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Nackt bedeutet nicht immer entblösst

In der letzten Schau des Jahres sind im Kunstzeughaus zahlreiche Akte zu sehen. Dazu kommen ­Porträts von Menschen, die sich Tierhäute überstülpen.

Balz Baechi betont, wie wichtig der Respekt vor dem Modell bei der Aktmalerei ist.
Balz Baechi betont, wie wichtig der Respekt vor dem Modell bei der Aktmalerei ist.
Tobias Humm

Freundlich schauen sie meist aus den Bildern und manchmal auch forschend, den Blick oft auf den Betrachter gerichtet. Doch die meisten von Balz Baechis Akt­modellen sind gelassen und zeigen sich dem Künstler, und jetzt im Museum, dem Betrachter in einer abgeklärten Heiterkeit.

Balz Baechi hat gerade seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert und ein Leben lang gezeichnet und gemalt. Die Modelle findet er in seinem Bekanntenkreis, und schon dies erleichtert es, die ­gelassene Stimmung zwischen Maler und Modell entstehen zu lassen, die in den Bildern zu spüren ist. Auch wenn sich einzelne der meist weiblichen Modelle in gewagten Situationen zeigen, wird Baechi beim Betrachten und beim Malen nie zum Voyeur.

Dies, obwohl oder gerade weil er weit mehr als den Körper des Modells erforscht. «Jedes Aktbild beginnt als Porträt», erklärt er seinen Arbeitsprozess. Und dabei entschlüsselt er die Personen und ihre Geschichten und transformiert sie zu Bildern.

Respekt vor dem Modell

Das neuste Bild in der Ausstellung zeigt einen Dirigenten und seine Partnerin, er wird erkennbar an seinem Dirigierstab. Beide unbekleidet, aber dennoch nicht nackt. Bekleidet sind sie statt mit Textilien mit dem Respekt des Malers vor dem Modell. «Dieses Verhältnis hat sich dank der Emanzipation grundlegend von einem hierarchischen zu einem gleichwertigen gewandelt», erläutert Baechi. Er verrät mit den Titeln nicht, wie seine Aktmodelle heissen, sondern setzt nur die Initialen als Titel.

Die Hintergründe zu den Szenen sind oft nur angetönt oder werden zu reinen Ornamenten. «Hintergründe zu finden, dauert oft viel länger als das eigentliche Aktporträt», sagt er und schafft damit gleich die Verbindungzur zweiten seiner Werkgruppen, die der Titel der Ausstellung «Abstr/Akt» verspricht. Bilder ohne konkreten Bildinhalt oder mit einem, der nicht auf den ersten Blick als solcher erkennbar ist. Baechi meint, dass es viel schwieriger sei, ein abstraktes Bild zu malen, als eines, bei dem einem das Objekt durch den Prozess leitet. So ist die zweite Werkgruppe auch nicht sehr gross.

Stephanie Danner vor einem Selbstporträt mit Wolfsfell. Bild: Tobias Humm.
Stephanie Danner vor einem Selbstporträt mit Wolfsfell. Bild: Tobias Humm.

Versteckt unter Tierfellen

Neben diesem Altmeister der figürlichen Darstellung lohnt sich auch ein Abstecher in den so­genannten Seitenwagen des Kunstzeughauses. Dort zeigt die gerade 30 Jahre alt gewordene Oberösterreicherin Stephanie Danner, wohnhaft im Kanton Aargau, neue Arbeiten aus einer Serie, die sie «Membran» nennt.

Ins Auge stechen zuerst die grossformatigen Leinwände mit Porträts von Personen aus ihrem Umfeld, auf einem posiert sie auch selbst. Alle tragen Köpfe von Wildtieren auf ihrem eigenen Kopf und bekleiden sich mit Fellen.

Danner ist auch Kulturwissenschaftlerin und befasst sich mit Themen wie Raum und Zeit oder eben der Membran, die das Leben zusammenhält und trotz ihrer Zartheit vor dem Chaos des Universums schützt. Danner will ihre Bilder nicht als reine Metaphern verstehen, die mit einem Wort übersetzt werden könnten. Sie sind der Ausdruck und das Produkt der Metamorphose ihrer Gedanken, die ihr während eines langwierigen Malprozesses durch den Kopf gegangen ist. Bildgewordene Philosophie soll den Betrachter fesseln und zu ­seinen eigenen Fantasien leiten.

Der Abwesende

In scharfem Kontrast zu Baechi und Danner steht der dritte Künstler, der zurzeit das Kunstzeughaus bespielt. Und da ist ­«bespielt» das richtige Wort. Zum Zeitpunkt des Pressetermins war er noch in seinem Atelier in Bern, und von seiner Arbeit war nichts zu sehen. Peter Stohler, Direktor des Kunstzeughauses, verbürgte sich aber dafür, dass am folgenden Tag der Künstler mit dem Pseudonym «Zimoun» mit einem ganzen Team und zahl­losen Karton­schachteln, Motoren und ­Befestigungsmaterial auftauchen werde, um über die ganze Länge des Saales eine In­stal­lation einzurichten. Man darf gespannt sein.

Vernissage findet am Samstag, 26.11. um 11:30 Uhr statt. Die Ausstellung dauert bis am 28.1.2018.

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