Klosterserie, Tag 4

Ein offenes und einladendes Kloster

Das Kloster Rapperswil ist seit 25 Jahren ein Kloster zum Mitleben. ZSZ-Redaktorin Olivia Tjon-A-Meeuw verbringt eine Woche dort und berichtet hier täglich von ihren Erlebnissen.

Der Samichlaus macht auch im Kloster Rapperswil halt.

Der Samichlaus macht auch im Kloster Rapperswil halt. Bild: Karl Flury

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Meine Freunde hatten die perfekte Lösung, falls es mir im Kloster zu viel werden würde: «Knüpf die Bettlaken aneinander und seile dich über die Klostermauern ab.» Und falls ich in Not sei, solle ich doch eine Brieftaube schicken oder allenfalls Rauchsignale senden. Die Vorstellung dahinter ist jene des Klosters als eine Art geschlossenes Haus, in dem man total von der Aussenwelt abgeschottet ist. Das ist hier im Kapuzinerkloster allerdings nicht der Fall.

Gleich am Anfang bekommen alle Gäste einen Schlüssel, damit sie gehen und kommen können, wie sie möchten. Einzig zu den festgelegten Zeiten wie Gebeten oder Mahlzeiten wird die An­wesenheit erwartet. Ansonsten steht es einem frei, sich ausserhalb der Klostermauern zu bewegen. Da das Kloster gleich am See und in der Altstadt liegt, gibt es in der näheren Umgebung einige Möglichkeiten, den Nachmittag zu verbringen. Einige Gäste wandern gleich bis zum nächsten Kloster, nämlich nach Wurmsbach. Auch ich ergreife die Gelegenheit, um nach dem Schreiben ein wenig den Kopf durchzulüften und ein paar Schritte zu gehen. Ich habe ja hier keinen Arbeitsweg und gehe auch für das Mittagessen nicht ausser Haus. Da wäre es eine leichte Sache, den ganzen Tag drinnen zu verbringen. Auch weil ich hier viel sitze – zum Beten, zum Schreiben, zum Essen –, tut ein Spaziergang ganz gut.

Auch die Bewohner des Klosters verlassen dessen Mauern regelmässig, sei es, um eine Messe zu halten, im Spital ihre Dienste anzubieten oder ihre Familien zu besuchen.

Die Kommunikation findet mit ganz modernen Mitteln statt: Das Kloster ist nämlich zumindest in einigen Bereichen mit WLAN ausgestattet. Das Netz heisst «Pilger». Die Brüder und Schwestern kommunizieren mit der Aussenwelt häufig via E-Mail, auch wenn viele von ihnen älteren Semesters sind.

Und überhaupt zeigt natürlich die Bereitschaft, immer wieder neue Gäste aufzunehmen, dass die Klostergemeinschaft sehr offen ist. Neben den Wochengästen kommen auch viele andere Freunde des Klosters zu Besuch oder helfen aus. Jeden Tag taucht wieder ein neues Gesicht auf. Also neu für mich natürlich. Für die Schwestern und Brüder sind es alte Freunde. Da gibt es Personen, die machen den Pförtnerdienst, andere führen Reparaturen aus. Wer gerade im Haus ist, wird natürlich zum Mittagessen eingeladen oder kocht es gleich selbst.

Diese Woche kam ein ganz spezieller Gast zu Besuch: der Samichlaus. Es stellte sich heraus, dass er auch über die Klostergemeinschaft Buch führt. Was genau in seinem Buch stand, das soll ein Geheimnis bleiben. Nur so viel: Am Ende waren alle Schwestern und Brüder noch da. Und Nüssli und Mandarinli hat es nun im Kloster im Überfluss.

Was meine Bettlaken angeht, so sind die noch immer dort, wo sie hingehören. Nach einer halben Woche kann ich sagen: Ich möchte nicht aus dem Kloster Rapperswil türmen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.12.2017, 10:55 Uhr

Olivia Tjon-A-Meeuw, Redaktorin

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