Lohn

Gemeindepräsidenten kassieren zwischen 55 000 und 250 000 Franken

Die Lohnschere ist gross: Während die St. Galler Gemeindepräsidenten im Vollamt gut verdienen, liegen die Zürcher Gemeindepräsidenten im Vergleich deutlich zurück.

Bild: Marian Kamensky

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Ein fürstlicher Lohn für die einen, eine anständige Entschädigung für die anderen. Die Gemeindepräsidenten rund um den Zürichsee trennen in Sachen Lohn bis zu 200 000 Franken. Dies zeigt eine Erhebung der «SonntagsZeitung» in allen Schweizer Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern. Auf der einen Seite stehen die Zürcher: Sie arbeiten Teilzeit als Gemeindepräsidenten, sind Milizpolitiker und führen die Gemeinden auf politischer Ebene. Anders die St. Galler: Sie sind Berufspolitiker, arbeiten im Vollamt und führen nebst dem Gemeinderat gleich auch die Verwaltung. Entsprechend unterschiedlich sind die Löhne. Experten meinen: Gerade in den letzten Jahren seien im Raum Zürich die Gemeinden stark gewachsen und deshalb deutlich komplexer zu führen. Der Lohn der Präsidenten wurde in dieser Zeit aber kaum angepasst. In St. Gallen hat das vollamtliche Führen der Gemeinden hingegen eine lange Tradition.

Stunden gezählt

Christoph Hiller (FDP) ist Gemeindepräsident von Meilen. Er ist, wenn man so will, gemeinsam mit dem Küsnachter Markus Ernst (FDP) der «Billigste». Je 55 000 Franken pro Jahr erhalten die beiden für ihr 40-Prozent-Pensum. «Das sind faktische Pensen», erklärt Hiller, «welche die zusammengezählten Stunden über das Jahr umfassen.» Seit Jahren sei die Entschädigung für die Gemeindepräsidenten gleich hoch. «Die Entschädigung ist okay, aber kein fürstliches Honorar.» Als Hauptberuf ist Hiller Departementssekretär des Stadtzürcher Polizeidepartements. Fürstlicher und ohne Nebenjob ist CVP-Mann Erich Zoller unterwegs. Der Stadtpräsident von Rapperswil-Jona verdient fürstliche 250 000 Franken pro Jahr. Weil er, anders als die Zürcher, auch die Verwaltung führt, findet Erich Zoller seinen Lohn – gerade auch im Quervergleich mit der Wirtschaft – gerechtfertigt: «Das Amt ist eine grosse Führungsaufgabe und eine hohe zeitliche Belastung.» 300 Mitarbeiter sind dem Stadtpräsidenten von Rapperswil-Jona direkt unterstellt. Dazu komme die Exponiertheit als Stadtpräsident. «Es gibt Monate, in denen ich sicher 150 Prozent arbeite», meint Zoller. In solchen Zeiten gehörten drei bis vier Abendanlässe unter der Woche und ein bis zwei Anlässe am Wochenende zum Normalprogramm. Trotzdem: Zoller gehört zu den bestverdienenden Gemeindepräsidenten der Schweiz: Im Ranking der «SonntagsZeitung» landet er auf Rang 12. Zum Vergleich: Die Zürcher Stadtpräsidentin verdient 294 000 Franken, der St. Galler Stadtpräsident 272 000 Franken. Der Winterthurer Stadtpräsident – ebenfalls vollamtlich tätig – verdient nur knapp mehr wie Zoller: 253 000 Franken. Allerdings hat Winterthur viermal mehr Einwohner.

Schwer vergleichbar

«Wer hätte nicht gerne mehr Lohn», sagt Märk Fankhauser (FDP), Gemeindepräsident von Thalwil. Das ist jedoch explizit keine Forderung nach einer Lohnerhöhung, betont er: «Ich wusste, was auf mich zukommt.» Auf 100 Prozent gerechnet ist er der günstigste Gemeindepräsident am See. Für sein 65-Prozent-Pensum erhält er 63 000 Franken. Für Thalwil fühle er sich gut bezahlt. Als selbstständiger Transportunternehmer sei das Pensum machbar, das Amt des Gemeindepräsidenten ein Privileg. Allerdings betont der Thalwiler auch, als Angestellter wäre sein Amt nicht vereinbar. «Wir sind eher weniger im Tagesgeschäft, und unsere Verwaltung hat viele Kompetenzen.» Entsprechend seien die Pensen und Aufgaben der verschiedenen Gemeindepräsidenten nur schwer vergleichbar. Es komme auf die eigenen Organisationen an: «Nicht alle machen das Gleiche im Amt.»

Dem pflichtet auch Theo Leuthold (SVP, Horgen) bei. Sein Vorgänger habe 150 Prozent gearbeitet. Leuthold ist gemäss «SonntagsZeitung» der bestverdienende Teilzeitpräsident rund um den See. «Ich arbeite gefühlt etwa 80 Prozent.» Leuthold liess sich als Schulleiter frühpensionieren, weil der Job nicht mit dem Gemeindepräsidium vereinbar ist. Offiziell wird sein Präsidium mit 50 Prozent angegeben. «Ich werde gut bezahlt und stehe zu meinem Lohn.» Das Milizamt sei ein hohes Gut und trotzdem: «Die Anforderungen an die Gemeindepräsidenten sind gestiegen.»

Dem trug etwa die Gemeinde Richterswil Rechnung und erhöhte mit dem Segen der Stimmbevölkerung den Lohn des Gemeindepräsidenten vor zwei Jahren. Ohne Spesen gab es damals 37 000 Franken, heute sind es 45 000 Franken als Basisentschädigung. Hans Jörg Huber (FDP) meint: «Damals war der Lohn wirklich bescheiden, heute ist er gut.» War Huber in einem ähnlichen Ranking vor vier Jahren noch der günstigste Gemeindepräsident, bewegt er sich heute im Zürcher Mittelfeld. ()

Erstellt: 22.02.2016, 21:21 Uhr

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