Rapperswil-Jona

IMS-Schülerzahl verdreifacht sich schon nach einem Jahr

Das Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) führt die einzige technische Informatikmittelschule (IMS)in der Schweiz. Mit lediglich 8 Schülern ist sie vor einem Jahr gestartet. Fürs neue Schuljahr liegen bereits 24 Anmeldungen vor.

So sehen Pioniere aus: Die jungen Männer sind schweizweit die ersten Informatikmittelschüler mit technischer Berufsmatura. Im zweiten Jahr zieht es bereits 24 Schülerinnen und Schüler in diese Ausbildung.

So sehen Pioniere aus: Die jungen Männer sind schweizweit die ersten Informatikmittelschüler mit technischer Berufsmatura. Im zweiten Jahr zieht es bereits 24 Schülerinnen und Schüler in diese Ausbildung. Bild: Manuela Matt

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Die jungen Männer sitzen im Untergeschoss des Schulhauses, es ist kühl und nicht besonders hell. In drei Gruppen arbeiten die 16- und 17-jährigen Informatikmittelschüler an ihrem Projekt. Sie sollen für ein Angebot der Hochschule Rapperswil (HSR) einen Webauftritt kreieren. Die Vorgaben haben sie von ihrem Lehrer Pius Senn erhalten, dem Leiter Informatik am Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ). Die Schüler tippen in ihre Laptops, besprechen sich, sogar das gute alte Flipchart hat einen kurzen Auftritt.

Eigentlich nichts Aussergewöhnliches. Doch die jungen Männer sind Pioniere. Im vergangenen August sind sie unter grosser Medienbeobachtung zum ersten Schultag angetreten. Ihre Kombination von Informatikausbildung mit technischer Berufsmatura, mit Schwergewicht auf Mathematik und Naturwissenschaften, ist schweizweit einzigartig. An allen anderen Informatikmittelschulen (IMS) wird die Kombination mit der Wirtschafts-Berufsmatura angeboten. Möglich wurde die IMS Technik dank der Zusammenarbeit zwischen BWZ und HSR. Die Ausbildung zum Informatiker mit Berufsmaturität Technik dauert vier Jahre, das vierte Jahr findet in einem Praktikumsbetrieb statt. Anschliessend ist ein Studium an einer Fachhochschule möglich.

Nur mit Sonderbewilligung

Die Anfangseuphorie vor einem Jahr wurde ein wenig getrübt durch das geringe Interesse. Mit acht Schülern, von denen einer in der Zwischenzeit ausgestiegen ist, lag die IMS Technik deutlich unter den kantonalen Minimalvorgaben, welche 16 Schüler pro Klasse vorschreiben. Die Verantwortlichen beim Kanton drückten jedoch ein Auge zu und erteilten eine Sonderbewilligung.

Dies nicht zuletzt deshalb, weil die Informatikschüler in einigen Fächern mit andern Berufsmaturaklassen zusammen unterrichtet werden, was Kosten spart. Auch die Infrastrukturkosten konnten laut BWZ-Rektor Werner Roggenkemper dank der Zusammenarbeit mit der HSR sehr tiefgehalten werden. So habe man dem Kanton von den budgetierten 100 000 Franken glatte 90 000 wieder zurückgeben können.

Immerhin vier Schülerinnen

Das neue Angebot hat sich in der Zwischenzeit offensichtlich herumgesprochen. Für das Schuljahr 2018/19 haben sich 20 junge Männer und 4 junge Frauen angemeldet. Damit ist Rapperswil-Jona in einem Jahr zum stärksten IMS-Standort im Kanton geworden, mit mehr Schülern als St. Gallen und Sargans. Das Medienecho, aber auch die verschiedenen Informationsanlässe für Eltern und Oberstufenschüler hätten wohl zum Erfolg beigetragen, mutmasst Fabio Cangini, Leiter Berufsmatura am BWZ. Rektor Roggenkemper spricht von einem dreifachen Erfolg:

Mit 24 Schülerinnen und Schülern ist die Klasse mehr als gut gefüllt, im Unterschied zum ersten Jahrgang ist es gelungen, Frauen anzusprechen – wenn auch wenige – und es sind einige ausserkantonale Schüler dabei, was für eine gewisse Strahlkraft der IMS spricht. Diese, gibt Roggenkemper neidlos zu, sei natürlich vor allem der HSR zu verdanken. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.06.2018, 14:46 Uhr

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«Wir beten jeden Tag»

Dauerthema am BWZ Rapperswil-Jona sind die engen Platzverhältnisse. «Solange wir mit einer IMS-Klasse pro Jahrgang durchkommen, geht es», sagt Werner Roggenkemper. Zwei Klassen liessen sich aber im Gebäude an der Zürcherstrasse nicht unterbringen. Schon jetzt gibt es Tage, an denen kein einziges Zimmer frei ist. Der Rektor hofft denn auch auf einen baldigen Entscheid in Sachen Neubau der Schule im Südquartier. «Wir beten jeden Tag, dass die Stadt das Schulhaus bauen und es dem Kanton dann vermieten darf», sagt Roggenkemper. Dieser Vorschlag kam auf, nachdem die städtischen Stimmbürger einem Verkauf des Landstücks beim Lido an den Kanton zugestimmt hatten, dieser den Neubau auf seiner Prioritätenliste aber weit nach hinten geschoben hatte. Natürlich weiss Roggenkemper um den in der Zwischenzeit aufgekommenen Widerstand gegen einen Neubau. Altstadtbewohner um den Architekten Herbert Oberholzer befürchten einen weiteren Verlust an städtischem Leben, wenn die Berufsschule auf die andere Seite der Bahngeleise zügelt. «Das BWZ kann die Altstadtprobleme nicht lösen», sagt Roggenkemper jedoch. Ausserdem würden die jetzigen Gebäude an einer derart attraktiven Lage wohl nicht lange ungenutzt bleiben. Mit dem Neubau ist frühestens in fünf bis zehn Jahren zu rechnen.

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