Klosterserie, Tag 5

Ein Ort der Stille und der Akzeptanz

Das Kloster Rapperswil ist seit 25 Jahren ein Kloster zum Mitleben. ZSZ-Redaktorin Olivia Tjon-A-Meeuw verbringt eine Woche dort und berichtet hier täglich von ihren Erlebnissen.

Die Klostergemeinschaft verbringt einen gemütlichen Abend zusammen.

Die Klostergemeinschaft verbringt einen gemütlichen Abend zusammen. Bild: Karl Flury

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Diese Woche sind ausser mir noch fünf andere Gäste im Kloster. Sie erzäh­len an dieser Stelle von ihren Erfahrungen.

Horst, seit 2007 jedes Jahr hier: «Hier ist der Ort, an dem ich mit all meinen Widersprüchen so sein darf, wie ich wirklich bin. Vor zwei Jahren habe ich mich hier nach der Lektüre eines Buches entschieden, dass ich kein Christ mehr bin. Das habe ich einem Bruder auch gleich mitgeteilt. Er hat das einfach mal so aufgenommen. Am nächsten Tag war Eucharistiefeier, und ich stand in der ersten Reihe. Der gleiche Bruder hat mich angeschaut und mir dann die Hostie gegeben. Das war für mich ein Symbol dafür, wie tolerant die Leute hier sind. Darum fühle ich mich einfach wohl und gänzlich angenommen, so wie ich bin.»

Konrad, seit 2000 fast jährlich hier: «Ein Kloster ist immer eine religiöse Stätte, das hat in die Entscheidung hinein­gespielt, hierher zu kommen. Ich wollte nach dem Glauben suchen. Ich habe ihn auch gefunden. Ich war aus der Kirche ausgetreten und bin dann auch wegen meiner Erfahrungen hier wieder ein­getreten – weil es nicht der klassische Glaube ist, wie wir ihn in der Schule mitbekommen haben. Wir hatten einen total brutalen Pfarrer in der Schule. ­Darum habe ich den Glauben gerne ­abgegeben, aber auch gerne wieder­ aufgenommen, denn die Brüder hier sind alle sehr herzlich und nehmen einen mit offenen Armen auf. Das ist toll.»

Bernd, zum ersten Mal hier: «Ich bin jetzt in der zweiten Woche hier, und es gefällt mir sehr gut. In der vorherigen Woche waren ganz andere Persönlichkeiten da. Das ist sehr inter­essant. Ich mag auch die ruhige und gelassene Ader hier, die freund­liche Art, miteinander umzu­gehen. Man merkt, dass es nicht aufgesetzt ist. Die Ruhe gefällt mir sehr; ich gehe praktisch jeden Tag zwei Stunden spazieren. Es ist zwar immer der gleiche Weg, aber ich sehe immer etwas ­anderes, und das Wetter ändert sich ja immer. Das ist sehr angenehm. Ich werde nicht das letzte Mal hier gewesen sein.»

Heinrich, seit neun Jahren jedes Jahr hier: «Ich war vor neun Jahren ziem­lich am Boden. Die erste Woche, die ich hier war, konnte ich wirklich Ruhe finden. Die Brüder und Schwestern geben einem Halt. Seither komme ich jedes Jahr hierher, seit einigen Jahren für zwei Wochen. Eine Woche ist beinahe ein wenig zu kurz. Ich fühle mich hier geborgen. Es ist schön, mit dieser Bruderschaft zusammen zu sein. Auch mit allen Gästen, die ich bis jetzt getroffen habe – egal, von wo sie kommen –, hatte ich eine gute Zeit. Das we­nige Arbei­ten tut gut, und es entsteht eine Gruppendynamik. Das finde ich schön.»

Sigrid, zum vierten Mal hier: «Ich finde ganz gut, dass man hier einen Raster hat und nicht ins Boden­lose fällt und nur noch mit seinen Gedanken beschäftigt ist. Das kann ja auch negativ sein, dass man da nur noch am Rad dreht, und anfängt, zu grübeln. Für mich passt es hier total. Jedes Mal, wenn ich wiederkomme, ist es, wie wenn ich nach Hause komme. Es ist nie fremd, sondern immer gleich wieder vertraut.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.12.2017, 10:43 Uhr

Olivia Tjon-A-Meeuw, Redaktorin

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