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«Habe mich bewusst nicht auf einen Geschlechterkampf eingelassen»

Seit 100 Tagen ist Heidi Romer (CVP) Gemeindepräsidentin von Benken. Im Interview äussert sich die erste Gemeindepräsidentin des Linthgebiets über einen lehrreichen Wahlkampf, ihre Visionen für Benken und warum sie die Geschlechterfrage kalt lässt.

Heidi Romer ist die erste Gemeindepräsidentin im Linthgebiet.
Heidi Romer ist die erste Gemeindepräsidentin im Linthgebiet.
Sabine Rock

Ihre 100-Tage-«Lehre» als Benkner Gemeindepräsidentin ist vorbei. Ein Amt, von dem sie sich während 12 Jahren im Gemeinderat bereits ein Bild machen konnten. Gab es trotzdem Überraschungen in den ersten Monaten?Heidi Romer: Überraschungen in diesem Sinne nicht. Obwohl man als Gemeinderätin nur hie und da im Gemeindehaus ist und eher strategisch als operativ arbeitet, wusste ich ziemlich genau auf was ich mich einlasse. Allerdings, die Intensität des Amtes kann man sich nicht wirklich vorstellen, bevor man es nicht selbst ausübt. Es ist unglaublich intensiv, aber es macht auch unglaublich viel Spass.

Stichwort: Intensität. Während des Wahlkampfs haben sie erwähnt, dass sie nach der Arbeit als Sachbearbeiterin jeweils liebend gerne auf dem Bauernhof ihres Mannes aushelfen. Können sie das nach wie vor?Nein, zur eigentlichen Arbeit auf dem Hof komme ich nur noch selten, dafür sind meine Arbeitstage zu lang. Dieser Tage bin ich also weniger Bäuerin, sondern einfach noch die Frau eines Bauern.

100 Tage im Amt ist eine gängige erste Prüfmarke für Politiker landauf landab. Wie sieht ihr persönlicher Leistungsausweis aus für diese Zeit – Konnten sie bereits erste Ziele umsetzten?Wir sind bereits in der Umsetzungsphase bei einigen Projekten. Per Ende März konnte wir zum Beispiel das Betriebs- und Gestaltungsonzept beim Kanton einreichen. Dabei geht es um die Erneuerung des ganzen Strassenzugs von Bahnhof bis zum Giessen. Das beinhaltet neben behindertengerechte Bushaltestellen auch eine neue Strassenführung im Dorfdreick. Nächstens können wir die Bevölkerung im Detail über das Konzept informieren.

Sie haben die Neugestaltung des Dorfkerns angesprochen. Bereits ihr Vorgänger, Roland Tremp, war von der Idee eines neuen Dorfzentrum angetan. Wo steht das Projekt heute?Die Neugestaltung des Dorfdreieck ist ein privates Projekt, initiiert von einem Benkner Architekten. Es ist deshalb nicht an uns, über den Fortschritt des Projektes zu informieren. Bis zur Realisierung muss das Projekt, wie jedes andere Bauprojekt auch, die üblichen rechtliche und adminstrativen Hürden nehmen. In diesem Fall erschwerend kommt jedoch dazu, dass für ein vieleitig nutzbares Zentrum die kantonale Strassenführung angepasst werden muss. Etwas, dass auch in unserem Interesse ist.

Würde ein attraktiveres Dorfzentrum auch zu ihrer Vision eines neuen Erscheinungsbilds für Benken passen? Sie hatten im Wahlkampf wiederholt erwähnt, wie wichtig es Ihnen ist, dass Benken kein «verstaubtes» Image entwickelt?Auch wenn verstaubt etwas frech ausgedrückt war, bleibe ich bei meiner Aussage. Ein neues Erscheinungsbild liegt mir sehr am Herzen. Ein attraktives Dorfzentrum wäre jedoch nur ein Teil davon. Weitere Schritte haben wir bereits unternommen. So wurden alle Bürger angeschrieben und um Feedback und Verbesserungsvorschläge zum Leben in der Gemeinde gebeten. Wir wollen die Bürger aktiv in die Gestaltung eines neuen Leitbilds einbinden. Das neue Leitbild unserer Gemeinde soll dem Gemeinderat für die nächsten 4 Jahre sowohl Leitplanke und auch Arbeitskatalog sein.

Wie war die Resonanz der Bevölkerung auf die Umfrage?Die Rückmeldequote war sehr gut, wir hatten enorm viele konstruktive, oft mehrere seitenlange, Antworten. Das ist ein gutes Zeichen. Aber es zeigt auch, dass die Leute Erwartungen an mich haben. Da muss jetzt also etwas gehen. Anfangs Mai haben wir die erste Klausur. Da werden wir die Bürgerfeedbacks behandeln und analysieren. Danach werden wir versuchen die Anregungen und Wünsche in ein neues Leitbild einfleissen zu lassen.

