IT-Firmen

IT-Firmenbesitzer wollen ihre Eigenständigkeit bewahren

Die IT-Szene am Zürichsee boomt. Das schnelle Wachstum wollen die meist inhabergeführten Informatik-Firmen weiterhin aus eigener Kraft bewältigen. Verkäufe stehen nicht zur Debatte. Das zeigt eine Umfrage unter Anbietern in der Region.

Die IT-Branche am Zürichsee blickt zuversichtlich in die Zukunft  — diese wollen sie weiterhin unabhängig und selbstständig  bestreiten.

Die IT-Branche am Zürichsee blickt zuversichtlich in die Zukunft — diese wollen sie weiterhin unabhängig und selbstständig bestreiten. Bild: Symbolbild/Keystone

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Die Zahlen sind eindrücklich: Im Gebiet um Zürich sind gegen 30 000 Personen im IT-Sektor tätig. In keiner anderen Branche ist die Zahl der Beschäftigten in den letzten 20 Jahren schneller gewachsen. Dabei bildet der Wirtschaftsraum Zürich — zusammen mit dem Genferseebogen — eine von zwei Informatik-Hochburgen schweizweit.

Seit Gründung profitabel

Was auffällt: Die Branche ist arg zersplittert. Rund 16 000 Firmen tummeln sich auf dem Schweizer IT-Markt. Nur zwei Prozent der IT-Unternehmen sind Grossunternehmen. Daran ändert auch die Übernahme des Softwaredienstleisters Acommit in Horgen durch die deutsche Bechtle (siehe Kasten) nichts. Droht dem Markt — wegen der Vielzahl kleiner Anbieter — nun eine Übernahmewelle? Die ZSZ hat sich am Zürichsee umgehört.

Eine der vielversprechendsten Neugründungen in der Schweiz auf dem Gebiet von Künstlicher Intelligenz (KI) für automatische Textanalyse befindet sich in Küsnacht und wurde 2015 unter dem Namen SpinningBytes gegründet. Für Co-Firmengründer und Mitbesitzer Mark Cieliebak ist klar: «Momentan gibt es keine Pläne für einen Verkauf». Allerdings ist auch noch niemand mit diesem Ansinnen an ihn herangetreten. Eine ‘feindliche’ Übernahme wäre aus seiner Sicht sinnlos, «da die Firma stark von unserem persönlichen Engagement, unserem Know-How und der engen Kooperation mit unseren Forschungsgruppen an der ETH Lausanne und der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW profitiert». SpinningBytes sei praktisch seit Gründung profitabel und habe einen etablierten Kundenstamm. Cieliebak glaubt jedenfalls nicht an grosse Verwerfungen auf dem Schweizer IT-Markt: «Einzelne Übernahmen von Spezialisten hat es immer wieder gegeben».

«Einzelne Übernahmen von Spezialisten hat es immer wieder gegeben».Mark Cieliebak, Mitbegründer SpinningyBytes

Der führende Schweizer Webhosting-Provider Hostpoint ist vor kurzem mit der gesamten Belegschaft von gegen 60 Mitarbeitenden von Jona aufs Weidmann-Areal nach Rapperswil gezogen. Das Unternehmen, das für seine Kunden Dienstleistungen rund um den Web-Auftritt und Domains erbringt, ist seit seiner Gründung vor 17 Jahren inhabergeführt und bezeichnet diesen Umstand als einen seiner wichtigsten Erfolgsfaktoren. Dadurch verfüge Hostpoint über die nötige Agilität, um Strukturen und Abläufe bei Bedarf jederzeit anzupassen sowie strategische Investitionen zu tätigen, «damit wir Wachstum und neuen Herausforderungen gerecht werden», wie Markus Gebert, Mitgründer und CEO von Hostpoint, sagt.

