Circus Knie

Glitzer, Glamour und gewagte Akrobatik im Zirkuszelt

Am Donnerstag feierte der Circus Knie mit seinem Programm «Wooow!» Premiere. Zu sehen gibt es waghalsige Akrobatik und herzige Tiernummern der jüngsten Kniegeneration.

Die schönsten Impressionen aus dem Programm und die Stimmen aus dem Publikum.
Video: Simon Grässle

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Schummriges Licht, Kinder­lachen. In der Luft liegt der Duft von Sägemehl und Popcorn. Die Tribüne unter dem Chapiteau ist schon an der Generalprobe gut gefüllt. Bei den ersten Klängen des Zirkusorchesters verstummt das Publikum. Eine Achterbahnfahrt der Emotionen verspricht Franco Knie jun. den Zuschauern zu Beginn der Vorstellung. Das Programm der 99. Tournee heisst «Wooow!». Entsprechend hoch liegen denn auch die Erwartungen.

In Zirkusstimmung versetzt wird das Publikum vom ukrainischen Komiker Seman Shuster alias Housch-ma-Housch. Er tritt in grosse Fussstapfen: Im letzten Jahr führte der als Clown der Clowns bekannte Italiener David Larible durch das Programm. Mit seiner Toll­patschigkeit sorgt Housch-ma-Housch aber zumindest bei den Kindern für ordentlich Gelächter. Mal explodiert ihm das Mikrofon, mal geht das Licht aus. Unter­haltsam sind auch die interaktiven Sketche, die vor allem die in die Manege geholten Zuschauer ordentlich ins Schwitzen bringen.

Die eigentliche Show beginnt mit einer Akrobatiknummer der ukrainischen Artistengruppe Circus-Theater Bingo. In Glitzerkostümen wirbeln die Artisten durch die Luft, machen Salti und balancieren im Handstand aufein­ander und ernten dafür begeis­terten Applaus.

Die Kleinste ist der grösste Star

Fast schon hypnotisierend wirkt der Auftritt der Xinjiang ­Troupe. Die 19 jungen Männer aus dem chinesischen Staats­zirkus beeindrucken mit einer Lasso­nummer. Sie springen schein­bar mühe­los durch die Seil­schlin­gen und machen ­Räder und Salti in einer atemberau­benden Geschwindigkeit.

Zweifellos herzig und dennoch alles andere als nur «jöö» ist ­Chanel, die Tochter von Géral­dine Knie und Maycol ­Errani. Zum Ersten hat die Fünf­jährige eine ganz eigene Nummer. Selbstbewusst tritt sie im weissen Kleidchen mit ihrem ebenso weissen Pony vor das Publi­kum und ist sichtlich etwas verärgert, als die Choreografie nicht auf Anhieb klappen will. Umso grösser ist die Freude sowohl bei ihr als auch dem Publi­kum, als das Pony die leuchtenden Ringe doch noch passiert. Die Erwartungen nicht ganz erfüllen können die nachfolgenden Pferdenummern von Géral­dine Knie und Mary-José Knie. Géral­dine Knie ist nicht nur artistische Leiterin, sondern steht auch dieses Jahr wieder mit ihren Pferden in der Ma­nege.

Diese lässt sie zusammen mit einem Pony ­rasend schnell im Kreis galoppieren. Für einen Überraschungs­moment sorgt nur der Schluss des Auftritts: Eines nach dem ande­ren flüch­ten die Pferde durch den roten Vorhang. Was zu Beginn unbeabsichtigt wirkt, entpuppt sich am Schluss als Teil des Programms. Erst als ­Chanel erneut auf ihrem Pony, und von ihrem Vater begleitet, die Manege betritt, wird wieder gehörig geklatscht und gejubelt. Die Kleinste ist spürbar der grösste Star des Abends. Für einen weiteren Höhepunkt sorgt Jungstar Ivan Frédéric Knie. Mit seiner Nummer «Ungarische Post» beweist er, dass auch in ihm ein Pferde­flüsterer steckt.

Nicht nur Housch-ma-Housch bringt das Publikum an den diesjäh­rigen Knie-Vorstellungen in Verlegenheit. Wer nicht in die Manege geholt werden will, muss sich noch vor einem zweiten Clown in Acht nehmen. Auch der portugiesische Enter­tainer ­César ­Dias mischt sich gerne unter die Zuschauer. Mit seiner Pantomime, begleitet von gekonn­ten Geräuschimitationen, sorgt er für lockere Unter­haltung zwischen den einzelnen Darbietungen.

Für den ersten richtigen Wow-Moment sorgt dann aber Jason Brügger. In einem Glitzerregen schwebt der letztjährige Gewinner der TV-Show «Die grössten Schweizer Talente» in die ­Manege. Wie ein Vogel im Wind segelt der Baselbieter an den Strapaten durch die Luft, macht eine Rolle hie und einen Spagat da. Die scheinbare Leichtigkeit, mit der er seine Luftakrobatik vollführt, gepaart mit seinem weissen Engelskostüm, hat ­etwas Magisches.

Für eine Prise Exotik sorgt May­col ­Errani mit seinen Kamelen. Hoch zu Ross lässt Errani die Kamelmeute durch die ­Manege traben. Nach seinen Auftrit­ten an der letztjährigen Tournee kann diese Tiernummer nicht ganz überzeugen. Der Wow- ­Effekt bleibt leider aus.

Gefährliche Momente

Über eine aussergewöhnliche Ko­ordinations­fähigkeit verfügt der nächste junge Mann. Zu tempo­­reicher Musik jongliert ­Michael Ferreri zu Beginn mit drei, zum Schluss gar mit neun Bällen. Richtig spektakulär wird es, als das Licht ausgeht und Ferreri mit einem Ball auf dem Kopf sieben weitere durch die Luft wirbelt.

Elefanten gibt es auch in diesem Jahr nur auf der Leinwand zu sehen. Für Wehmut bleibt aber keine Zeit, denn mit seiner Ziegennummer sorgt Chris Rui Knie für einen weiteren Höhepunkt. Zusammen mit seinen ­Eltern Franco Knie jun. und ­Linna Knie lässt er seine jungen Ziegen durch die Manege traben und sorgt damit für strahlende Kinder­augen im Publikum.

Ein letztes Mal stockt den Zuschauern der Atem beim Auftritt des Luftakrobatenduos Desire of Flight. Ungesichert und in luftiger Höhe lässt sich Malvina Abaka­rova ein um das andere Mal fallen, um im letzten Moment von Valeriy Synchev gefangen zu werden. Selbst auf der Tribüne spürt man den Adrenalinrausch. Von solch gefährlichen Nummern lebt der Zirkus.

Erstellt: 24.03.2017, 09:14 Uhr

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