Wahlen

«Ich wähle Widmer-Schlumpf nicht»

Barbara Keller-Inhelder (SVP, Rapperswil-Jona) schaffte erstmals die Wahl in den Nationalrat. Sie spricht über die Gefühle nach dem Wahltag und ihre politischen Projekte in Bern.

Barbara Keller-Inhelder freut sich auch am Tag danach über ihre Wahl in den Nationalrat.

Barbara Keller-Inhelder freut sich auch am Tag danach über ihre Wahl in den Nationalrat. Bild: Kurt Heuberger

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Barbara Keller-Inhelder, Sie haben ihre erste Nacht als frisch gewählte Nationalrätin hinter sich. Wie haben Sie geschlafen?
Es ist lustig: In der Nacht vor den Wahlen habe sich so gut und vor allem lang geschlafen wie kaum je in den vergangenen Wochen. Gestern nun war ich die ganze Zeit wach, weil mir so viele Dinge durch den Kopf gingen. Es ist alles positiv, aber ich bin mich nun geistig bereits am Organisieren für die Zukunft.

Was mussten Sie geistig so dringend organisieren, dass Sie nicht schlafen konnten?
Wie organisiere ich beispielsweise die Sekretariatsarbeiten und meine Haushaltshilfe, und welche Aufgaben könnte ich noch delegieren. Andererseits gingen mir aber auch alle tollen Bilder des Wahltages noch einmal durch den Kopf.

Im Rückblick und mit etwas Distanz: Wie haben Sie den Sonntagabend erlebt?
Ich strahle immer noch, ich glaube, das dauert auch noch eine Woche an. Es war so schön. Überall, wo ich hinkam, wurde mir gratuliert. Ich konnte meine Batterien richtig auftanken.

Weder die SVP noch Sie haben eine Wahlfeier organisiert. Haben Sie im tiefsten Innern nicht doch das Gefühl gehabt, es klappt?
Ich habe es nicht ausgeschlossen. Aber ich habe nicht einmal ansatzweise daran gedacht, etwas zu organisieren. Ich habe schlicht nicht damit gerechnet. Umso mehr freue ich mich, dass die SVP Rapperswil-Jona so kurzfristig einen Saal organisieren konnte. Diese spontane Aktion war unglaublich schön.

Was war Ihr besonderes Highlight an diesem Tag?
Ich habe mich besonders gefreut, dass meine Familie komplett war. Mein Mann, der geschäftlich viel in Indien ist, kam extra für den Wahlsonntag zurück. Ich dachte zuerst, das sei nicht nötig – aber jetzt bin ich so froh, dass er da war. Ich stieg ja dank ihm in die Politik ein. Sein Vater war amtierender Nationalrat, als ich ihn kennenlernte.

Ist er nun froh, dass Sie es geschafft haben – oder sieht er das kritisch, weil er weiss, was auf Sie zukommt?
Nein, er freut sich. Er meinte immer: Du eignest dich für dieses Amt.

Sie haben in Rapperswil-Jona ein Glanzresultat erreicht. 3396 Stimmen – mehr als Toni Brunner und deutlich mehr als der Rest der SVP-Kandidaten.
Wow. Das freut mich. Ich hatte noch gar keine Zeit, das Resultat genauer anzuschauen. Es freut mich besonders auch deshalb, weil mein Parteiwechsel von der CVP zur SVP so ein Spektakel war. Ich bin froh, dass die Wähler das nun akzeptiert haben. Ich habe offenbar weit über die SVP-Wählerschaft hinaus Stimmen geholt.

Hatten Sie nie Angst, dass dieser Parteiwechsel Ihnen noch Jahre später schlecht ausgelegt würde?
Nein. Ich wusste immer, dass ich das machen musste. Ich hatte keine Zukunft in diesem Umfeld. Ich war immer überzeugt vom Entscheid und bin froh, dass ich mit den meisten Kollegen von damals weiter gut auskomme.

Die erste Session startet bereits Ende November. Wie werden Sie sich einarbeiten?
Ich weiss es nicht. Ich habe mich ja wirklich nicht damit befasst. Aber ich gehe davon aus, dass es nicht viel anders wird als im Kantonsrat. Dort habe ich ja 15-jährige Erfahrung. Aber es ist schon spektakulär, bereits bei der Bundesratswahl dabei zu sein. Ich habe zwar selber nie daran gedacht, aber gestern haben mich alle daran erinnert.

Sie müssen sich eine Taktik für die Wahl zurechtlegen.
Da werde ich mich beraten lassen, wie man manövriert. Es war nie meine Stärke, strategische Entscheide zu fällen. Viel lieber entscheide ich sachlich.

Sie wissen also noch nicht, ob Sie Eveline Widmer-Schlumpf wählen.
Doch, das weiss ich. Ich wähle sie nicht. Sie hat sich illoyal verhalten bei ihrer damaligen Wahl. Das habe ich nie verstanden.

Da gibt es jedoch Parallelen. Ähnliches wurde Ihnen auch vorgeworfen, als Sie kurz nach den Kantonsratswahlen von der CVP zur SVP wechselten. Was war bei Ihnen anders?
Meine gesamte Politik wurde von meiner damaligen Partei nicht unterstützt und sogar regelmässig bekämpft. Gleichzeitig erhielt ich immer sehr viel Wohlwollen und Unterstützung aus der SVP-Fraktion. Somit war dieser Schritt eigentlich nichts als logisch.

Welches Dossier wollen Sie in Bern aktiv bewirtschaften?
Besonders im Asylthema will ich mich engagieren. Die Flüchtlingshilfe vor Ort ist mir wichtig. Wir können nicht ganze Bevölkerungsteile auf Europa verteilen. Da habe ich klare Vorstellungen, wie wir das in sicheren Drittstaaten machen können. Da hilft mir auch meine Erfahrung, die ich von den Reisen nach Indien habe. (zsz.ch)

Erstellt: 19.10.2015, 18:34 Uhr

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