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«Labtech braucht die besten Leute»

Die Laborautomations-Branche am Zürichsee gedeiht und wird seit ein paar Jahren mit dem in Rapperswil verliehenen Lab Sciences Award zusätzlich gefördert. Jurymitglied Hugo Bohny und Standortförderer Hans Noser sind die treibenden Kräfte hinter dieser Initiative.

«Wichtig für Firmen ist das Fachkräftepotenzial vor Ort»: Für Hugo Bohny ist mit der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative ein neuer Unsicherheitsfaktor dazugekommen.
«Wichtig für Firmen ist das Fachkräftepotenzial vor Ort»: Für Hugo Bohny ist mit der Annahme der Masseneinwanderungs-Initiative ein neuer Unsicherheitsfaktor dazugekommen.
Moritz Hager

Die Bedeutung der Laborautomationsindustrie (LabTech) für die Wirtschaft am Zürichsee ist enorm: Hier wird rund die Hälfte des weltweiten Bedarfs an Laborausrüstungen hergestellt. Die wichtigsten Vertreter sind Tecan (Männedorf), Weidmann Medical Plastics (Rapperswil), Qiagen Instruments AG (Hombrechtikon), Zollner (Hombrechtikon), Hombrechtikon Systems Engineering AG, das Institut für Labortechnik an der HSR Rapperswil, Hamilton (Rapperswil), sowie die ZHAW Wädenswil mit zahlreichen Startups.

Am Zürichsee sind im Bereich LabTech rund 2000 Personen tätig, 1500 davon am rechten Seeufer und 500 am linken. Der Bedarf an Fachkräften in dieser Industrie ist gross. Damit sie ihren Wachstumskurs fortsetzen kann, wird seit 2012 an der HSR der Lab Sciences Award vergeben. Der Preis zeichnet herausragende Bachelorarbeiten aus. Er wird — in Zusammenarbeit mit der Standortförderung Toolpoint for LabScience — von der Meilemer Veronika und Hugo Bohny Stiftung verliehen. Geleitet wird die Stiftung von Hugo Bohny. Hans Noser ist Geschäftsleiter von Toolpoint.

Was bedeutet die Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III für die LabTech-Industrie am rechten und linken Seeufer?Hans Noser: Die vor Ort tätigen Firmen verfügen nach wie vor über gute Rahmenbedingungen. Die Steuerreform hätte diese Rahmenbedingungen noch verbessert. Aber Steuern sind nicht der einzige Grund, weshalb eine Firma ihren Standort hier hat oder hierher verlegt. Auch wenn einzelne Unternehmen ihre Strategie nun möglicherweise überdenken, wird die Mehrheit von ihnen ihr Geschäft weiter in der Schweiz betreiben. Wichtig ist, dass wir hierzulande über politisch stabile Rahmenbedingungen verfügen.

Steuern sind aber ein wichtiges Argument für Firmen, die sich hier niederlassen wollen...Hans Noser: Steuern sind immer ein wichtiges Argument. Firmen erwirtschaften ihr Geld in erster Linie, um weiter investieren zu können. Die Laborbranche ist eine investitionsintensive Branche. Bedingt durch die diversen Regularien, aber auch durch die forschungstechnischen Investitionen, ist das Geschäft in dem Bereich sehr aufwendig und risikoreich. Wenn dazu noch viel Steuern zu zahlen sind, fehlt dieses Geld. Aber natürlich gilt: Wer Gewinn macht, kann und soll auch Steuern zahlen.

«Ich bin immer wieder beeindruckt, was die Studierenden leisten».

Hugo Bohny

Hugo Bohny: Einer der wichtigsten Punkte sind die Fachkräfte, die vor Ort rekrutiert werden können. Durch die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative ist eine zusätzliche Unsicherheit entstanden. Einer der Gründe, weshalb wir als Veronika und Hugo-Bohny-Stiftung die Bachelor-Arbeiten an der Hochschule für Technik HSR Rapperswil unterstützen, ist, die Talent- und Fachkräfte-Suche zu erleichtern.

Wieso ist dieser Firmencluster innerhalb der Labortechnikbranche eigentlich ausgerechnet am Zürichsee entstanden und nicht anderswo?Hans Noser: Die Labortechnik ist eine Kombination aus Mechatronik und Messtechnik. Diese beiden Technologien zusammen führen zu eben jener Automatisierungstechnik, die es braucht, um Tests und Messungen sauber und exakt durchführen zu können. Mit dem in der Region beheimateten Telefonie-Knowhow sowie der hier ebenfalls stark verwurzelten Messtechnik wurden die Grundlagen für die Entwicklungen auf dem Gebiet der Laborautomatisierung geschaffen. Dazu kommt die Nähe zu den Fachhochschulen und der ETH. Das alles befruchtet sich gegenseitig und führt zu einem eigentlichen Entwicklungsschmelztiegel.

