Gommiswald

«Ich hatte keine Ahnung, dass Gommiswald existiert»

Nik Hartmann wandert seit Jahren durch die Schweiz und hat dabei viele spannende Geschichten gesammelt. Mit diesen Anekdoten im Rucksack reist er am Freitag nach Gommiswald, wo er im Rahmen seiner Bühnentour auftritt.

Nik Hartmann hat Freude am direkten Kontakt mit dem Publikum.

Nik Hartmann hat Freude am direkten Kontakt mit dem Publikum. Bild: zvg /René Tanner

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Viele Leute wandern, um sich selbst zu finden. Welche unbekannten Seiten haben Sie zuletzt an sich kennen gelernt?
Nik Hartmann: Bei mir ist die verklärte Seite des Wanderns ganz versteckt. Ich mache Fernsehsendungen und bin immer wieder von der schönen Natur fasziniert. Ich habe mich dadurch nicht selbst gefunden, denn ich mach es aus einer anderen Motivation. Wenn man draussen an der frischen Luft ist und nicht die ganze Zeit sitzen muss, fühlt man sich einfach wohler.

Sie sind seit Jahren auf Wanderschaft. Gibt es noch eine Landschaft oder eine Strecke, die Sie gerne erkunden würden?
Ich habe keinen Lieblingsort, ich habe Lieblingsgefühle, und zwar immer ab 1000 Meter über Meer. Dort oben wirds mir richtig wohl. Was die Strecke angeht, gefallen mir vor allem lange Distanzen. Einmal von hier ans Mittelmeer wandern oder die Pyrenäen durchqueren, das fände ich sehr faszinierend. Vielleicht mache ich das mal noch, aber ohne Kamera, sondern einfach für mich. Und wer weiss, vielleicht finde ich mich dann auf diesem Weg.

Die perfekte Kombination von Selbstfindung und langer Strecke wäre der Jakobsweg. Wäre das etwas für sie?
Mich persönlich faszinieren solche ausgetrampelten Pfade wie der Jakobsweg oder ikonische Berge immer weniger. Mich lockt immer mehr das Unentdeckte. Das kann man auch bei mir im Programm sehen. Es geht während der zwei Stunden nicht um bekannte Wanderwege, sondern um die verkannten und unentdeckten Täler und Regionen in unserem Land.

Sie sind nun bereits seit zehn Jahren in der Schweiz unterwegs. Gibt es überhaupt noch Neues zu entdecken?
Oh ja. Ein Land verändert sich mit jedem Tag. Auch in den Regionen, in denen man bereits einmal war, entdeckt man nach fünf oder zehn Jahren wieder etwas Neues. Es sind ja Menschen, welche die Landschaften prägen. Menschen verändern sich, es kommen neue Generationen und Ideen. Klar, ein Berg ist ein Berg. Aber vielleicht habe ich ihn mal bei strahlendem Sonnenschein entdeckt, und beim nächsten Mal ist er vielleicht verschneit. Man kann jeden Weg ein paarmal gehen und er ist jedes Mal anders.

«Ich habe keinen ­Lieblingsort, ich habe Lieblingsgefühle.»Nik Hartmann

In Ihrem Bühnenprogramm geht es um die tausend Seelen der Schweiz. Wie ist das zu verstehen?
Es geht dabei um Identität. Man hat immer das Gefühl, alle müssten gleich ticken. Dem ist nicht so. Ich spreche immer wieder mit vielen Leuten in jeder Region und kriege tausend verschiedene Antworten auf die gleiche Frage, wie zum Beispiel: Was ist Heimat? Aber etwas, das uns immer wieder verbindet, vielleicht sinnbildlich für die Schweiz: Wir sind stolz auf die Landschaften, auf die Schönheit des Landes. Wir sind vielleicht weniger stolz auf einzelne Menschen. Das können wir nicht so gut. Wir hatten nie einen König, vielleicht noch Roger Federer, aber das wars.

Am Freitag treten Sie in Gommiswald auf. Sind Sie dort in der Gegend auch schon vorbeigekommen?
Ich kenne Uznach und natürlich Rapperswil. Ich bin auch schon von der Linthebene in Richtung Wattwil gewandert. Atzmännig, St. Gallenkappel, Ricken, diese Region kenne ich schon. Aber ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, dass Gommiswald überhaupt existiert. Es tut mir sehr leid.

Auf der Bühne spielen Sie das Handörgeli und imitieren Dialekte. Können Sie so eine Seite von sich ausleben, die im Radio und im Fernsehen so nicht zur Geltung kommt?
Es geht mir mehr darum, den direkten Kontakt zum Publikum zu haben, ohne Zeitdruck. Und ich bin sehr gerne Gastgeber, in jeder Art und Weise. Ich denke, die Bühne ist einfach eine neue Spielform, die mir erlaubt, näher an die Menschen heranzukommen. Nun kann ich diese Unmittelbarkeit, die auch Teil meiner Sendungen ist, noch ein wenig mehr ausleben. Dass ich mich selbst präsentieren kann, das ist eine Nebensächlichkeit, die in meinem Beruf halt eben mitschwingt. Das muss man gerne machen.

Sie sind nun seit gut einem Jahr mit Ihrem Programm unterwegs. Haben Sie auch schon etwas geändert, weil Sie gemerkt haben, dass es beim Publikum nicht ankommt?
Dauernd! Erstens ist der Anfang immer anders. Ich versuche immer etwas Lokalspezifisches einzubauen. Und zweitens liegen Veränderungen in der Natur der Sache. Man merkt irgendwann, ob etwas gut funktioniert oder doch besser aus dem Programm gestrichen wird.

Beim Wandern muss man einen Berg hoch und wieder runter. Mit Ihrer Karriere geht es nur bergauf. Haben Sie Angst vor dem Abstieg?
Ich gehe nur so süferli bergauf, dass es dann auch nur süferli bergab geht. Ich bin noch nie freihängend hinauf, denn dann ist die Absturzgefahr auch viel grösser.

Nik Hartmann tritt mit seinem Programm «Nik Hartmann live» am Freitag um 20 Uhr im Gemeindesaal Gommiswald auf. Tickets sind auf Starticket.ch erhältlich. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.04.2017, 17:43 Uhr

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