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Geglücktes Experiment aufgeführt

Die Brassband Cazis bewies am Sonntag, wie wandlungsfähig die elektronische Musik von Daft Punk ist. Im Kreuz vertonte sie den dazugehörenden unbekannten japanischen Trickfilm.

Ein musikalisches Experiment mit der Brassband Cazis erlebten die Gäste am Pfingstsonntag im Stadtsaal Kreuz.
Ein musikalisches Experiment mit der Brassband Cazis erlebten die Gäste am Pfingstsonntag im Stadtsaal Kreuz.
Moritz Hager

Die Bündner Brassband Cazis hat sich auf die Fahne geschrieben, mit jeweils innovativen Konzertprojekten ihr Publikum aufhorchen zu lassen. Am Pfingstsonntag gelang ihr dies unter der Leitung von Dirigent Enrico Calzaferri mit «Interstella 5555: The 5tory of the 5ecret 5tar 5ystem» im Kreuz dank audiovisueller Mittel.

Hierbei wurde auf einer Vielzahl von Ebenen an verschiedene Traditionen angeknüpft, und diese wurden kreativ weiterentwickelt. Statt der Aufführung eines üblichen Konzertprogramms wurde nämlich der auf der Musik basierende Film auf eine Leinwand projiziert und musikalisch begleitet.

Ein Anime-Musical entsteht

Mit dem gelungenen Experiment wurde an die Aufführung von Stummfilmen erinnert, die ab den 1910er-Jahren von ganzen Orchestern begleitet wurden und für grossen Andrang in den Kinosälen sorgten. Dem Publikum in Jona wurde jedoch ein gleichsam spezielleres Programm geboten.

Die im japanischen Zeichentrickfilm erzählte Geschichte einer interstellaren Popband, welche von einem gierigen Musikmanager entführt wird, basiert ursprünglich auf der Musik des umjubelten französischen House-Duos Daft Punk. Dieses ver­öffentlichte 2001 sein zweites Studioalbum «Discovery», das millionenfach abgesetzt werden konnte. Schon während der Produktion wurde das japanische Studio Toei mit dem renommierten Regisseur Leiji Matsumoto beauftragt, ein Anime-Musical zu den neuen Kompositionen zu zeichnen.

Eigens arrangiert

Das faszinierende und farbstarke Ergebnis kam zwar 2003 in die ­japanischen Kinos, doch ausserhalb der Anime-Szene blieb die Rezeption weitgehend aus. Auf dieser bereits bemerkenswerten Ausgangslage basierend ging die Brassband Cazis nun einen Schritt weiter. Sie liess vom britischen Komponisten Simon Dobson die House-Kompositionen für ihre Besetzung arrangieren, um das Anime-Werk für das Publikum live vertonen zu können.

Somit konnte in Jona erlebt werden, wie die Musik von Daft Punk passend arrangiert in der Interpretation einer Brassband bestens funktioniert. Die knalligen Zeichentrickfilm­bilder bekamen durch die Tonkulisse einen neuen Anstrich, der primär durch die präzise Darbietung seine Wirkung entfalten konnte. Dirigent Calzaferri hatte ein Clicktrack im Ohr mitlaufen, damit die auf der Musik basierenden Bilder richtig in Szene gesetzt werden konnten. Weiter bediente er immer wieder seinen Computer, um vorproduzierte Samples einzuspielen. So vermochte die Brassband Cazis der elektronischen Musik von Daft Punk ein neues Gewand zu verpassen und dem Publikum zusätzlich einen kaum bekannten Kultfilm näherzubringen. Das Experiment vor spärlichem Publikum war geglückt.

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