Rapperswil-Jona

«Die Talsohle ist durchschritten»

Der Kleiderverkäufer PKZ stösst erstmals an den Zürichsee vor. Trotz schrumpfenden Märkten setzt das Unternehmen auf den stationären Handel. Das sagt PKZ- Verkaufschef Konrad von Niederhäusern.

«Rapperswil-Jona war schon lange auf unserer Liste»:  Laut PKZ-Verkaufschef Konrad von Niederhäusern liegt der Kleiderhändler am neuen Standort auf Kurs.

«Rapperswil-Jona war schon lange auf unserer Liste»: Laut PKZ-Verkaufschef Konrad von Niederhäusern liegt der Kleiderhändler am neuen Standort auf Kurs. Bild: Patrick Gutenberg

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Konrad von Niederhäusern, zahlreiche Kleiderhändler in der Schweiz — darunter Charles Vögele in Pfäffikon oder Fogal und Lahco in Erlenbach — haben in letzter Zeit aufgegeben. Die Digitalisierung im Einzelhandel schreitet unaufhaltsam voran: Wieso eröffnet PKZ in dem Umfeld einen neuen Kleiderladen in Rapperswil-Jona?
Konrad von Niederhäusern: Rapperswil-Jona befand sich bei uns schon immer auf der Liste, wo wir unbedingt hin wollten, sei es im Raum Rapperswil-Jona oder im Seedamm-Center auf der anderen Seeseite. Nun hat sich in Rapperswil selbst (durch den Auszug von Max Shoes, die Red.) relativ kurzfristig diese Option ergeben, und wir haben uns entschieden, sie wahrzunehmen.

Wie sehen Sie denn den regionalen Kleidermarkt, nachdem die Marke Charles Vögele durch den Aufkauf von OVS von der Bildfläche verschwunden ist?
Was Mitbewerber machen, kommentieren wir grundsätzlich nicht. Nur so viel: Wir sind sowohl von der Preisstruktur wie von der Zielgruppe her verschieden. Überlappungen im Sortiment zu OVS gibt es kaum.

Die Bevölkerung deckt sich aber zunehmend im Internet mit Textilien ein. Laut Schätzungen dürfte der deutsche Online-Händler Zalando mittlerweile der zweitgrösste Detailhändler der Schweiz sein — gibt Ihnen das nicht zu denken?
Wir jammern nicht, sondern nehmen die Herausforderungen an. Wir packen die Chancen, die sich uns bieten, und sind auch bereit, antizyklisch zu reagieren — wenn der Standort passt. Wir haben dieses Jahr zwei neue Läden eröffnet, die eigentlich nicht eingeplant waren: in Chavannes in der Waadt und eben hier in Rapperswil-Jona. PKZ befindet sich für dieses Jahr auf Budgetkurs und liegt klar über dem Vorjahr. Wir haben die Talsohle durchschritten und können Marktanteile hinzugewinnen.

Was hat denn an Rapperswil-Jona für Sie gepasst?
Einerseits ist Rapperswil-Jona als Stadt sehr attraktiv. Die Gegend selbst hat sich in den vergangenen Jahren sowohl verkehrstechnisch als auch baulich massiv entwickelt. Aber hier geht es nicht nur um Quantität, sondern auch um die Qualität. Die Substanz der Stadt stimmt für uns. Und die Zielgruppe, die wir in Rapperswil-Jona ansprechen wollen, ist hier ebenfalls stark vertreten.

Wie sieht diese Zielgruppe aus?
Es sind Menschen, die Rapperswil-Jona mögen und gerne hier sind. Die Stadt verfügt über ein ausgezeichnetes Gastro-Angebot, mit tollen Restaurants, und über vergleichsweise viele Bjiouterien und Brillengeschäfte, welche das entsprechende Publikum anziehen. Dieses sehen wir auch bei uns. Dazu gehört auch der Food-Bereich beim nahen Manor, der speziell und exquisit ist und sehr gut zu unserem eigenen Ladenkonzept passt. Der Verlauf nach über zwei Monaten zeigt uns, es gibt diese Kunden.

Das heisst, Sie sind zufrieden, wie das Geschäft in Rapperswil-Jona angelaufen ist?
Wir haben natürlich für diesen Standort einen Businessplan entwickelt, und da liegen wir voll auf Kurs, sogar leicht darüber. Das bewerten wir als sehr positiv, auch wenn man bei einer Geschäftseröffnung immer auf der vorsichtigen Seite plant. Wir peilen nicht nur den kurzfristigen, sondern auch den langfristigen Erfolg an. Aber dafür, dass wir in Rapperswil-Jona noch über keine Stammkundschaft verfügen, gibt es auch von der Kundenseite her ein positives Feedback. Wir sind jedenfalls froh, dass wir den Schritt hierher gewagt haben.

PKZ setzt also auch in Zukunft auf den stationären Handel?
Ja, dem ist so. Das ist und bleibt unser Kerngeschäft. Aber wir setzen auch auf den Online-Handel. Unseren Internet-Shop gibt es nun seit fünf Jahren. Er wächst jedes Jahr zweistellig und funktioniert nach dem Omni-Channel-Prinzip. Das heisst, wir sind auf allen Verkaufs- und Vertriebskanälen präsent, online wie physisch vor Ort. Viele gute Kunden bei uns kaufen sowohl in der einen wie auch in der anderen Welt ein. Eventuell ist das Bedürfnis, online einzukaufen, ein etwas anderes, als wenn jemand vom stationär vorhandenen Produkt ausgeht. Die Zeiteinteilung ist eine andere. Ein Bedarfsartikel kann eher noch eine Online-Angelegenheit sein, als wenn sich jemand gezielt und bewusst nach Kleidern umschaut.

