Weesen

Heimkehrer mit Sinn für Dialog

Marcel Benz (parteilos) tritt innerhalb von nur einem halben Jahr zum zweiten Mal als Gemeinde­präsident zur Wahl an. Diesmal allerdings ­ohne ­Konkurrenz. Für seine erste vollständige Amtszeit hat er sich einiges vorgenommen.

Als Quereinsteiger in die Politik gab es für Gemeindepräsident Marcel Benz viel Neues.

Als Quereinsteiger in die Politik gab es für Gemeindepräsident Marcel Benz viel Neues. Bild: Michael Trost

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Seit Anfang Mai sind Sie Gemeindepräsident von Weesen. Wie haben Sie sich eingelebt?
Marcel Benz: Sehr gut. Für mich als Quereinsteiger in die Politik gab es viel Neues zu lernen und Informationen zu sammeln. In den ersten Monaten hatte ich schon viele gute Begegnungen und konnte an schönen Ver­anstaltungen teilnehmen, zum Bei­spiel am Neuzuzügeranlass. Dann gab es natürlich die Amtsübergabe mit dem bisherigen Ge­mein­depräsidenten Mario ­Fedi und die ersten Sitzungen mit dem Gemeinderat. Da habe ich auch einen Einblick in laufende Projekte wie zum Beispiel das Gesamtverkehrskonzept erhalten.

Sie sind in Weesen aufge­wachsen, haben nun aber lange Jahre in Luzern verbracht. Wie war die Rückkehr?
Es war ein Heimkommen. Ich ­habe viele Freunde und Bekannte in Weesen, besonders auch über den Fussballclub. So wusste ich auch immer, was läuft. Aber natür­lich hat sich die Gemeinde seit meinem Wegzug verändert, allein schon von der Einwohnerzahl her. Waren es vor 20 Jahren noch 1300, sind es unterdessen 1600 Einwohner. Trotzdem gibt es immer weniger Läden im ­Städtli und Gewerbebetriebe in Wee­sen. Ich erinnere mich, dass es früher noch vier Bäckereien gab. Heute gibt es keine mehr. Aber wir sind froh, dass der ­Spar-Laden Brot anbietet.

Und der Abschied von Luzern?
Der ist noch nicht endgültig passiert. Bis Ende September bin ich noch beim Schweizer Schiesssportverband (SSV) tätig und arbeite meinen Nachfolger ein. Danach reduziert sich dieses Pen­sum bis Ende Jahr auf 20 Prozent. Als Jurist werde ich das neue Regelwerk im SSV noch einführen helfen. Danach widme ich mich mit meinen 80 Prozent der Gemeinde Weesen. Noch nicht definitiv ist auch unsere Wohn­situation. Seit Anfang September habe ich eine kleine Wohnung im Fli gemietet. Das ist aber nur vorüber­gehend. Meine Frau und ich sind zudem an einem Bauprojekt im Fli/Weesen interessiert.

Jede Gemeinde hatihre Vor- und Nachteile. Was zeichnet Weesen aus?
Ein Trumpf ist sicher die wun­der­schöne Lage. Dass Weesen als Wohngemeinde gefragt ist, zeigt sich an den verschiedenen Bauprojekten, die aktuell realisiert werden. Wir haben Neuzuzüger, die von Zürich, vom Zürich­see oder aus dem Glarnerland hierher ziehen. Unbeschränkt wird das Wachstum aber nicht andauern. Einerseits sind die Land­reserven beschränkt, anderseits hängt die Entwicklung auf Ge­mein­de­ebene auch mit der ge­samt­schweizerischen Entwicklung ab sowie der Entwicklung der Personenfreizügigkeit mit der EU. Insgesamt ist mir wichtig, dass Weesen für alle Altersklassen attraktiv ist – für junge Fami­lien wie für ältere Leute.

Hat Weesen auch Nachteile?
Steuerlich ist Weesen sicher schon besser dagestanden als heute (der Steuerfuss liegt bei 140 Prozent, Red.). Natürlich hoffen wir dank den Neuzuzügern auch auf zusätzliches Steuersubstrat. Allerdings gilt es zu bedenken, dass viele Ausgaben fix sind und nicht beeinflusst werden können. So entfallen zum Beispiel 80 Prozent des Finanzbedarfs der Gemeinde auf die Schule. Wichtig ist, dass sauber und frühzeitig budgetiert wird. Versprechen für Steuerfusssenkungen kann ich derzeit aber für die nächsten vier Jahre keine abgeben.

