Rapperswil-Jona

Lob und weitere Forderungen Internationaler Trend

Der Entscheid, künftig auf Elefantendressuren zu verzichten, hat laut Franco Knie nichts zu tun mit dem Protest der Tierschutz­organisationen. Diese fordern weitere Schritte.

Franco Knie im Himmapan-Gelände mit seinen Elefanten im Kinderzoo.

Franco Knie im Himmapan-Gelände mit seinen Elefanten im Kinderzoo. Bild: André Springer

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Man lasse sich nicht von Aktivisten diktieren, was man zu tun ­habe, sagt Franco Knie senior. Laut Knie sollen die zwei verbliebenen Zirkuselefanten definitiv im Kinderzoo bleiben, damit die Gruppe für die Zucht eine geeignete Grösse erreiche.

Systematischer Protest

Fest steht, dass in den letzten Monaten der Protest gegen Wild­tiere im Zirkus massiv war. Insbesondere die LSCV hat mit einer Kam­pa­gne gegen Tiere im Zirkus ab April 2014 einen Tätigkeitsschwerpunkt gesetzt. Laut Frei hat die Organisation seit Anfang Jahr im Dreieck Basel–Bern–Zürich 70 bis 100 Protestaktionen durchgeführt: Jeweils vor der Zirkusvorstellung verteilten Aktivisten Flugblätter – somit laut Frei praktisch vor jeder Vorführung der drei grössten Zirkusse Knie, Royal und Nock. Dazugekommen sei eine Handvoll bewilligter ­Demos mit Transparenten und Megafoneinsatz.

«Schritt in richtige Richtung»

Tierschutzorganisationen zeigen sich nun über den Entscheid der Knie-Familie erfreut. «Wir begrüssen es sehr, dass der Circus Knie auf die Elefantendressuren verzichtet», sagt Benjamin Frei, Co-Vizepräsident der Schweizer Liga gegen Vivisektion (LSCV). Er bezeichnet die Massnahme als «Schritt in die richtige Richtung». Man werde sich weiterhin mit Kam­pa­gnen für die Rechte der Tiere einsetzen. Der LSCV lehne es grundsätzlich ab, dass Tiere im Zirkus auftreten, also auch im Fall von domestizierten Arten wie Pferden oder Hunden. «Damit wird das Tier zum Clown gemacht», sagt Frei.

Besonders problematisch findet er die Haltung von Elefanten im Zirkus aus zwei Gründen: Zum einen sei es nicht möglich, dem enormen Bewegungsdrang von Elefanten im Zirkus Rechnung zu tragen. Zum anderen sei die Dressur nur mit gewaltsamen Mitteln möglich. «Jungtiere werden mit dem Bullenhaken geschlagen. Sie sollen lernen, welche Konsequenzen es hat, wenn sie nicht parieren», sagt Frei. «Das Training ist ohne Gewalt nicht möglich.» Später werde zwar der Haken nicht mehr unbedingt eingesetzt. «Der Haken stellt aber eine ständige Drohung dar und wird gezeigt, wenn es mal nicht rund läuft.»

Was die Aktionen vor Vorstellungen des Circus Knie betreffe, so habe das Publikum die Kritik «eher schlecht aufgenommen». «Knie hat eine grosse Fanbasis mit Menschen, die jedes Jahr die aktuelle Show mehrfach schauen gehen», sagt Frei. Nur rund ein Drittel habe jeweils das Flugblatt entgegengenommen, der Rest ­habe nichts von der Kritik wissen wollen.

Knie-Fans anderer Meinung

Einen anderen Weg, um dasselbe Ziel zu erreichen, schlug die Organisation Vier Pfoten ein. «Wir haben den konstruktiven Dialog gesucht. Dieser hat auch stattgefunden», sagt Julie Stillhart, Country Manager von Vier Pfoten Schweiz. Den jüngsten Entscheid wertet sie denn auch als Erfolg solcher Bemühungen. «Der Entscheid des Circus Knie ist vorbildlich, sagt Stillhart. «Wir hoffen, dass andere europäische Zirkusse dem guten Beispiel folgen werden.»

Anders als die LSCV sieht die Organisation Vier Pfoten den Auftritt von domestizierten Arten im Zirkus als unproblematisch an. Elefanten und andere Wildtiere seien hingegen grundsätzlich keine Zirkustiere. «Die Zirkusumgebung ist nicht artgemäss.» Zudem seien Zirkusauftritte aus Sicht des Tierschutzes von geringem päd­agogischem Nutzen: Tiere müssten oft unnatürliche artistische Bewegungen erlernen, was oft mit menschlicher Dominanz herbeigeführt wird. Stillhart attestiert der Familie Knie zwar, dass sie grosse Anstrengungen unternimmt, für die Tiere beste Bedingungen zu schaffen. Insgesamt sieht die Organisation aber auch die Haltung von Elefanten im Zoo als kritisch an.