Der Kuchen im stationären Handel schrumpft: Sind bei PKZ keine Ladenschliessungen geplant?
Nein, geplant ist nichts. Zwar gibt es bei Mietverhandlungen immer wieder einmal die eine oder andere Diskussion, ob eine Miete noch vernünftig ist oder nicht. Am Ende des Tages müssen wir als Unternehmen wirtschaftlich denken und handeln. Jeder Standort ist ein Profit-Center und muss eigenständig funktionieren. Da kann es natürlich auch mal eine Baisse geben. Derzeit ist die Schliessung eines Standortes aus wirtschaftlichen Gründen bei uns aber kein Thema.

Gibt es umgekehrt weitere Ausbaupläne am See?
Wir verfolgen eine langfristige Strategie. Dabei haben wir in diesem Jahr schon über 10 Millionen Franken in Ladenbauten investiert. Am Zürichsee gibt es nicht mehr viele Standorte in der Grösse von Rapperswil. Es gibt noch das Seedamm-Center in Pfäffikon, wo wir immer wieder im Gespräch sind, so wie wir es bei allen bestehenden Einkaufszentren tun. Wenn es dort jeweils Veränderungen gibt, schauen wir genau hin und hören zu

Erstellt: 19.12.2017, 14:55 Uhr

Zur Person

Konrad von Niederhäusern ist seit 1990 bei PKZ. Die traditionsreiche Zürcher Textilgruppe steht in Familienbesitz und erzielt mit zirka 600 Mitarbeitenden einen Jahresumsatz von rund 150 Mio. Franken. Seit 2008 gehört von Niederhäusern als Leiter Verkauf, Personelles und Schulung der Unternehmensleitung von PKZ an. Der 44-jährige leitet alle 40 PKZ Men- und PKZ Women-Modehäuser in der Schweiz, die Ladenflächen von 270 bis 3000 Quadratmeter aufweisen.

Modebranche im Umbruch

Im stationären Handel stagniert die Entwicklung

Die Modemarken Schild und Herren Globus — beide im Besitz von Migros — verschwinden bis spätestens Ende 2019 unter der Premium-Dachmarke Globus. Hintergrund dieser Neuausrichtung ist, dass die Migros in den letzten Jahren mit ihren Mode-Ladenketten Globus, Herren Globus und Schild kontinuierlich Umsatz verloren hat. Seit 2014 sind wegen des starken Frankens, dem Einkaufstourismus und neuen Konkurrenten die Verkäufe jährlich um 4 Prozent zurückgegangen. Sämtliche 78 bestehenden Standorte von Globus, Herren Globus und Schild werden derzeit auf ihre Eignung für das neue Konzept hin geprüft.

Verlagerung setzt sich fort

Zurzeit gibt es denn auch keine Pläne für eine Neueröffnung am Zürichsee, wie eine Mediensprecherin auf Anfrage bei Globus sagte. Die Migros-Tochter sei im Grossraum Zürich, Zürichsee und Zürcher Oberland mit aktuell neun Globus/Herren Globus-Standorten bereits sehr gut vertreten. Mit dem Herren Globus-Geschäft im Seedamm-Center in Pfäffikon sei man sehr zufrieden, hiess es weiter, «und wir planen, ihn auch langfristig weiter zu betreiben». Generell seien künftig sowohl Schliessungen als auch Neueröffnungen möglich. Im stationären Handel stagniert die Entwicklung. Die Verlagerung von stationär zu Online setzt sich bei Globus wie in der gesamten Branche weiter fort.
Insgesamt ist der Umsatz im Schweizer Textilmarkt in den letzten Jahren um 2,5 Milliarden von 11 auf 8,5 Milliarden Franken geschrumpft.

Ketten wie H&M und Zara fluten den heimischen Markt mit modischen Kollektionen zu Billigpreisen. Der Online-Handel wächst und wächst. Die Modekette C&A Schweiz ist am Zürichsee in Wädenswil, Lachen und Rapperswil vertreten. Das Unternehmen prüft laut Mediensprecher René Zibold regelmässig, ob neue Standorte in Frage kommen: «Konkrete Pläne für Neueröffnungen können wir momentan aber nicht bestätigen». Für C&A Schweiz seien sowohl der stationäre als auch der Online-Handel wichtig, «aus diesem Grund werden wir unser Omni-Channel-Angebot weiter ausbauen».

Die italienische Sempione Fashion mit dem Modelabel OVS hat einen Grossteil der Charles Vögele-Filialen in der Schweiz übernommen und betreibt diese unter eigenem Namen weiter. OVS sieht nach eigenen Angaben viel Potenzial in der Zürichsee-Region. Das positive Feedback der Kunden bestätige diese Einschätzung. Derzeit gebe es aber keine konkreten Pläne, weder OVS-Filialen zu schliessen, noch sie zu vergrössern. (ths)

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