Solide aufgestellt

«Eine Konsolidierung in gewissen Bereichen der Schweizer IT-Branche» beobachtet der Chef und Mitbegründer von Bexio in Rapperswil, Jeremias Meier. Auch stünden zahlreiche inhabergeführte IT-Firmen vor einer Nachfolgeregelung. Bexio sei aber ein noch junges IT-Unternehmen im stark wachsenden Cloud-Markt und deshalb nicht direkt von dieser Entwicklung betroffen. Als einer der marktführenden Entwickler von webbasierter Business-Software für Kleinunternehmen und Selbstständige hatte Bexio 2016 und 2017 den Preis für das beste Software-Start-up der Schweiz erhalten. Ein Verkauf ist für Meier aktuell ebenfalls kein Thema: «Wir sind solide aufgestellt und stemmen unser schnelles Wachstum aus eigener Kraft». Vor anderthalb Jahren tätigte Bexio eine erste Akquisition. Für die Zukunft schliesst Meier weitere Zukäufe grundsätzlich nicht aus.

Die 2010 gegründete Starmind International AG ist ein Pionier auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI). Die Firma, die 2014 von Zürich nach Küsnacht gezogen ist, bewegt sich in einem hochspezialisierten Teilbereich der IT-Branche. Starmind sei stolz darauf, aus eigener Kraft organisch zu wachsen, sagt Finanzchefin Fabienne Dörig. Um allerdings im Wettlauf um die Weltspitze hier langfristig mithalten zu können und die eigene Technologie schneller weiterzuentwickeln und zu erweitern, sei die Firma auf Fundraising angewiesen: «Unsere Technologie ist für Investoren attraktiv, und wir sind kontinuierlich am Prüfen, wer für uns ein passender Partner sein könnte». Das Vertriebsnetz aber wachse in erster Linie durch starke, gleichwertige Partner.

In der Vergangenheit musste sich Starmind laut Dörig schon mehrfach Übernahmeversuchen erwehren. Gleichzeitig beobachtet das inhabergeführte Unternehmen den Markt aufmerksam und sondiert diesen stets nach potentiellen Zukäufen. Derzeit stehen gemäss Dörig ein bis zwei Firmen unter Beobachtung, die das eigene Wachstum beschleunigen könnten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.01.2018, 15:23 Uhr

Altersbedingte Nachfolgeregelung

Paukenschlag für die aufstrebende IT-Szene am Zürichsee gleich zu Jahresbeginn: Die deutsche Bechtle AG gab bekannt, dass sie mit der Acommit AG in Horgen einen der führenden Schweizer Dienstleister für Software und IT-Infrastrukturlösungen übernimmt. Das 1983 gegründete Unternehmen beschäftigt 60 Mitarbeitende an den Standorten Horgen, Wallisellen, Lyss und Luzern und erzielte im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von rund 14 Millionen Franken. Die bisherigen Eigentümer, Martin Küng, Christoph Kleiner, Erich Wieser und Robert Zanzerl, bleiben in unveränderter Führungsfunktion im Unternehmen. Auch der Firmenname bleibt erhalten.

Die Kompetenzen von Acommit fügten sich hervorragend in das Leistungsangebot von Bechtle ein, sagt der CEO von Acommit, Robert Zanzerl, gegenüber der ZSZ. Mit dem Zusammenschluss stärke Acommit auch seine eigene Marktposition. Nach Angaben von Zanzerl führt der Verkauf zu keinem Personalabbau — im Gegenteil. Der Personalbestand soll weiter kontinuierlich ausgebaut werden. Insgesamt sei es bei dem Deal um eine altersbedingte Nachfolgeregelung gegangen.
Für Bechtle ist es nicht der erste Zukauf in der Schweiz. So übernahm der IT-Konzern aus Neckarsulm 2016 die aargauische Steffen Informatik AG. Zwischen 2003 und 2007 kaufte Bechtle sechs Schweizer IT-Unternehmen, darunter den IT-Händler Also und Gate Informatic, Delec und Coma Services. (ths)

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