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Kunst mit Nadel und Faden

Sie verbindet Kunst mit Mode und schafft damit Werke mit Tiefe. Im Rahmen des Stipendiums der Stiftung Futur residierte die namibische Künstlerin und Modedesignerin Ndapandula Kashanu drei Monate lang in Rapperswil-Jona. Das Ergebnis ihres Aufenthalts stellte sie im Kunstzeughaus aus.

Die namibische Künstlerin Ndapandula Kashanu präsentierte ihre Werke in der Ausstellung «What I had in mind».
Die namibische Künstlerin Ndapandula Kashanu präsentierte ihre Werke in der Ausstellung «What I had in mind».
Michael Trost

Identität ­– darum geht es bei der Ausstellung der Futur-Stipendiantin Ndapandula Kashanu. Um ihre Erfahrungen, ihre Person, um das was sie ausmacht. «Ideen und Inspirationen ändern sich ständig und jedes Teil, das ich kreiere ist eine Darstellung von dem, wer ich bin.», sagt die junge Namibierin. Ihr visuelles Werk sei eine Interpretation ihres Lebens. Es geht darum, Veränderung annehmen zu lernen und sich selbst zu erlauben Risiken einzugehen. Eine dieser Veränderungen ist ihr Futur-Aufenthalt in der Schweiz. Drei Monate lang lebte Kashanu im Rahmen des Stiftung Futur Stipendiums in Rapperswil-Jona und arbeitete an ihrer Kunst. Die Schlussarbeit ihres Aufenthalts präsentierte sie am Freitag in der Ausstellung «What I had in mind» Zu deutsch: Was mir durch den Kopf gegangen ist.

Junge Künstler fördern

Die Stiftung Futur vergibt zweimal im Jahr ein Stipendium für junge Künstler, die dann für drei Monate in Rapperswil-Jona leben und arbeiten dürfen. Sie übernimmt dabei die Kosten für Flug, Spesen und den ganzen Aufenthalt. «Wir wollen junge Künstler fördern», sagt Hedi Ernst, die auch selbst Künstlerin ist. Sie betreut die Künstler während ihrem Aufenthalt in der Schweiz. Ndapandula Kashanu sei die erste Künstlerin aus Namibia, die das Stipendium bekam, erklärt Ernst. Sie führte kürzlich einen Kunst-Workshop an der Universität in Namibia durch. Von allen Teilnehmern konnte am Ende nur eine Person mit in die Schweiz kommen.

Die Wahl fiel auf Ndapandula Kashanu. Sie stach heraus, da sie sich, ohne sich wie viele andere politisch zu positionieren, an ein Tabuthema wagte ­­– behinderte Menschen in der namibischen Gesellschaft. «Das war mutig von ihr. Andere Studenten griffen sie dafür an. Damit war für mich klar, dass sie die Auserwählte ist», sagt Ernst.

Die 25-jährige studierte bildende Künste und Modedesign in Windhoek in Namibia. Mittlerweile hat die junge Frau ihr eigenes Modelabel «ndapcee» gegründet. Während ihrer Zeit in Rapperswil standen jedoch alle ihre Projekte in Namibia still. Hier konzentrierte sie sich allein auf die Kunst. «Ein Teil meiner Recherche war es, durch die Stadt Rapperswil zu wandern» Sie habe Szenerien fotografiert und nach Strukturen gesucht. Sie nahm verschiedene Farben, Muster und Motive auf und liess sich davon inspirieren. Eine dieser kreativen Quellen war auch der See. Dort sei sie häufig hingegangen, um Muse zu finden.

Mode als Inspirationsquelle

Oft verbindet sie auch Mode mit ihrer Kunst. «Ein Kleid sagt sehr viel aus. Es bildet eine Gestalt, eine Form, die wir erkennen können», erklärt sie. Viele ihrer Kunstwerke seien von ihrer Tätigkeit als Fashiondesignerin inspiriert.

Das wird in einem Kunstwerk besonders deutlich. Es symbolisiert einen Kokon, der sich in ein Kleid voller Schmetterlinge verwandelt. «Das steht für die Metamorphose.» Der Kokon sei etwas unförmiges, nicht definierbares. Dieser verwandelt sich jedoch in einen Schmetterling, der frei und schön ist. Für Kashanu ist das sehr persönlich. Nachdem ihr Vater Anfang des Jahres gestorben war und sie in die Schweiz gekommen ist, hat sie viele Erfahrungen gemacht, die sie geformt und verändert haben. Sie lernte mit der neuen Umgebung, ihren Sorgen und Ängsten umzugehen, indem sie sie in ihrer Kunst verarbeitete.

Um andere daran teilhaben zu lassen, kreierte sie die «Trouble Boxes». Die Besucher konnten an der Vernissage am Freitag auf kleine Zettel eine Sorge, eine Angst oder ein Geheimnis schreiben und es in die nach traditionell namibischen Art geknüpften Gefässe werfen. Während der Vernissage nähte Kashanu die Gefässe zu. Die Sorgen sind damit symbolisch verschlossen und verarbeitet.

Raum zur Interpretation

In der Kunst Kashanus findet sich ein Element immer wieder: das Nähen. Egal, ob selbst genähte Kleider und Kissen oder auf dem gemalten Bild. Überall ist ein Faden, eine kleine Stickerei, eine kleine Näharbeit zu finden. «Das praktische Arbeiten mit Fasern, Stoffen und Fäden ist für mich eine entscheidende Komponente. Es hilft mir, meine Ideen zu entwickeln.» Das Erbe der afrikanische Handarbeit habe ihre Grossmutter an sie weitergegeben. Es spiele eine wichtige Rolle in ihrem Schaffen, aber auch in ihrer Identität.

Verschiedene Motive wiederholen sich in ihren Kunstwerken immer wieder. So zum Beispiel das Profil einer Frau. «Das könnte ich sein, das könnte aber auch jede andere namibische Frau sein», meint Kashanu. Das zeigt: Kashanus Kunst ist zwar sehr persönlich, aber man kann sich in sie hineinversetzen. Sie ist nicht so abstrakt, dass sie schwer zu verstehen ist, aber sie schreibt auch keine bestimmte Interpretation vor. Damit schafft sie für den Betrachter die Möglichkeit, sich damit zu identifizieren und sich selbst darin zu spiegeln.

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