Rapperswil-Jona

Nach 163 Jahren verstummt ein bekannter Männerchor

Die Suche nach Nachwuchs und einem neuen Dirigenten waren für die Stadtsänger Rapperswil zu viel: Sie stellen nach über 150 Jahren den Probebetrieb ein. Nur die Vereinsstruktur bleibt – mit der Hoffnung auf bessere Zeiten.

Einer der letzten grossen Auftritte der Stadtsänger: Das Konzert der Stadtsänger mit der Feldmusik Jona diesen Sommer im Schlosshof.

Einer der letzten grossen Auftritte der Stadtsänger: Das Konzert der Stadtsänger mit der Feldmusik Jona diesen Sommer im Schlosshof. Bild: Manuela Matt

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Die Stadtsänger Rapperswil haben Nachwuchssorgen. Diese treffen den Männerchor so hart, dass der Verein den Probebetrieb einstellen muss. Immer mehr Mitglieder würden sich aus Alters- oder Kraftgründen zurückziehen, sagt Präsident Max Rechsteiner. «Irgendwann ist kultivierter Männergesang auf einem hohen Niveau nicht mehr möglich.» Dass die Stadtsänger den Probebetrieb aufgeben müssen, hängt aber auch mit der Dirigentensituation zusammen.

Der heutige Dirigent – es war bereits eine Interimslösung – hat sich aus Zeitgründen entschieden, den Chor nicht mehr zu leiten. Die Suche nach einem neuen Dirigenten hätte sich vor dem Hintergrund der schwindenden Sängerzahlen schwierig gestaltet, meint Rechsteiner. Neue Mitglieder zu rekrutieren habe man zwar versucht, eine Mitgliedschaft in einem solchen Chor entspreche aber wohl nicht dem Zeitgeist.Ein letztes Konzert geben die knapp 20 eingeschworenen Sänger noch: Am Mittwoch, 13. Dezember, soll um 19.30 Uhr im Kapuzinerkloster Rapperswil Abschied genommen werden von der bekannten Formation.

Fusion kommt nicht in frage

Die Stimmgabel an den Nagel zu hängen kommt für einige Mitglieder dennoch nicht in Frage, wie Rechsteiner weiss. Als Ad-hoc-Sänger stünden einige zur Verfügung, deshalb bleibt auch der Verein an sich bestehen. Andere Sänger würden wiederum im Männerchor Jona weitersingen, «um, dem Gesang huldigend in die Zukunft zu schauen», wie es Rechsteiner formuliert.

Eine Fusion mit dem Männerchor Jona sei aber nicht in Frage gekommen, auch wenn man sich in den vergangenen Jahren ab und zu «beschnuppert» habe. «Männerchor Jona und Stadtsänger haben im Grundsatz andere Ausgangslagen und Gewichtungen», meint Rechsteiner. Wenn Mitglieder aber in Jona singen möchten, stehe man dem natürlich nicht im Weg. Offen sei man zudem auch für neue Formen der Zusammenarbeit, etwa einem weltlichen Gemischtchor.

Hoffnung auf Wiederholung

Rechsteiner tut es weh, wenn er vom letzten Konzert sprechen muss. Er selbst ist seit 1982 mit dabei. Aufhören müsse man aber solange es schön sei. Die Geschichte der Stadtsänger ist lang: Der Männerchor Rapperswil wurde 1854 gegründet und der Sängerbund Rapperswil 1912. Dann erfolgte 1993, also vor 25 Jahren, der Zusammenschluss zu den Stadtsängern Rapperswil.

Nun endet die Gesangsgeschichte also nach 163 Jahren. Wobei da eine kleine Hoffnung bleibt, wie Rechsteiner erzählt. Schon in den 1870er-Jahren habe es einmal einen Unterbruch gegeben. Plötzlich sei bei vielen die Lust wieder aufgetaucht, regelmässig zu singen. Derzeit deuten die Zeichen nicht darauf, dass sich die Geschichte wiederholt. Aktuell bleibt nur die Vorbereitung auf ein letztes Lied. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.12.2017, 17:47 Uhr

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