Rapperswil-Jona

High-Tech-Firma muss Baupläne in Kempraten fallen lassen

Die Sensoren-Firma AMS muss ihre Baupläne in Kempraten begraben. Das Projekt für 250 Mitarbeitende hätte aus Sicht der Grundstückseignerin den Rahmen gesprengt. Stattdessen wird nun ein Einzug bei Wicor in Rapperswil geprüft.

Die grüne Wiese bleibt vorerst grün: Die Firma AMS zieht ihr Bauprojekt in Kempraten (Bild) als Ersatz für den jetzigen Forschungsstandort nahe beim Bahnhof Rapperswil zurück.

Die grüne Wiese bleibt vorerst grün: Die Firma AMS zieht ihr Bauprojekt in Kempraten (Bild) als Ersatz für den jetzigen Forschungsstandort nahe beim Bahnhof Rapperswil zurück. Bild: Patrick Gutenberg

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Der Neubau des österreichischen Chipherstellers AMS in Kempraten kommt nicht zustande. Nötig wurde das Projekt, weil das hiesige Design Center mit seinen 50 Mitarbeitenden — eines von 20 weltweit — gegenüber der Hochschule HSR beim Bahnhof Rapperswil aus allen Nähten platzt.

Fündig geworden war das an der Schweizer Börse kotierte Unternehmen im vergangenen Jahr auf der grünen Wiese beim Holdingsitz von LafargeHolcim in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Kempraten. Hier sollte Platz für bis zu 250 Arbeitsplätze geschaffen werden. In die Planung mit einbezogen wurden auch die rund 80 Mitarbeitenden des Forschungslabors von Heptagon in Rüschlikon. AMS hatte die Sensorik-Firma mit Hauptsitz in Singapur im Oktober letzten Jahres übernommen.

Nun aber hat sich die Besitzerin des Grundstücks, das Family Office der Industriellenfamilie Schmidheiny, die CKU AG, entschlossen, das Projekt nicht weiterzuverfolgen. Aus Sicht der CKU wäre das neue Bürogebäude im Vergleich zur bestehenden Liegenschaft von LafargeHolcim und der gesamten Umgebung zu dominant ausgefallen.

Auf Anfrage bestätigte der CEO der CKU AG, Urs Eberhard, dass versucht worden sei, das Projekt architektonisch auf die Reihe zu bringen: «Doch die Parameter haben sich im Planungsprozess verschoben». In einer ersten Projektstudie war noch die Rede von maximal 130 Arbeitsplätzen gewesen, die AMS nach Kempraten bringen wollte. Nach der Heptagon-Übernahme hatte AMS ihr Projekt aber überarbeitet und an die erforderlichen Kapazitäten angepasst. Für die CKU AG wurde der Baukörper damit zu gross und zu wuchtig. Wie es auf dem Grundstück baulich weitergeht, konnte Eberhard nicht sagen: «Wir sehen derzeit keine Notwendigkeit, hier auf die Schnelle etwas zu realisieren».

AMS zeigt Verständnis

AMS bringe für den Entscheid Verständnis auf, sagt Thomas Troxler. Der Standortleiter der AMS-Entwicklungscrew in Rapperswil machte sich unverzüglich daran, neue Optionen zu prüfen und wurde dabei von der Stadt Rapperswil-Jona und der Standortförderung des Kantons St. Gallen aktiv unterstützt.

Auf Anfang 2018 soll nun nach Angaben von Troxler die 50-köpfige AMS-Mannschaft in Rapperswil ein paar hundert Meter weiter ostwärts zu Wicor dislozieren. Unterschrieben ist noch nichts, doch die Wicor-Verantwortlichen sind bereits über die Pläne von AMS ins Bild gesetzt worden. Ein definitiver Entscheid soll in den nächsten Wochen fallen.

Standort Rüschlikon bleibt

Eigentlich wollte AMS nach dem abschlägigen Bescheid in Kempraten ein Team von AMS-Spezialisten in Rapperswil mit 15 Personen zu Heptagon nach Rüschlikon verlegen, wo es genügend freie Kapazitäten gibt. Am vergangenen Donnerstag informierte Troxler das betroffene Team in Rapperswil. Die Reaktionen auf die Ankündigung seien aber verhalten bis negativ ausgefallen.

Vor diesem Hintergrund beschloss die AMS-Leitung, eine Kehrtwende zu vollziehen und die Idee einer Einmietung im Wicor-Hauptgebäude in Rapperswil, die schon einmal beleuchtet und verworfen wurde, wieder aufzugreifen. Der Standort Rüschlikon soll unverändert weiterbestehen. Dieser Ansatz soll es AMS gemäss Troxler erlauben, an beiden Standorten weiterhin namhaft wachsen zu können.

Mitarbeitende höchstes Gut

Für die AMS steht bei all ihren Anstrengungen an erster Stelle, «dass wir nicht einen Teil unserer Mitarbeitenden verlieren, nur weil wir den Standort Rapperswil nach Rüschlikon verlegen oder umgekehrt», betont Troxler. Für eine High-Tech-Firma wie AMS seien die Mitarbeitenden, respektive deren langjährige Erfahrung und das tiefe Wissen das höchste Gut.

Der Bauchef von Rapperswil-Jona, Thomas Furrer, zeigte sich einerseits enttäuscht darüber, dass das mit einem Architekturwettbewerb verbundene Prestigeprojekt in Kempraten nicht zustande kommt. Eine Firma wie AMS, die in einer so zukunftsträchtigen Branche zuhause sei, sei immer auch eine Art Gradmesser für die Wettbewerbsfähigkeit einer Gemeinde. Positiv sei immerhin, dass die Firma ihren Status quo in Rapperswil-Jona wahre. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.05.2017, 14:46 Uhr

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