Uznach

«Jetzt eine Steuersenkung zu verkünden, wäre unseriös»

Er hat vor zwei Monaten angefangen und muss schon zur Wiederwahl antreten – wenn auch ohne Gegenkandidaten. Gemeindepräsident Christian Holderegger (FDP) fühlt sich von den Uznern gut aufgenommen, spürt aber auch Erwartungen.

Christian Holderegger, der neue Gemeindepräsident von Uznach, muss schon wieder zur Wahl antreten.

Christian Holderegger, der neue Gemeindepräsident von Uznach, muss schon wieder zur Wahl antreten. Bild: David Baer

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Sie sind von Gerlafingen, wo Sie Vize-Gemeindepräsident waren, nach Uznach gezogen und tönen doch so gar nicht wie ein Solothurner.
Christian Holderegger: Das liegt an meinen Ostschweizer Wurzeln. Ich bin in Herisau aufgewachsen. Vor 30 Jahren zog ich fürs Studium nach Bern und bin dann in der Region Bern-Solothurn hängengeblieben.

Wie sind Ihre ersten Eindrücke von Uznach?
Ich erlebe eine vielfältige Gemeinde, ein freundliches Städtchen mit offenen Einwohnern, die mich wohlwollend und mit viel Verständnis aufgenommen haben. Daneben spüre ich eine gewisse Neugier und Spannung: Wer ist der Neue?

Wo sehen Sie die grössten Unterschiede zwischen Gerlafingen und Uznach?
Die Kantone Solothurn und St. Gallen unterscheiden sich in der Art der Politik recht stark. Die St. Galler Gemeinden haben mehr Distanz zum Kanton. In Gerlafingen war man nahe bei Solothurn, nicht nur geografisch, auch gefühlsmässig. Hier erlebe ich doch eine recht grosse Distanz zur Kantonshauptstadt, was nicht nur topografische Gründe hat. Dazu kommt, dass die Linthebene ein anderer Raum ist als das Mittelland, auch wenn die Probleme und der Bevölkerungsmix ähnlich sind.

An welche Probleme denken Sie?
An Fragen wie Lehrplan 21, Finanzen, Verkehr, Bevölkerungszusammensetzung . Das beschäftigt die Menschen hier wie dort.

Im Wahlkampf wurden Sie von Ihrer Partei, der FDP, nur halbherzig unterstützt. Wie ist Ihr Verhältnis zur FDP Uznach heute?
Von halbherziger Unterstützung zu sprechen, ist falsch. Die FDP portierte zwei Kandidaten und wollte bewusst nicht für den einen oder den anderen Stellung beziehen. Unser Verhältnis ist sehr gut, sowohl mit den anderen beiden FDP-Gemeinderäten als auch mit dem Vorstand.

Ihr Vorgänger Erwin Camenisch war eine Uzner Institution. Jeder kannte ihn, jeder hatte eine Meinung zu ihm. Wie fühlt es sich an, in so grosse Fussstapfen zu treten?
Ich spüre natürlich die Erwartungen und stelle fest, dass ich sie noch bei weitem nicht erfüllen kann, dass sie aber anderseits auch nicht unerfüllbar sind.

Haben Sie ein Beispiel?
Mir fehlt die vertiefte Dossierkenntnis noch, und auch ein Beziehungsnetz konnte ich in der kurzen Zeit noch nicht aufbauen.

Wie wollen Sie das angehen?
Ich merke, dass die Leute es schätzen, wenn ich offen auf sie zugehe und zugebe, noch nicht alles zu wissen. Das ist genau das, was ich im Moment machen kann.

Welches Uzner Problem wollen Sie als Erstes lösen?
Zurzeit läuft der Budgetierungsprozess, und da kommt natürlich der Steuerfuss auf die Traktandenliste.

Wird er sinken?
Das Budget sieht gut aus, aber wie sich das auf den Steuerfuss auswirkt, kann ich noch nicht sagen. Auf gar keinen Fall werde ich heute schon eine Steuersenkung ankündigen, das wäre nicht seriös.

Der Ruf nach einer Steuersenkung wird aber sicher wieder laut werden.
Das Anliegen ist berechtigt, und ich habe es bereits gehört. Die Frage ist einzig, wann, über welchen Zeitraum und mit welchem Ziel wir die Steuersenkung umsetzen. Ein Auf und Ab beim Steuerfuss gilt es zu vermeiden.

Ein Thema, das Sie sicher beschäftigen wird, ist die Verkehrsentlastung im Städtchen und damit das Projekt Gasterstrasse. Wie stehen Sie dazu?
Ich war erstaunt, als ich merkte, dass viele Uzner die Strasse zwar gerne hätten, aber gleichzeitig das Gefühl haben: Die kommt ja doch nie. Das hängt wohl damit zusammen, dass man schon so lange über diese neue Verbindung redet. Ich finde es schade, dass es so weit gekommen ist. Wenn wir diese Verkehrsentlastung wollen, müssen wir hinstehen und das klar sagen. So ein eindeutiges Signal ist vor allem gegenüber dem Kanton wichtig. Aber natürlich müssen wir zuerst in Uznach die Diskussion führen, ob das Projekt mehrheitsfähig ist.

Haben Sie hierfür schon erste Schritte geplant?
Wir müssen eine Übergangslösung skizzieren, denn bis zur Realisierung wird es dauern. Wir brauchen aber rasch eine Verbesserung. Ich bin optimistisch, dass das gelingt, denn ich komme von aussen und schaue mit einem neuen Blick auf das Ganze.

Wird Uznach nach der gescheiterten Fusion mit Schmerikon in absehbarer Zeit wieder um eine Braut werben?
Die Frage müssen wir, glaube ich, anders stellen: Wo gibt es Zusammenarbeitsbedarf und wo können wir die bestehende Zusammenarbeit ausbauen? Für neue Fusionsverhandlungen ist es viel zu früh.

Es müsste ja nicht unbedingt Schmerikon sein, es gibt auch noch andere Gemeinden.
Eine Fusion mit Benken oder Kaltbrunn sehe ich im Moment nicht. Aber auch hier gilt: Die Zusammenarbeit, etwa im landwirtschaftlichen Bereich, kann durchaus ausgebaut und intensiviert werden.

Uznach ist nicht nur ein begehrter Wohn- sondern auch ein bedeutender Arbeitsort mit vielen Arbeitsplätzen. Was tun Sie, damit die Arbeitsplätze in der Industrie nicht abwandern?
Da sind uns als Gemeinde leider weitgehend die Hände gebunden. Firmen entscheiden aufgrund der Kosten, und diesbezüglich haben wir wenig Einfluss. Die Steuerbelastung für Unternehmen wird durch den Kanton definiert. Wir können aber unsere Abläufe möglichst schlank halten, Land anbieten und für eine hohe Lebensqualität der Mitarbeiter sorgen. Diesbezüglich ist Uznach mit seinen Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und dem öffentlichen Verkehr auf einem guten Weg.

Haben Sie sich persönlich schon eingelebt und fühlen sich wohl in Uznach?
Ich fühle mich wohl und geniesse all die vielen Möglichkeiten, die Uznach als Wohnort bietet, beispielsweise die Linthbadi. Einziger Wermutstropfen: Meine Familie wird nicht von Gerlafingen hierher ziehen, meine Frau und ich haben uns getrennt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.09.2016, 13:44 Uhr

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