Hugo Bohny: Die US-Medtechfirma Hamilton beispielsweise hat ihren Sitz in Bonaduz, aber ein Teil der Forschung wird in Rapperswil betrieben, auch wegen der Nähe zur Hochschule. In den letzten vier Jahren sind bei Hamilton in Zusammenarbeit mit der HSR weit mehr als 20 Studienarbeiten mit rund 30 Studierenden aus verschiedensten Studiengängen und Fachdisziplinen initiiert und begleitet worden.

Stellen Sie nicht auch eine schleichende Deindustralisierung am See fest?Hugo Bohny: Gesamthaft schon. Bei all jenen Firmen, die weniger auf Fachkräfte angewiesen sind, ist diese Tendenz ganz klar zu erkennen. Umgekehrt hilft der Laborcluster am See, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Diese Industrie deckt ihren Personalbedarf vor allem hier im Wirtschaftsraum Zürich.

«Wer Gewinn macht, kann und soll auch Steuern zahlen»

Hans Noser

Hans Noser: Der Innovationsprozess erfordert sehr gut ausgebildete und erfahrene Leute. Mit Ausnahme vielleicht von China und Indien kann aber die grosse Mehrheit der hochtechnologisierten Länder die gleichen Leistungen im Bereich der Innovation nicht viel günstiger als wir hier anbieten. Das heisst, der Betrag respektive die Stundenansätze, die notwendig sind, damit diese Leute arbeiten können, sind fast überall zu zahlen. Das schlimmste am harten Schweizer Franken ist das Image, dass dadurch entsteht: Leute von aussen haben das Gefühl, dass nur die Schweiz teuer ist. Wer aber genau rechnet, stellt fest, dass für die gleiche Leistung im Ausland fast genau gleich viel bezahlt wird. Mit anderen Worten: All das, was hochwertige Arbeit ist, was viel Kopfarbeit erfordert, kann in der Schweiz nach wie vor sehr effizient betrieben werden. Was ausgelagert wird, sind vor allem hochautomatisierte Arbeitsplätze.

Wie wichtig sind die Hochschulen in diesem Umfeld, in unserem Fall die HSR, die ZHAW Wädenswil und die ETH Zürich?Hugo Bohny: Sie spielen eine sehr wichtige Rolle. Ich bin immer wieder erstaunt und beeindruckt, was die Studierenden, ausgehend von den Arbeiten, die ich sehe, zu leisten imstande sind, über welche Kenntnisse sie verfügen, und das bereits auf der Bachelor-Stufe. Die hochwertige Grundlagenforschung gehört an die ETH, aber die Umsetzung dessen an den Fachhochschulen ist ein sehr wichtiger Punkt.

Ist das auch der Grund, weshalb Sie den Lab Sciences Award ins Leben gerufen haben?Hugo Bohny: Wir haben den Preis eigentlich nicht gestiftet. Wir begannen ursprünglich damit, Firmen zu unterstützen, die Ausbildungsplätze für Lehrlinge zur Verfügung stellen. Das taten wir solange, wie es zu wenig Lehrstellen gab. Irgendwann aber gab es zu wenig Lehrlinge. Da beschlossen wir, etwas Neues zu machen. In dem Zusammenhang kamen wir als Veronika und Hugo Bohny-Stiftung mit der Standortorganisation Toolpoint in Kontakt und entschieden uns, Firmen aus dem Biotech-Bereich zu fördern. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass es sich da um ein zu breites Gebiet handelt. Hans Noser brachte uns auf die Idee, die Labtech-Industrie zu unterstützen und ein Symposium an der HSR ins Leben zu rufen.

Wie steht es mit der Bereitschaft der Firmen für Ausbildungsplätze für Hochschulabsolventen?Hugo Bohny: Es bessert sich. Hamilton oder Tecan machen dies mittlerweile fast schon systematisch. Die Preisträger kommen aber längst nicht mehr nur aus der Region. Sie umfassen praktisch die ganze Deutschschweiz sowie Süddeutschland.

Hans Noser: Hinter starken Produkten und Innovationen steht immer der Mensch. Auch in der Labortechnik brauchen wir die besten Leute. Wer aber denkt, hier brauche es vor allem Biologen und Chemiker, liegt falsch. Genauso gefragt sind Konstrukteure, Elektro- und Software-Ingenieure. Dem Cluster konnten wir mit der Preisvergabe den Zugang eben diesen Talenten öffnen.

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