Kaltbrunner Riet

Hochzeitspaar muss für romantische Szene im Riet büssen

Trotz einer nicht übersehbaren Verbotstafel hat ein Hochzeitspaar im Kaltbrunner Riet einen Film gedreht. Das wurde ihnen nun zum Verhängnis. Die Filmcrew muss mehrere hundert Franken Busse zahlen.

Ein Gang durch die unberührte Natur - abseits von markierten Wegen: Diese Szene im Hochzeitsfilm wurde dem Liebespaar zum Verhängnis.

Ein Gang durch die unberührte Natur - abseits von markierten Wegen: Diese Szene im Hochzeitsfilm wurde dem Liebespaar zum Verhängnis. Bild: Screenshot

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Das Haar weht im Wind, als die junge Frau mit ihrem Schimmel durch die unberührte Natur reitet. Ihr cremefarbener Stiletto fällt zu Boden und, als wäre das ganze eine Szene aus dem Märchen Aschenputtel, findet ihr Prinz den Schuh. Der junge Herr, den Oberkörper nur durch Gilet und Fliege bedeckt, schlendert durch die Landschaft und beschleunigt dann seinen Gang als er seine Angetraute erblickt. Den finalen Kuss gibt es vor spektakulärer Landschaftkulisse im gleissenden Licht der herbstlichen Abendsonne.

Kitschiger könnte diese Szene aus dem Hochzeitsfilm eines frischvermählten Zürcher Ehepaars nicht sein. Doch sie hat handfeste Konsequenzen, wie gleich sechs Strafbefehle der St. Galler Staatsanwaltschaft zeigen, welche der «Zürichsee-Zeitung» vorliegen. Die Szenen wurden nämlich im Kaltbrunner Riet gedreht - ein Wasser- und Zugvogelreservat von nationaler Bedeutung. Das Verlassen der Wege ist dort strengstens verboten, ebenso wie das Reiten von Pferden oder freilaufende Hunde. Das Riet ist einer der letzten Überreste der früher ausgedehnten Sumpfgebiete zwischen dem Walensee und dem Zürichsee. Es liegt heute mitten im sonst landwirtschaftlich geprägten Teil Linthebene.

Alle Tafeln missachtet

Naturliebhaber hatten den Dreh des Hochzeitsfilmes im vergangenen Herbst beobachtet und dokumentiert. Die Ortsgemeinde Kaltbrunn und Pro Natura stellten daraufhin Strafantrag wegen Übertretung der Natur- und Landschaftsschutzverordnung für das Benkner- Burger- und Kaltbrunner Riet.

Konkret lief der Filmdreh so ab: An einem Sonntag Mitte Oktober traf um circa 15 Uhr das sechsköpfige Filmteam im Kaltbrunner Riet ein. Darunter das Ehepaar selbst, ein Kameramann und ein Beleuchter. Trotz Fahrverbot chauffierten sie ihren Kastenwagen und einen Personenwagen mit Pferdeanhänger vom Hans-Noll-Weg bis zum sogenannten Pumphäuschen. Dort wurde eine erste Filmszene gedreht. «Danach betrat die Gruppe (...) trotz sichtbarer Signalisationstafel mit dem entsprechenden Betretungsverbot die Zone A, wo sie weitere Filmaufnahmen drehten», heisst es in den Strafbefehlen. Die Reiterin hätte bereits da wissen müssen, dass sie durch den Pferderitt gegen das geltende Reitverbot im Naturschutzgebiet verstösst, meint der zuständige Staatsanwalt im Strafbefehl. Denn: Sie hatte den Pferdeanhänger direkt neben der Schutztafel parkiert. Auf den Schildern wird von den Besuchern des Kaltbrunner Riets etwa explizit auch verlangt, die Fusswege nicht zu verlassen.

Von einem Naturschützer wurden sie während des Drehs auf ihr Fehlverhalten angesprochen. Doch die Filmcrew dachte nicht ans Abbrechen der Aufnahmen. Sie wechselten einfach die Bachseite und drehten bis 18.30 Uhr weiter – doch auch dort gelten die Regeln des Naturschutzgebietes. Spätestens nach der Aufklärung durch den Naturschützer hätte das Team laut der Staatsanwaltschaft wissen müssen, dass sie gegen ein Betretungsverbot verstossen hatten. Deshalb wurden alle sechs mit Bussen in der Höhe von wenigen hundert Franken belegt. Gesamthaft kommt das Filmprojekt die Verliebten aber teuer zu stehen. 2700 Franken müssen die sechs Beteiligten inklusive der diversen Gebühren bezahlen. Die sechs Beschuldigten haben die Strafbefehle der Staatsanwaltschaft St. Gallen akzeptiert. Sie wurden vor wenigen Tagen rechtskräftig.

Ein krasser Fall

Dass sich Besucher des Kaltbrunner Riets nicht an die Regeln im Naturschutzgebiet halten, komme öfters vor, heisst es auf Anfrage bei Pro Natura St. Gallen- Appenzell. Hauptproblem sind Hundehalter die ihre Tiere frei laufen lassen und damit die schützenswerte Flora und Fauna gefährden. Vielfach könne man die Tierbesitzer in einem Gespräch einfach über die Regeln informieren und somit das Problem rasch lösen, sagt Antonia Zurbuchen, Leiterin der Geschäftsstelle des Kaltbrunner Riets. Beim vorliegenden Fall handle es sich um eine krasse Ausnahme, bei dem man nicht um eine Anzeige herumgekommen sei.

Auch Benedikt Jöhl, zuständiger Wildhüter im Riet, zeigt hin und wieder fehlbare Hundehalter an. «Wen ein Hund etwa jagt, wird das zur Anzeige gebracht», sagt Jöhl. Er stört sich regelmässig daran, dass sich die Tierbesitzer nicht an eine einfache Regel wie die Hundeleinenpflicht halten. Für Jöhl das grosse Problem: Fehlbare müssen inflagranti erwischt werden, Bildbeweise gar mit fotografierten Autokennzeichen wie im vorliegenden Fall, sind höchst selten.

Auf Bundesebene und im Kanton St. Gallen wird derzeit eine Gesetzesänderung vorbereitet, um die renitenten Tierbesitzer einfacher strafen zu können. Zukünftig sollen die Wildhüter Personen nicht nur anzeigen können, sondern wie Polizisten direkt vor Ort Ordnungsbussen ausstellen dürfen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.02.2018, 17:53 Uhr

Die Tafeln im Riet machen deutlich auf die Regeln aufmerksam. (Bild: zvg)

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