Rapperswil-Jona

Genossenschaft wehrt sich gegen Vorwurf der Profitgier

Anfang März stimmen die Bürger über die Volksmotion «Stoppt die Zubetonierung von Rapperswil-Jona» ab. Nun meldet sich die Wohnbaugenossenschaft Gallus zu Wort. Die Motionäre nennen zum Projekt Eichfeld II falsche Zahlen, wird kritisiert.

Die Wohnbaugenossenschaft Gallus will an der Eichwiesstrasse zwei weitere Blöcke bauen. Nur so könnten die Mieten tief bleiben, heisst es.

Die Wohnbaugenossenschaft Gallus will an der Eichwiesstrasse zwei weitere Blöcke bauen. Nur so könnten die Mieten tief bleiben, heisst es. Bild: Patrick Gutenberg

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Verdichtung einzig zur Renditeoptimierung und ein Stadtrat, der die Interessen der Bauherren höher gewichtet als die der Anwohner – diese Kritik konnte man in jüngster Vergangenheit öfter ­hören in Rapperswil-Jona. Auch die Initianten der Volksmotion «Stoppt die Zubetonierung von Rapperswil-Jona» führen sie ins Feld. Die Motionäre fordern vom Stadtrat deshalb Planungsinstrumente für ganze Wohnzonen anstatt Einzelprojekte. Über die Motion stimmt die Bürgerversammlung am 1. März ab.

Nun wehrt sich die Wohnbaugenossenschaft Gallus gegen den Vorwurf, ihre Bauprojekte aus Rendite- und Spekulationsgründen voranzutreiben. Die Tätigkeit der WBG sei gemeinnützig und eben nicht gewinnorientiert, sagt Präsident Fredy Holdener. Das ist auch in den Statuten so festgehalten. Es dürfen keine spekulativen Geschäfte getätigt werden, heisst es dort. Und die Wohnungen der Genossenschaft werden grundsätzlich zu den Selbstkosten vermietet, wie es die Verordnung des Bundes über die Wohnbaugenossenschaften des Bundespersonals vorschreibt (siehe Box).

Die WBG will nun ihre Überbauung an der Eichwiesstrasse verdichten. Laut Überbauungsplan Eichfeld II, der im Herbst auflag, sollen 2½- bis 4½-Zimmer-Wohnungen entstehen, die 62 bis 113 Quadratmeter Wohnfläche bieten und 1450 bis 1900 Franken kosten sollen.

Mietaufschläge abfedern

Das Projekt ist eines von mehreren im Quartier, das den Motionären sauer aufstösst. Warum aber will die Genossenschaft auf dem Grundstück überhaupt zwei Neubauten realisieren? Wie Präsident Fredy Holdener erklärt, könnten damit Mietzinserhöhungen abgefedert werden, die aufgrund der Anhebung des Baurechtzinses durch den Bund nötig werden. Laut Holdener konnte die WBG zwar im Jahr 2013 einen neuen Vertrag mit fünfjähriger Laufzeit abschliessen. Läuft dieser Ende 2018 aus, werden die Landkosten von 63 000 Franken auf 161 000 Franken steigen. Sollen die Mieten preiswert bleiben, müsse die Genossenschaft weitere Wohnungen bauen können, lautet die Argumentation. Damit stünden den höheren Baurechtszinsen in Zukunft auch mehr Mieteinnahmen gegenüber.

In konkreten Zahlen: Kann die WBG ihr Bauprojekt realisieren, steigen die Mieten für die bestehenden 3½-Zimmer-Wohnungen im Quartier um 65 Franken, ohne Neubau hingegen um 200 Franken. Für 4½-Zimmer-Wohnungen beträgt der Aufschlag 80 Franken beziehungsweise 235 Franken.

Für René Dolder, einen der Motionäre, ist klar: Mit diesen Zahlen soll Druck auf die Mieter ausgeübt werden, damit diese den Neubauten zustimmen. Die WBG ihrerseits kritisiert, im Begleitschreiben zur Volksmotion seien veraltete Zahlen zum Wohnungsspiegel aufgeführt. Richtig sei, dass nur zehn neue 3½-Zimmer-Wohnungen geplant würden, und nicht 14, wie im Bürgerversammlungsheft aufgelistet. Dafür seien sechs zusätzliche 4½-Zimmer-Wohnungen geplant, die Motionäre nennen lediglich deren zwei. René Dolder rechtfertigt die abweichenden Zahlen damit, dass man sich auf die Machbarkeitsstudie abgestützt habe. «Das war der aktuelle Stand bei Einreichung der Motion.» Der Stadtrat seinerseits habe im Bürgerversammlungsheft den Text der Initianten mitsamt Begleitschreiben übernommen, sagt Stadtschreiber Hansjörg Goldener.

Keine Alterssiedlung

Holdener betont, man müsse das Angebot als Gesamtes betrachten. Kommt das Projekt zustande, würde die WBG an der Eichwiesstrasse künftig 34 familiengerechte 4½-Zimmer-Wohnungen anbieten, 3½-Zimmer-Woh­nun­gen gäbe es 14 und 2½-Zimmer-Wohnungen neu sechs.

Die Genossenschaft wehrt sich gegen den Vorwurf der Motio­näre, das Quartier werde von der Grünzone zur Alterssiedlung mutieren. «Wir brauchen die neuen, kleineren Wohnungen, um langjährigen Mietern eine Alter­native bieten zu können.» Denn es gebe Ehepaare oder ­ältere Personen in der Mieterschaft, die ursprünglich einmal mit Familie eine 4½-Zimmer-Wohnung bezogen. Heute, da die Kinder längst aus dem Haus sind, seien diese Wohnungen zu gross. «Wenn diese Mieter in kleinere Einheiten umziehen können, werden auch die grossen Wohnungen wieder frei für Familien mit Kindern», sagt Holdener.

Es stimme auch nicht, dass Spielflächen für Kinder verschwinden. Knapp 900 Quadratmeter des Planungsgebietes werden als Spiel- und Erholungsflächen gestaltet. Zudem sei mit der Bauherrin der angrenzenden Eichfeld-I-Überbauung vereinbart worden, dass die Spielplätze in den beiden Quartieren jeweils gegenseitig genutzt werden können.

Erstellt: 22.02.2017, 08:57 Uhr

Wohnbaugenossenschaft des Bundespersonals

Die Wohnbaugenossenschaft Gallus besteht seit 1947 und ist eine Wohnbaugenossenschaft des Bundespersonals. Zu den Genossenschaftern zählen vorwiegend aktive und ehemalige Angestellte der Swisscom, der Post und der SBB. Die Genossenschaft steht aber allen offen, speziell auch jungen Familien. Die WBG Gallus besitzt vier Liegenschaften in Rapperswil-Jona mit insgesamt 76 Wohnungen. Schweizweit gibt es über 150 solche Wohnbaugenossenschaften. Sie haben in der Regel auf Grundstücken des Bundes im Baurecht Mietliegenschaften erstellt. Dabei profitierten sie von einem reduzierten Baurechtszins. Dieser wird nun auf Marktniveau angehoben. (pku)

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