Feuerwehr

Geld für Feuerwehrdepots fällt weg – Gemeinden unter Zeitdruck

Die Gebäudeversicherung hat bisher den Gemeinden Beiträge bezahlt an den Bau von Feuerwehrgebäuden. Damit ist nun Schluss. Für drei Projekte im Bezirk Meilen gibts dank der Übergangsfrist wohl doch noch Geld.

Auf diesem Grundstück an der Bruechstrasse in Meilen ist eine neue Feuerwehr-Einstellhalle geplant.

Auf diesem Grundstück an der Bruechstrasse in Meilen ist eine neue Feuerwehr-Einstellhalle geplant. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Grundstück ist halb überwachsen. Aber ein Baugespann zeigt an, dass die Tage der wilden Rosenbüsche gezählt sind. Auf der steilen Parzelle bergseitig der Bruechstrasse in Meilen – seeseitig steht die Glacé- und Guezlifabrik Midor – ist eine Einstellhalle für Fahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdiensten geplant. Der Platz im bereits bestehenden Gebäude der Stützpunktfeuerwehr Meilen, 30 Meter weiter westlich, ist zu knapp geworden. Der Neubau soll Abhilfe schaffen und Aussenlokale im restlichen Dorf ersetzen. Die Einstellhalle ist eines der letzten Feuerwehrgebäude im Bezirk, an das die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) noch einen Beitrag zahlt.

Mit zehn Prozent der Kosten hat die Versicherung bisher die Gemeinden unterstützt, wenn sie für die Feuerwehr bauten. Es ist schliesslich im Interesse der Versicherung, wenn die Feuerwehr schnell und gut ausgerüstet losfahren kann, falls es irgendwo brennt. Das hält die Schadensumme tief, so dass die Versicherung weniger zu zahlen hat. Staub oder Eis auf der Frontscheibe wären hinderlich für ein schnelles Ausrücken.

Zwei Jahre Übergangsfrist

Die zehnprozentige Subvention fällt künftig ersatzlos weg. Die neuen Bestimmungen hat die GVZ per 1. April 2018 in Kraft gesetzt. Sie räumt aber den Gemeinden eine Übergangsfrist bis Ende März 2020 ein, erklärt Barbara Greuter, Informationsverantwortliche der GVZ. Subventionen beantragen könne eine Gemeinde nur für bereits weit fortgeschrittene Projekte. «Planung und Kredit müssen von politischen Gremien genehmigt sein», präzisiert Greuter.

In Meilen ist diese Bedingung erfüllt: Am 21. Mai 2017 erhielt der Baukredit für die Einstellhalle an der Urne ein komfortables Mehr von 2466 Ja gegenüber 1688 Nein. Kritik war geäussert worden, weil das Projekt auch zwei Wohnungen umfasst, die über der Einstellhalle gebaut werden. Kosten soll der Neubau 3,9 Millionen Franken. Nach ursprünglichem Plan wären die Bauarbeiten jetzt bereits im Gang. Wann es wirklich losgeht, ist noch nicht klar, denn es ist noch ein Rekurs gegen die Baubewilligung pendent, wie Gemeindeschreiber Didier Mayenzet auf Anfrage sagte.

Küsnacht mit Vorprojekt

Auch weiter unten am See wird die Übergangsfrist wohl ausreichen. «Sofern keine Rekurse das Verfahren verzögern, sollte Küsnacht gut im Zeitplan für das Subventionsgesuch liegen», beantwortet Gemeindeschreiberin Catrina Erb Pola die Anfrage der Zürichsee-Zeitung. In Küsnacht steht das älteste Feuerwehrdepot, das im Kanton Zürich noch in Betrieb ist. Das Gebäude an der Alten Landstrasse stammt aus dem Jahr 1936. Der Gemeinderat will es ersetzen und hat einen Kredit für ein Vorprojekt gesprochen.

Nächstes Jahr sollen in Küsnacht das Vor- und das Bauprojekt für das neue Feuerwehrgebäude vorliegen. So könnte man der GVZ noch vor dem 31. März 2020 das Gesuch samt Baubewilligung und Kostenvoranschlag vorlegen. Die Ausführung des Neubaus ist im Plan der Küsnachter Behörden für 2020 bis 2022 vorgesehen.

Auch Küsnachts Nachbargemeinde Zumikon – deren Feuerwehr wegen der kurzen Distanz auch für das Gebiet Küsnachterberg zuständig ist – will ihr Feuerwehrgebäude ersetzen und hofft noch auf Subventionsgelder.

In Stäfa im Finanzplan

Die Sanierung des Stäfner Feuerwehrgebäudes an der Seestrasse ist im aktuellen Finanzplan der Gemeinde für die nächsten Jahre vorgesehen. Und zwar mit einer zweistelligen Millionensumme, denn auch die Wohnungen über dem Depot sind zu renovieren. Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger geht davon aus, dass die Zeit von zwei Jahren kaum ausreichen dürfte, um ein Projekt fertig auszuarbeiten und an der Urne bewilligen zu lassen. «Entschieden hat der Gemeinderat allerdings in dieser Frage nicht», fügt Scheidegger an.

Erstellt: 06.07.2018, 17:30 Uhr

Über Minimalbestand

Jedes Gebäude im Kanton Zürich, das mehr als 5000 Franken wert ist, muss bei der Gebäudeversicherung Kanton Zürich (GVZ) gegen Feuer und Elementarschaden versichert sein. Für ein Gartenhaus im oberen Preissegment kann dieses Obligatorium also bereits gelten.
Die GVZ ist aber nicht einfach eine Versicherung. Sie ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt, ist nicht gewinnorientiert und zuständig unter anderem für die Ausbildung und Ausrüstung der Feuerwehren im Kanton Zürich.

Die Streichung des 10-Prozent-Beitrags an Feuerwehrgebäude (siehe Haupttext) ist Teil des Projekts «Feuerwehr 2020» der GVZ. Begründet wird der Abbau damit, dass einerseits kaum Bedarf an zusätzlichen Feuerwehrgebäuden existiere. Anderseits seien die 10 Prozent kein Anreiz für die Förderung von Zusammenarbeiten zwischen Gemeinden. Mit Zusammenarbeiten liessen sich teils Materialkosten sparen und Mindestbestände senken, was wiederum die Ausbildungs- und Materialkosten vermindere.

Der Trend geht laut GVZ von der «Massenfeuerwehr» zu kleineren Beständen von Feuerwehrleuten, die für Ereignisse in immer komplexeren Infrastruktur- und Wohnbauten ausgebildet sind. Vor knapp 27 Jahren zählte man im Kanton noch 27 000 Milizfeuerwehrleute, heute sind es noch gut 7000. Den Feuerwehren im Bezirk Meilen (ohne Betriebsfeuerwehr) gehören nach Auskunft der GVZ 514 Personen an (Stand Ende Juni 2018). Nach den Berechnungen für das Konzept Feuerwehr 2020 beträgt der minimale Sollbestand 488.

Die Abschaffung der Subvention für Feuerwehrgebäude ist nach Angaben der GVZ für die Gemeinden kostenneutral. Nach wie vor subventioniert die GVZ demnach die Feuerwehren pro Jahr mit 11,6 Millionen Franken. Die wegfallenden Gebäudebeiträge werden dadurch kompensiert, dass die GVZ die Alarmierungskosten von den Gemeinden übernimmt. Wie bisher zahlt die GVZ 50 Prozent der Kosten für Feuerwehrfahrzeuge und Pflichtmaterial.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles