Schmerikon

Image-Pflege trotz fehlender Perspektive

Die Stiftung Jugendschiffe, die seit Monaten einen Jugendlichen aus Schmerikon erzieht, hat ihren Webauftritt aufgefrischt. Der Hinweis, dass das Schiff bald nicht mehr segeln darf, fehlt.

Im Internet deutet nichts darauf hin, dass das Jugendschiff im Sommer die Segel streichen muss.

Im Internet deutet nichts darauf hin, dass das Jugendschiff im Sommer die Segel streichen muss. Bild: Screenshot ZSZ

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Mit dem Entscheid der Kesb Linth, den Jugendlichen Marco aus Schmerikon im Mai 2014 auf das Erziehungsschiff Salomon zu schicken, begann für ihn eine monatelange Odyssee, die bis heute andauert. Demgegenüber wird die Seereise für die in den verbleibenden Wochen neu platzierten Jugendlichen zwangsläufig relativ kurz ausfallen: Ende Juli läuft die befristete Bewilligung für den Betrieb des Jugendschiffs aus, eine Verlängerung ist ausgeschlossen (die ZSZ berichtete).

Platzierungen laufen weiter

Offenbar besteht bei Eltern und Behörden dennoch weiterhin Interesse, Jugendliche auf dem Schiff zu platzieren: Laut den online veröffentlichten Schiffsberichten stiess letztmals am 25. Januar ein neuer Jugendlicher zur Gruppe auf dem Schiff.

Interessierte, die sich auf der Website der Stiftung Jugendschiffe Schweiz (SJS) und via Facebook-Auftritt über das Angebot informieren, finden dabei auch nirgends einen Hinweis, dass das Seefahrtserziehungsprogramm ab August nicht mehr stattfinden kann. Stattdessen hatte die Stiftung sich eben erst vor ein paar Wochen mit einem neuen Promotionsvideo an interessierte Jugendliche gerichtet. Seit dieser Woche erstrahlt die optisch aufgefrischte Website in neuem Glanz.

«Bald Heimanerkennung»

Aktualisiert hat man dabei auch inhaltlich, so etwa die Rubrik «Sicherheit und Aufsicht». Neu hiess es dort zunächst: «Die SJS möchte sobald wie möglich die IVSE-Heimanerkennung erhalten. Dazu befinden wir uns momentan im Vorprüfungsverfahren beim Kantonalen Jugendamt Bern (Stand Konzept).»

Bei der interkantonalen Vereinbarung für Soziale Einrichtungen (IVSE) handelt es sich um ein Konkordat, welches die Finanzierungsmodalitäten für den Aufenthalt von Personen in sozialen Einrichtungen ausserhalb ihres Wohnkantons regelt. Für die

IVSE kommen ausschliesslich Einrichtungen mit Standort in der Schweiz oder Liechtenstein infrage: Mit der Schiffssicherheit beziehungsweise der Aufsicht hätte eine – kaum realistische – IVSE-Aufnahme jedenfalls kaum etwas zu tun. Wie Co-Schiffsleiter Mario Schmidli denn auch auf Anfrage mitteilt, steht im Gegensatz zu den Angaben auf der Website der IVSE-Beitritt «derzeit nicht im Vordergrund». Eine solche Anerkennung wäre ohnehin «nicht zentral». Wie es mit der Stiftung weitergeht, will er offenlassen, dies werde später kommuniziert.

Inzwischen hat die Stiftung den Passus mit der Heimanerkennung vom Netz genommen. Unter dem Titel «institutionelle Aufsicht» heisst es dort nun bloss noch: «Das Kantonale Jugendamt Bern übernimmt die institutionelle Aufsicht des Betreuungsangebots des Jugendschiffs Salomon.» Ein Hinweis, dass das Jugendschiff ab August keine Bewilligung des Jugendamtes mehr hat, fehlt nach wie vor.

Gemäss Stiftung vereinbarten die Jugendschiffvertreter übrigens auch mit den jüngst platzierten Jugendlichen wie bisher, dass sie 40 Wochen mit einer genügenden Note bestehen müssen, ehe sie entlassen werden – dies, obwohl bis zum Betriebsende im Sommer weniger als 30 Wochen übrig bleiben. Gemäss Stiftung ist den zuweisenden Stellen bekannt, dass die Bewilligung für den Betrieb des Schiffs Ende Juli ausläuft.

Mindestens acht Wochen

Nach Auskunft der Mutter des Schmerkner Jugendlichen Marco hat er weitere acht zu bestehende Wochen vor sich. Damit wird er frühestens Ende März, also nach knapp zwei Jahren, definitiv zurückkehren können. Ob er vorher erneut zwecks Vorstellungsbesuch in einer Schule in die Schweiz gebracht wird, weiss die Mutter nicht.

Erstellt: 29.01.2016, 17:51 Uhr

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