Rapperswil-Jona

Neue Zivilschutzstrukturen bringen Seenachtfest-OK an seine Grenzen

Das vergangene Seenachtfest musste erstmals ohne die Unterstützung des Zivilschutzes stattfinden. Es mussten zusätzliche Helfer und Freiwillige in die Bresche springen. Das OK-Team geriet an seine Kapazitätsgrenzen.

Die Organisatoren des Rapperswiler Seenachtfestes mussten in diesem Jahr auf den Zivilschutz verzichten. Die Männer in Orange durften nicht mehr helfen, weil sich die Regeln verändert haben. Das stellt jedoch das Seenachtfest-OK vor Probleme.

Die Organisatoren des Rapperswiler Seenachtfestes mussten in diesem Jahr auf den Zivilschutz verzichten. Die Männer in Orange durften nicht mehr helfen, weil sich die Regeln verändert haben. Das stellt jedoch das Seenachtfest-OK vor Probleme. Bild: Symbolbild/Keystone

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«Die Arbeiten entsprechen nicht den Hauptaufgaben des Zivilschutzes», und «der Anlass ist nicht von kantonaler Bedeutung». Mit diesen Worten lehnte das Amt für Militär und Zivilschutz des Kanton St. Gallens einen Einsatz am diesjährigen Seenachtfest ab. In vorherigen Jahren konnte das OK-Team noch auf die Unterstützung der Zivilschützer zählen.

Für Fabian Villiger, OK Präsident des Seenachtfests, sind diese Argumente nicht nachvollziehbar. Rekurs kam für ihn aber nicht infrage. «Ich bin nicht auf Streit aus, ich will die Entscheidung nur besser nachvollziehen können», erklärte Villiger auf Anfrage. Auf der Suche nach einer schlüssigen Erklärung musste Villiger feststellen, dass beispielsweise die Fasnacht in Altstätten vom Zivilschutz unterstützt wird. Für ihn unerklärlich. Bis heute fehlen ihm nachvollziehbare Gründe.

Veränderte Strukturen machen sich bemerkbar

Zu suchen sind die Gründe in den neuen Strukturen des Zivilschutzes im Kanton St. Gallen. Die zehn politischen Gemeinden des Linth-Gebiets haben im Juli des vergangenen Jahres zur Zivilschutzorganisation Zürichsee-Linth fusioniert. Wo es zuvor nur die Zustimmung der lokalen Zivilschutzorganisation benötigte, müssen jetzt Vertreter mehrerer Gemeinden das Vorhaben befürworten.

Von der fusionierten Zivilschutzorganisation Zürichsee-Linth wurde Villigers Gesuch dem Kanton weitergereicht. Dieser hat sich basierend auf den neuen Auflagen gegen das Gesuch ausgesprochen. Vom zuständigen kantonalen Amt für Militär und Zivilschutz war für eine Stellungnahme niemand erreichbar.

Dafür äussert sich Roland Meier, Kommandant der Zivilschutzorganisation Zürichsee-Linth. Für ihn ist die Absage des Kantons ein absolut nachvollziehbarer Entscheid. «Die neue Gesetzesordnung besagt, dass die Zivilschutzleistenden in erster Linie ihren Grundauftrag erfüllen müssen, da gehören solche Feste definitiv nicht dazu.» Der Zivilschutz sei vielseitiger geworden, als den meisten Bürgern bekannt ist. «Mitarbeiter geniessen eine sehr gute Ausbildung in den Bereichen Betreuung, Rettung, Werksarbeiten etc.», erklärt Meier. «Ein Einsatz am Seenachtfest hat für uns auch keine Ausbildungszwecke.» Durch den Zusammenschluss der Gemeinden «mussten wir uns von solchen Veranstaltungen zurückziehen, da sonst jede Gemeinde auf uns zukommen würde und profitieren möchte», meint Meier weiter. Zudem sei nicht zu vergessen, dass die bisherige Unterstützung am Seenachtfest auf reinem Goodwill des Zivilschutzes Rapperswil-Jona basiert habe.

Es scheint, als wäre für Roland Meier klar, dass die neuen Auflagen des Zivilschutzes eine Unterstützung dieser Art in nächster Zukunft nicht mehr vorsehen werden. Für Villiger hingegen steht fest, dass er in spätestens zwei Jahren erneut beim kantonalen Amt anklopfen und um Unterstützung bitten wird.

80 Prozent helfen auf ­ehrenamtlicher Basis

Für die diesjährige Ausgabe mussten andere Wege dafür gesucht werden, das Fernbleiben des Zivilschutzes zu kompensieren. Zusätzliche Helferinnen und Helfer, Freiwillige und Ehrenamtliche, sind in die Bresche gesprungen. Die vielen zusätzlichen Helfer und Sicherheitsbeauftragten, die Villiger und sein Team aufbieten mussten, bedeuteten nebst dem koordinativen auch finanziellen Mehraufwand. «Glücklicherweise hat das Wetter am vergangenen Wochenende mitgespielt.» Die idealen Temperaturen haben rund 80 000 Be­sucher ans Fest gelockt, was die Einnahmen entsprechend ankurbelte und so die zusätzlichen Ausgaben kompensierte.

Villiger weiss den Einsatz seiner Helfer, der Feuerwehr und der Ärzte, die ebenfalls zahlreich im Einsatz waren, zu schätzen. Er zeigt sich dankbar und weiss, dass dies nicht selbstverständlich ist. «Rund 80 Prozent der Helfer machen dies auf ehrenamtlicher Basis für ein paar Franken Taschengeld, ein Shirt und einen Seenachtfest-Eintritt», berichtet Villiger. «Ohne diese Freiwilligen könnten wir ein Fest dieser Grössenordnung gar nicht stemmen.»

Doch auch die Stadtverwaltung mit dem Werkdienst und der Feuerwehr zeigt sich sehr engagiert und unterstützt das OK-Team, wo sie nur kann. «Man spürt, dass das Seenachtfest für die Umgebung von grosser Bedeutung ist.» Auch die rund 30 im Einsatz stehenden Vereine sollen vom Fest profitieren und so ihre Kassen füllen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.08.2018, 20:50 Uhr

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