Noch radikaler äussert sich die deutsche Tierschutzorganisation Peta: Was den Zirkus betrifft, so fordert sie den gänzlichen Verzicht auf Tierauftritte. Auch Peta spricht von einem «Schritt in die richtige Richtung».

Im Hinblick auf die Haltung im Zoo fordert die Organisation, dass in Rapperswil künftig auch von Elefantenreiten und Dressurvorführungen abzusehen sei. Der Umgang mit den Elefanten für Showzwecke beinhalte den Einsatz eines Elefantenhakens – der mit einem spitzen Metallhaken besetzte Stock werde dazu genutzt, Elefanten Schmerzen zuzufügen, damit sie gehorchen. «Auch im Circus Knie wird dieses Instrument zur Kontrolle der Tiere verwendet», heisst es in einer gestern versandten Medienmitteilung.

«Reiten problemlos»

Franco Knie lässt diese Kritik nicht gelten. «Es kommt immer dar­auf an, wie der Bullenhaken eingesetzt wird.» Die Knie-Elefanten fürchteten sich nicht vor dem Führungsstock. Es sei sehr wichtig, Vertrauen zwischen Mensch und Tier aufzubauen. «Wir achten darauf, dass wir den Tieren keine Verletzungen zufügen», sagt Knie. Auch das Elefantenreiten sieht Knie als problemlos.» Es ist eine tägliche Beschäftigung und schafft Bewegung für den Elefanten.»

Erstellt: 12.08.2015, 06:08 Uhr

Nachgefragt

Jean-Michel Hatt, Veterinär

Im Kinderzoo Rapperswil starben diesen Sommer drei Elefanten im Alter von 52, 53 und 54 Jahren. Entspricht das einer normalen Lebenserwartung?

Jean-Michel Hatt: Gemessen an der Lebenserwartung von Zootieren haben die drei Elefanten alle ein sehr hohes Alter erreicht. Von Arbeitselefanten in Südostasien weiss man, dass sie in der Regel sogar nicht älter als 40 Jahre werden. Meines Wissens ist nicht bekannt, wie alt Elefanten in der Wildnis werden.

Sind Krebs und Nierenversagen typische Altersbeschwerden von Elefanten?

Besonders Nierenprobleme sind bekannte Beschwerden alter Tiere und oftmals Gründe, sie einzuschläfern. Beim Krebs handelt es sich bei den weiblichen Tieren oftmals um gutartige Gebärmuttertumore.

Die Familie Knie hat sich entschieden, künftig im Zirkus keine Elefanten mehr auftreten zu lassen. Wie dringend war ­dieser Schritt aus Ihrer Sicht?

Die Belastung hängt davon ab, wie sich Management, Tierhaltung und Dressur gestalten. Ein Elefant kann sich ans Leben im Zirkus gewöhnen, wenn die Haltung artgerecht ist.

Kritiker sagen, dass nur schon die Stereotypien von Zirkuselefanten ein Zeichen dafür sind, dass die Haltung eben nicht artgerecht sei.

Das Hin-und-her-Wiegen der Elefanten, das sogenannte Weben, zeigt, dass sich der Elefant in einer Konfliktsi­tua­tion befindet – das Tier kann sich nicht so bewegen, wie es möchte. Wenn es gelingt, den Bewegungsdrang zu stillen, muss die Haltung im Zirkus nicht per se schlecht sein. Meiner Meinung nach wäre die Belastung während einer Zirkustournee für Elefanten verkraftbar. Es entspricht allerdings einem internationalen Trend, auf die Dressur von Wildtieren zu verzichten. In einigen Ländern gibt es diesbezüglich Ver­bote.

Tierschützer kritisieren auch die Haltung im Zoo. Nun will der Kinderzoo in Rapperswil die Nähe zwischen Mensch und Tier besonders betonen. Was heisst das in Bezug auf den Tierschutz?

Die Haltung im Kinderzoo in Rapperswil weist Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere auf, die absolut adäquat sind.

Tierschützer sehen auch das Elefantenreiten kritisch, es ­erfordere eine Tierdressur, die problematisch sei.

Sofern das Training und der Einsatz von kompetenten Personen durchgeführt wird und die Tiere nicht überfordert werden, ist das Elefantenreiten an und für sich nicht problematisch. (ua)

Jean-Michel Hatt ist Direktor der Klinik für Zoo-, Heim- und Wildtiere der Uni Zürich. Zudem ist er Cheftierarzt im Zoo Zürich.

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