«Schon während des Wahlkampfs habe ich mich bewusst nicht auf einen Geschlechterkampf eingelassen.»

Heidi Romer

Als Gemeinderätin haben sie besonders in der Landwirtschafkommission mit dem ökologischem Vernetzungsprojekt und dem Landschaftqualitätsprojekt zwei grosse, gemeindeübergreifende Konzepte umgesetzt. Was wird aus ihrem früheren Hauptressort, jetzt wo sie als Gemeindepräsidentin in einer Vielzahl von Ressorts mitwirken?Diese Projekte sind zeitlich begrenzt und werden schon noch von mir begleitet. Wer aber den Lead bei den nächsten Projekten übernehmen wird, steht noch aus. Da mir die Landwirtschaft sehr am Herzen liegt, werde ich mich bestimmt auch in Zukunft in der Landwirtschaftskommission mitwirken, wenn auch nicht mehr federführend.

Zwischen Kandidatur im März und Wahlsieg im zweiten Wahlgang im November lag fast ein ganzes Kalenderjahr. Hat der Wahlkampf und die Ungewissheit über ihre politische Zukunft viel Substanz gekostet?Ich blieb nicht verschont und habe jetzt einen richtigen Wahlkampf hinter mir. Eine Erfahrung die durchwegs lehrreich war und die ich aus heutiger Sicht nicht missen möchte. Schlussendlich war aber wichtig, dass das Wahlresultat im zweiten Wahlgang klar und eindeutig ausgefallen ist. Wichtig für mich und für Benken.

Der lange Wahlkampf hat gezeigt, dass es in Benken deutliche politische Gräben gibt. Ihr Mitstreiter um das Amt, Reto Zampatti, wurde von einem nicht unwesentlichen Anteil der Bürger bevorzugt. Sehen sie sich dadurch noch mehr in der Pflicht?Ich habe einfach wiederholt gespürt, dass Benken eine Veränderung will. Gewisse Kreise hatten fälschlicherweise das Gefühl, ich stünde für den Status Quo. Was natürlich falsch ist. Jetzt bin ich umso mehr bestärkt in meinem Ziel vorwärts zu machen und zu zeigen, dass es nicht so bleibt wie es ist. Ich bin mir aber bewusst, es nicht immer allen Leuten rechtmachen zu können.

Sie hatten im Vorfeld zu den Wahlen erwähnt, wie wichtig es Ihnen ist das Gewerbe mit ins Boot zu holen; es aktiver in die politische Planung einzubeziehen. Hat das Gewerbe den Platz am Tisch, den sie ihm versprochen haben?Das waren keine leeren Wahlkampfversprechen von mir. Einen aktiven Austausch mit dem Benkner Gewerbe ist mir wichtig. Wir hatten kürzlich bereits die erste Sitzung mit dem Vorstand des Gewerbeverbands. Diese Beziehung ist aber natürlich auch etwas, das wachsen und gepflegt werden muss – von beiden Seiten wohlgemerkt. Ich meine aber, dass wir auf einem guten Weg sind.

Es gibt ja seit längerem den Wunsch von Schule und Vereinen nach einer neuen Turnhalle. Wie geht die Planung vorwärts?Zum Thema Turnhalle hatten wir bereits eine erste Sitzung mit Vertretern der grösseren Benkner Vereine. Der mittelfristige Plan ist folgender: Wir wollen in diesem Jahr alle Fakten zusammentragen. Sprich, welchen Bedarf haben die Schulen und Vereine. Was ist der bauliche Zustand der bestehenden Turnhallen. Wie sieht es mit der Besetzung aus. Das Ziel ist es, im nächsten Jahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben zu können. Dann sehen wir auch mal wieviel eine neue Turnhalle kosten würde und ob wir ein Wohlstandproblem oder echtes Platzproblem haben. Also wir werden in den nächsten 2 Jahren noch keine neue Halle haben. Aber wir packen das Thema an und nehmen die Bedürfnisse der Vereine ernst.

Sie sind die erste Frau, die im Linthgebiet einer Gemeinde vorsteht. Wie wichtig ist Ihnen diese Pionierrolle? Gar nicht, es ist purer Zufall, dass ich die erste Gemeindepräsidentin in unserer Region bin. Es ist kein besonderer Versdienst von mir. Schon während des Wahlkampf habe ich mich bewusst nicht auf einen Geschlechterkampf eingelassen. Ich möchte lieber an meinem Leistungsausweis als Gemeinderätin und jetzt als Gemeindepräsidentin gemessen werden.

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