Das Bauprojekt Café am See hat in Ihrer ersten Zeit als Gemeindepräsident bereits für kritische Stimmen gesorgt. Zu über­di­men­sioniert und zu klotzig an der prominenten Stelle am See, hiess es von verschiedenen Seiten.
Es gab einige Kritik zu diesem Pro­jekt, das ich übernommen ­habe. Wichtig ist mir, die Bevölkerung richtig zu informieren. Ein Foto in der Zeitung reicht meines Erachtens nicht aus, um dieses Projekt objektiv zu beurteilen. Hier will ich ansetzen. Geplant ist eine Orientierungsversammlung für die Bevölkerung. Ziel wird sein, die Hintergründe zu erläutern, wie die Fachjury zu ihrem Entscheid gekommen ist.

Welche Projekte wollen Sie sonst in den nächsten Monaten ­anpacken?
Beschäftigen wird mich sicher die Umsetzung des Gesamtverkehrskonzepts. Dabei geht es dar­um, in der Ziegelbrückestrasse eine Pförtneranlage zu erstellen. Wichtiges Thema ist auch die Zusam­menarbeit mit der Primarschulgemeinde Weesen und der Oberstufenschulgemeinde Weesen-Amden. Wäre es zur Fusion mit Amden gekommen, wäre wohl eine Einheitsgemeinde gebildet worden. Nun stehen wir in dieser Frage noch am Anfang. ­Zuerst gilt es, den 25. September abzuwarten, wo auch neue Mitglieder in der Schulbehörde zur Wahl stehen. Die Schulen sollen den Anstoss für die weitere Zusammenarbeit geben. Eine stärkere Zusammenarbeit liegt aber sehr im Interesse der Politischen Gemeinde. Ebenfalls beschäftigen wird den Gemeinderat das bald in Kraft tretende kantonale Baugesetz respektive dessen Umsetzung auf Gemeindeebene.

Das historische Städtli stirbt ­zusehends aus. Wie kann diese Entwicklung gestoppt werden?
Dass wieder mehr Leben einkehrt, ist mir ein sehr wichtiges Anliegen. Mit dem Café Liszt, das hoffentlich weiter Bestand haben wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung gemacht. Im Gemeinderat werden wir zunächst eine Auslegeordnung machen und ­danach entscheiden, welche kon­kre­ten Massnahmen getroffen werden können und wie die ­Gemeinde unterstützen kann. Hier gilt es, auch die Eigentümer der Liegenschaften mit an Bord zu holen.

In Weesen gibt es keinepolitischen Parteien, ausserdem Forum. Ist das ein Vor-oder Nachteil?
Ein Nachteil. Über poli­tische Parteien funktioniert der Austausch einfacher. Ohne sie müssen wir uns anderweitig orga­nisieren. In Sachen Kommuni­kation wollen wir wieder vermehrt die Führung übernehmen. Geplant ist unter anderem die Erneue­rung der Website. Ich möchte offen sein und Anliegen aus der Bevölkerung aufnehmen. Und das nicht nur einmal im Jahr an der Gemeindeversammlung.

Wie stehen Siezum Thema ­Gemeindefusion?
Das ist nach der gescheiterten ­Abstimmung von vor einem Jahr vom Tisch. Weesen hat gezeigt, dass es offen gewesen wäre. ­Amden hat aus verschiedenen Grün­den Nein gesagt. Nun gilt es, andere Möglichkeiten der wei­teren der Zusammenarbeit auszuloten. Zum Beispiel mit gemeindeübergreifenden Amtsstellen, wie wir das beim Betreibungsamt in Wee­sen oder beim Landwirtschaftsamt in Amden bereits praktizieren.

Erstellt: 14.09.2016, 08:51 Uhr

Zur Person

Marcel Benz wurde am 1. April 1961 in Uznach geboren. Er ist verheiratet mit Manuela und kinderlos. Er wuchs in Weesen als Sohn des Dorfpolizisten mit drei Geschwistern auf. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften erwarb er berufsbegleitend an der Universität St.?Gallen ein Executive MBA. Benz arbeitete nach einem Gerichtspraktikum in Uznach bei der Glarner Kantonalbank in Glarus als Rechtskonsulent. Von 1996 bis 2012 war er beim Europäischen Fussballverband in Nyon in verschiedenen Funktionen tätig, unter anderem als Leiter des Sportrechtsdienstes und Projektleiter im Bereich Klublizenzierungsverfahren. Danach arbeitete er als Geschäftsführer beim Schweizer Schiesssportverband in Luzern. Seine Hobbys sind Fussball (mehr passiv als aktiv), Skifahren und Jassen ­sowie die Pflege von Freundschaften. (spa)

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