Klöster

Klöster am Obersee kämpfen ums Überleben

Die Klöster im Linthgebiet haben Nachwuchssorgen. Aufgrund der teils dramatischen Abnahme der Zahl von Ordensleuten ist die Zukunft der Häuser ungewiss. Am schwierigsten ist die Situation für das Kloster Berg Sion in Uetliburg.

Neun Schwestern leben noch im Kloster Berg Sion in Ueltiburg: Vollends offen ist, wie lange die Prämonstratenserinnen ihre Gemeinschaft noch aufrecht erhalten können.

Neun Schwestern leben noch im Kloster Berg Sion in Ueltiburg: Vollends offen ist, wie lange die Prämonstratenserinnen ihre Gemeinschaft noch aufrecht erhalten können. Bild: Sabine Rock

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Sieben Klöster und acht Niederlassungen mussten die Schweizer Kapuziner in den letzten zwanzig Jahren schliessen. Der Grund hierfür liegt im rapiden Sinken der Zahl der Brüder – noch vor wenigen Jahrzehnten waren sie fast 800. «Wir haben im Moment noch acht Klöster in der Deutschschweiz und knapp hundert Kapuziner. In zehn Jahren werden wir vermutlich noch gut fünfzig Brüder sein», sagt Adrian Müller, Guardian im Kapuzinerkloster Rapperswil.

Ob auch das Kloster am Obersee von einer Schliessung bedroht ist, kann Müller nicht einschätzen: «Bei uns Kapuzinern ist die ganze Provinz zu berücksichtigen. Die Klöster in Luzern und in Schwyz scheinen im Moment für die Zukunft sehr wichtig zu sein. Alles andere ist Spekulation.» Er persönlich hofft, noch einige Jahre in einem Kloster zum Mitleben wirken zu können.

Durchschnittsalter 80 Jahre

Bruder Damian Keller, Personalverantwortlicher der Deutschschweizer Kapuziner, rechnet damit, dass in den kommenden zehn Jahren zwei bis drei Klöster geschlossen werden müssen. Der Grund hierfür liege in der Überalterung des Ordens: In fünf Jahren werden die Kapuziner ein Durchschnittsalter von achtzig Jahren erreichen. Und Nachwuchs ist nicht in Sicht.

Dass keine jungen Leute in den Orden eintreten erklärt Keller mit der zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft, dem Bedeutungsverlust der Religion: «Heutzutage ist es einfach nicht mehr attraktiv, ein christliches Leben zu führen und einer Gemeinschaft beizutreten.» Hinzu kämen vollends veränderte Familienstrukturen: «Früher war es normal, dass in katholischen Familien eines der Kinder einem Orden beitrat.»

Das Ziel des Kapuzinerordens sei es, die jüngeren Kräfte in den Klöstern Rapperswil und Luzern zu konzentrieren, konstatiert Keller. Hinzu kommt, dass der Orden auch Interesse zeigt an einem Austausch mit Brüdern aus Asien: So leben neuerdings zwei indische Brüder im Kloster Mels.

Eine Schliessung ist absehbar

Am unmittelbarsten von einer Schliessung bedroht ist das Kloster Berg Sion in Uetliburg: Dort sei schon länger keine Schwester mehr eingetreten, sagt Claudius Luterbacher, Kanzler des Bistums St. Gallen: Für ihn sei das nicht eine Perspektive des Untergangs. «Die Frage, wie lange die Prämonstratenserinnen ihre Gemeinschaft aufrecht erhalten können, kann heute niemand ernsthaft beantworten», sagt Luterbacher: Sicher würden die Schwestern in Zukunft etwas stärker Unterstützung brauchen für alles, was sie selber nicht mehr erledigen können.

Peter Hüppi, Gemeindepräsident von Gommiswald (SP), hofft derweil, dass das Kloster Berg Sion zukünftig nicht leer bleibe: «Idealerweise kann das Haus mit etwas gefüllt werden, was im Sinn und Geist der jetzigen Form entspricht.» In der Verantwortung für das Gebäude in Uetliburg stehe zuguterletzt die katholische Kantonalkirche. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.11.2017, 17:50 Uhr

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