Weesen

In sechs Stunden den Walensee durchquert

Extremschwimmer Jürg Ammann durchschwamm am Samstag den Walensee der Länge nach. Die 15,5 Kilometer sind für den Aargauer ein Klacks. Im Jahr 2015 querte er bereits den Ärmelkanal.

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Mit einem Lächeln im Gesicht ­erreicht Extremschwimmer Jürg Ammann aus Erlinsbach am Samstag um 13 Uhr das Ufer in Weesen. Noch immer im Wasser stehend, sprudelt er los. Es sei toll gewesen, sagt er und hält den Daumen hoch. Der 53-Jährige ist weder ausser Atem, noch hat er Mühe, auf den Beinen zu stehen. Dies, obwohl er soeben sechs Stunden geschwommen ist und von Walenstadt bis Weesen 15,5 Kilometer hinter sich gelassen hat.

Einzig die Wassertemperatur habe ihm zugesetzt, sagt der Abenteurer. Der Walensee hat derzeit 18 Grad Celsius. Während des Schwimmens hat Ammann mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen. In der ersten Viertelstunde hustet er viel Schleim ab. Er würgt ­– übergeben muss er sich nur nicht, weil er aufs Frühstück verzichtet hat.

Magnesium gegen Krämpfe

Ammann kennt seinen Körper. Alle halbe Stunde reicht ihm Lebenspartnerin Irina Braungardt eine Stärkung vom Motorboot aus: Tee mit Honig, Reiswaffeln, Sportnahrung. Bereits nach einer Stunde stellen sich erste Muskelkrämpfe ein. Der Oberschenkelbizeps schmerzt. Das müsse er nun «aussitzen», sagt er und schwimmt weiter. Zwei Pausen später verlangt er nach Magnesium. Es löst die Krämpfe.

Dann wird die Strömung ­stärker. Ammann weicht aus, schwimmt näher Richtung Ufer. Ursprünglich wollte er den ­Walensee auf gerader Strecke in der Mitte durchschwimmen.Zu sehen ist der Extremschwimmer dank leuchtend oranger Schwimmboje gut. Dennoch gibt sein Team anderen Schiffslenkern Handzeichen vom Begleitboot aus und weist auf den Schwimmer hin.

«Bin ein Adrenalinjunkie»

Die Kommunikation klappt. Ausser dem Kursschiff tuckern nur wenige Fischerboote über den Walensee. «Mich macht das alles viel nervöser als ihn», sagt Braungardt. Zwar schwimmt sie selber gerne, kann solche Extremleistungen aber nicht ver­stehen.

Verrückt sei das, sagen auch Teammitglieder Jolanda Nyfeler und Ralf Reichle. Der gelernte Koch geht aus reiner Lebensfreude ans Limit. Er liebe die Natur und freue sich, mit dem von ihm ins Leben gerufenen Swiss Lakes Project Benachteiligte zu unterstützen. Zudem liebt Ammann das Element Wasser, den meditativen Ausdauersport und die Geschwindigkeit. «Ich bin ein Adrenalinjunkie», gesteht er.

Er schwamm Welt- und Europameisterschaften mit, wurde im vergangenen Jahr Schweizer Meister in der Klasse Open Water seiner Alterskategorie. Den Hallwilersee durchquerte er bei 4,5 Grad Celsius ohne Neoprenanzug. Gepackt hat Ammann die Leidenschaft, nachdem er 2005 den englischen Film «On a Clear Day» gesehen hatte. Darin therapiert sich ein Vater nach einem Schicksalsschlag mit dem Durchschwimmen des Ärmelkanals. «Bei jedem Armzug hatte ich das Gefühl, das bin ich», erinnert sich Ammann.

Drohne sucht den Schwimmer

Im Jahr 2015 durchschwamm Jürg Ammann den Kanal selber, doch 7,3 Kilometer vor Ende gab er auf. «Ich konnte nicht mehr», sagt er. Bereut hat er den Abbruch nie. «Das war Lebensschule pur», sagt er. Wegen starker Strömungen schwamm er mit Umwegen 57 Kilometer anstelle der 32, die der Kanal misst. Die fehlenden Kilometer will er bei einem zweiten Anlauf nachholen.

Auch die Durchquerung des Walensees am Samstag dauert schliesslich länger wegen der Strömungen. Teammitglieder erwarten ihn bereits eine Stunde vor der Ankunft ungeduldig – Remo Tenti sucht ihn per Drohne, und Britta Lettieri will das Mittagessen organisieren. Es ist ein eingespieltes Team. «Ohne diese grossartige Unterstützung könnte ich ein solches Projekt vergessen», sagt Jürg Ammann. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.07.2018, 10:09 Uhr

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