Rapperswil-Jona

Jäger des Lichts

Blitze, die über den Himmel zucken, faszinieren den Naturfotografen Tobias Ryser. Das Licht bei einem Gewitter richtig einzufangen, macht für ihn den besonderen Reiz aus. Dafür begibt er sich in nicht ganz ungefährliche Situationen.

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Wenn eine Gewitterfront naht, ist Tobias Ryser hin- und hergerissen. Donnergrollen, dunkle Wolken am Himmel, ein Vibrieren in der Luft – das alles zieht ihn nach draussen. Drinnen zu bleiben, erwägt er nur kurz. Ein Griff nach Kamera und Stativ, schon sitzt er im Auto und fährt in Richtung Seedamm. Von dort aus wird er später den besten Ausblick auf das aufziehende Gewitter suchen und das Spektakel am Himmel mit seiner Kamera einfangen. Dunkle Wolken und Blitze, die sich über dem Schloss entladen, der Himmel dunkellila gefärbt. Je dramatischer, desto besser.

«Was mache ich da eigentlich?» frage er sich manchmal, wenn er bei Wind und Wetter nach draussen renne. Genausogut könnte er im Trockenen bleiben und zuhause die Beine hochlagern. Doch der innere Kampf ist schnell beigelegt: Er sehe sich als «Lichtjäger», erzählt der Fotograf, und die Lichtverhältnisse bei Gewitter, die seien nun einmal «irrsinnig».

Sturm statt Sonnenschein

Auf Naturfotografie hat sich Tobias Ryser, 35-jährig, aus Jona, schon vor einigen Jahren spezialisiert. Wetterphänomene und Naturschauspiele faszinieren ihn, Bilder mit eitel Sonnenschein findet man bei ihm kaum. Sommergewitter und zuckende Blitze hat er in den letzten Wochen gleich mehrmals eingefangen. Die Jagd nach dem perfekten Moment beginne mit der richtigen Planung, sagt Ryser. Auf diversen Wetter-Apps studiert er, woher eine Gewitterfront kommt, und in welche Richtung sie sich bewegt. Die Fotos, so sagt er, entsprächen den Lichtsituationen vor Ort.

Das Besondere an Rapperswil-Jona sei, dass eine Gewitterzelle die Stadt häufig nicht unmittelbar treffe, sondern via linkem Zürichseeufer in Richtung Wägital vorbeiziehe oder, auf der gegenüberliegenden Seeseite, die Region Pfannenstiel frontal treffe. Das hat für den Fotografen einen entscheidenden Vorteil: Er kann das Gewitter aus der Distanz und, wenn er einen Unterstand findet, im Trockenen beobachten. So wird die Linse seiner Kamera nicht nass, und für den Fotografen ist es erst noch angenehmer. Wobei: Regen scheut Tobias Ryser nicht, für ein gutes Bild nimmt er gern in Kauf, bis auf die Haut durchnässt zu sein.

Es gibt aber einen zweiten Grund, warum er für die Gewitterfotos der Rosenstadt nicht im Regen steht: Direkt auf dem Seedamm zu fotografieren, wäre nicht ganz ungefährlich. Zwar hat es Fahnenstangen, auf die ein Blitz eher treffen würde, doch ein solches Risiko will Ryser nicht eingehen. Lieber stellt er sein Stativ in den Unterführungen nahe der HSR oder am Ende des Holzsteges in Hurden auf.

Das Licht muss stimmen

Wer am Rapperswiler Hafen einen Blitz ins rechte Licht rücken will, muss im Wesentlichen auf drei Dinge achten, erklärt Ryser. Es gelte, die drei Lichtquellen richtig auszubalancieren: das Restlicht der Dämmerung, das Licht des Blitzes und die Beleuchtung des Schlosses und der Seepromenade. Das Verhältnis müsse stimmen, damit das Bild nicht zu hell oder zu dunkel ausfalle. Tobias Ryser sucht sich erst den richtigen Blickwinkel, danach fotografiert er Serienbilder mit einer Belichtungszeit von mehreren Sekunden. Dadurch verpasst er zwar keinen Blitz, erhält aber auch viel Ausschuss. Auf zwei bis drei Fotos ist der Blitz schliesslich so, wie er sich das vorgestellt hat.

Von der feinen Verästelung der Blitze sei er immer wieder beeindruckt, sagt Ryser. Oft hat er zuhause vor dem Bildschirm, wenn er die Fotos aussortiert, gleich nochmals einen «Wow-Effekt». Trotz seiner Kraft und Energie sei ein Bitz «etwas unglaublich Ästhetisches». Und obwohl er die Rapperswiler Seepromenade mit dem Schloss schon hundertmal fotografiert hat, bei Schnee, im Nebel und von Blitzen erhellt, hat sie für Tobias Ryser seinen Reiz noch nicht verloren. Ein Vollmond plus Blitz, ein Regenbogen und ein Blitz zusammen in einem Bild, nach oben hinaus sei noch Vieles möglich, schmunzelt Ryser. Er sage sich stets: «Das beste Bild ist jenes, das erst noch kommt.» (Zürichsee-Zeitung)

(Erstellt: 07.06.2017, 19:02 Uhr)

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