert, Apple Pay für Ihre Kunden zu ermöglichen?
Wir haben ausschliesslich positive Rückmeldungen erhalten — viele haben sich für uns gefreut. Auch ein paar wehmütige Stimmen waren dabei...

Haben Sie keine Angst, dass Sie sich innerhalb der Schweizer Bankenszene, die auf ihre Eigenentwicklung Twint setzt, mit Ihrer Lösung isolieren?
Im Gegenteil. Wir sehen den Entscheid für Apple Pay nicht als einen Entscheid gegen Twint oder andere mobile Bezahllösungen. In naher Zukunft wird es in diesem Bereich sichere mehrere Anbieter geben. Schlussendlich entscheiden unsere Kunden, welche Lösung sie favorisieren — oder ob sie mehrere gleichzeitig benutzen, so wie sie auch heute schon zum Beispiel neben ihrer Kreditkarte die Maestro-Karte einsetzen.

Twint hat 500 000 Nutzer, die Bank Linth mit Apple Pay lediglich 65 000: Kann das auf die Länge gutgehen?
Uns ist es wichtig, dass unsere Kunden die Wahl haben. Das kontaktlose Bezahlen ist nicht jedermanns Sache — genauso wie es das Bezahlen mit dem Smartphone ist. Andere hingegen sind von den neuen technischen Möglichkeiten begeistert. Jeder sollte letztlich selbst entscheiden für sich können, was für ihn die beste Lösung ist.

Glauben Sie generell an die Zukunft des bargeldlosen Zahlens respektive des Mobile Payments mit dem Smartphone? Wie technologie-affin ist die Kundschaft der Bank Linth?
Die Tendenz geht sowohl im internationalen Vergleich wie auch hier in der Schweiz klar zum bargeldlosen Zahlungsverkehr. Unsere Bancomat-Transaktionen stagnieren — Online Banking und Kartenzahlungen legen zu. Diese Entwicklung sehen wir auch bei unserer Kundschaft. Zudem schätzen unsere Kunden einfache Lösungen — und Apple Pay ist sehr einfach.

Handelt es sich hier um eine Generationenfrage?
Aus meiner Sicht ist der Umgang mit bargeldlosen Zahlungsmitteln keine Generationenfrage. Ein Beispiel: Eine unserer Kundinnen im Pensionsalter hat vor wenigen Wochen ihre erste Bargeldeinzahlung am Bancomat selbst getätigt — und war entsprechend stolz. Auf der anderen Seite steht einer unserer jüngeren Kunden, der monatlich seinen Kontostand telefonisch im Beratungscenter abfragt, obwohl er dies auch bequem via Mobile Banking tun könnte. Bestimmt braucht es je nach Generation eine andere oder allenfalls auch eine ausführlichere Art des Heranführens an die neuen technischen Möglichkeiten. Neugier und Freude, gerade an einfachen Lösungen beim Zahlungsverkehr, sehe ich allerdings in allen Altersgruppen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 01.11.2016, 15:12 Uhr

Mobile Payment

Als Mobile Payment wird das bargeld- und kontaktlose Bezahlen in den Läden und Restaurants mit Hilfe mobiler Endgeräte und Apps bezeichnet. Dabei benutzt der Konsument sein Smartphone oder Tablet als virtuelle Geldbörse. Auf dem mobilen Endgerät hinterlegt sind entweder Kredit- oder Debitkarten. Kontaktlos zu bezahlen war bisher lediglich mit der Kreditkarte möglich.

Die meistverbreiteten Bezahl-Apps hierzulande sind die von den Banken entwickelte App Paymit (Schweizer Börse SIX, UBS, ZKB) und Twint (Postfinance, Coop, Migros). Die beiden Lösungen verschmelzen im Januar 2017 zu Twint. Die Wettbewerbskommission (Weko) hat zur Fusion anfangs September grünes Licht erteilt. Neue Twint-Besitzer sind die fünf grössten Schweizer Banken (UBS, Credit Suisse, Raiffeisen, ZKB und Postfinance) sowie der Finanzdienstleister SIX.

Seit Juli dieses Jahres mischt auch Apple mit seinem Bezahldienst Apple Pay im Schweizer Markt mit. Als Kartenherausgeber hat Apple Cornèrcard, mit der unter anderem die Bank Linth zusammenspannt, Bonuscard.ch und Swiss Bankers gewonnen. Seit kurzem ist zudem das Kreditkartenunternehmen Swisscard mit Sitz in Horgen mit an Bord. Allerdings ermöglicht nur ein Teil der 1,5 Millionen Swisscard-Kreditkarten den mobilen Zahldienst von Apple.

Twint kann direkt mit dem Bankkonto verknüpft werden. Die Bezahl-App funktioniert dann wie eine Debitkarte (Maestro- oder Postkarte). Bei Apple Play muss die Keditkarte in der Mobile-App hinterlegt werden. Der Kunde braucht anschliessend das Handy lediglich ans Bezahlterminal zu halten und die Zahlung mit seinem Fingerabdruck zu bestätigen. Bei Twint hingegen muss der Nutzer die App öffnen. (ths)

David Sarasin: «Unsere Bancomat- Transaktionen stagnieren». (Bild: Archiv ZSZ)

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