Rapperswil-Jona

Jetzt haben sogar die Hunde die Schnauze voll vom Stau

In der Stadt wird es Tierisch: Die neue Kampagne «Tschau Schtau» für den Stadtbus setzt auf herzige Hundebilder.

Mit Leckerli und Spielzeug zum richtigen Blick in die Kamera: Fotoshooting für die neue «Tschau Schtau»-Kampagne.

Mit Leckerli und Spielzeug zum richtigen Blick in die Kamera: Fotoshooting für die neue «Tschau Schtau»-Kampagne. Bild: zvg

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Die Kampagne ist Kult. Allein schon der Slogan: Tschau Schtau. Zwei Buchstabenhaufen, ein klassisches Anagramm, verblüffend einfach und gerade deshalb eingängig in der Botschaft. Und dann die Sujets: Politiker, Gewerbler, Autosüchtige, Patrioten, Kuchenesser, Schüler, Verkehrsdschungelcamper – sie alle gaben der Kampagne in den letzten Jahren ein Gesicht.

Seit Montag hat dieses Gesicht nun treuherzige Hundeaugen und eine empfindliche Schnauze. Urheber der Kampagne sind die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO), die den Stadtbus seit sieben Jahren betreiben. Man setze sich jeweils anfangs Jahr mit der Werbeagentur an einen Tisch, um Ideen für die neuen Plakate auszuhecken, erzählt Joe Schmid, Leiter Angebot und Markt bei den VZO.

Tiere leiden stärker

Diesmal sei von Anfang an klar gewesen, dass man mit Tieren arbeiten wolle. Eine Zielgruppe, die bisher vernachlässigt worden sei. Die Botschaft: Tiere leiden noch stärker unter dem täglichen Stau als Menschen. Von dieser Idee aus sei man schnell beim Hund gelandet, berichtet Schmid weiter. «Hunde sind vom Stadtverkehr besonders betroffen.» Denn sie hören den Verkehrslärm achtzig mal lauter und riechen den Gestank eine Million mal intensiver. Mit dem Sympathieträger Hund war auch der Slogan für die neue Kampagne schnell gefunden: «Wir haben die Schnauze voll!»

Über eine Anfrage beim kynologischen Verein Rapperswil-Jona meldeten sich elf Hundebesitzer mit 16 Hunden, die alle zu einem Fotoshooting eingeladen wurden. Und so versammelten sich an einem heissen Sommertag Lola, Jackie, Nouvel, Sky, Theo und wie sie alle heissen, beim Busbahnhof Jona. Vier Rüden und zwölf Hundedamen im Alter von einem Jahr bis zehn Jahren, vom Dackel über den Pudel bis zum Golden Retriever nahmen am Shooting teil.

Keine hängenden Zungen

Mit dabei waren auch die beiden Australien Shepherds Kookie und Breeze von Wendy Fischer. Die Hundebesitzerin wohnt auf der Forch und ist Präsidentin des kynologischen Vereins Rapperswil-Jona. Extrem heiss sei es gewesen an diesem Tag, erinnert sich Fischer. «Die Hunde mussten ständig hecheln, was für die Fotografin eine besondere Herausforderung war.» Schliesslich sollten auf den Plakaten keine offenen Hundemäuler mit heraushängenden Zungen zu sehen sein. Fotografin Priscilla Kämpfer musste also jeweils schnell abdrücken.

Für jeden Hund waren zwanzig Minuten einberechnet. Während dieser Zeit stand die Hundebesitzerin hinter der Fotografin und lenkte die Aufmerksamkeit ihres Lieblings mit einem Leckerli oder einem Spielzeug in Richtung Kamera. Die Vierbeiner seien mustergültig betreut und versorgt worden, sagt Hundetrainerin Wendy Fischer. Wenn sie jetzt durch Rapperswil-Jona laufe und die Plakate mit ihren Hunden sehe, sei sie echt stolz.

Kribbeln in der Nase

Die Porträts von Happy, Kookie, Breeze und Co. ziehen den Betrachter sofort hinein. Ihren zutraulichen Blicken – im Fall von Kookie sogar aus zwei verschiedenfarbigen Augen – kann man sich nur schwer entziehen. Und betrachtet man die Hundeschnauze im Zentrum des Bildes ein Weilchen, so glaubt man gar, den Abgasgestank als Kribbeln in der eigenen Nase zu spüren.

«Mensch, fahr Stadtbus!» bellen die Hunde von den Plakatwänden. Dass die VZO-Kampagne nicht nur ein kultiger Werbegag ist, sondern durchaus auch eine gewisse Wirkung hat, beweisen die Zahlen. 2017 benutzten 1,7 Mio. Passagiere die roten Stadtbusse, 2010 waren es erst eine Million gewesen. Joe Schmid von den VZO ist überzeugt: Zu diesem Erfolg habe die Kampagne «Tschau Schtau» ihren Teil beigetragen.

Erstellt: 26.09.2018, 14:34 Uhr

Sanfter Blick aus verschiedenfarbigen Augen: Werbehund Kookie. (Bild: pd / ZVO)

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