Rapperswil-Jona

Verhandlungen um Feuerwehrdepot geplatzt

Aus der Traum: Das alte Feuerwehrdepot der Stadt wird definitiv nicht zur Kulturbeiz. Trotz dem Verhandlungsabbruch ist für den Stadtrat klar: Das über hundertjährige Gebäude soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Das denkmalgeschütze Feuerwehrdepot  an der Merkurstrasse wird definitiv nicht zur Kulturbeiz. Dennoch will der Stadtrat das Gebäude der Bevölkerung zugänglich machen.

Das denkmalgeschütze Feuerwehrdepot an der Merkurstrasse wird definitiv nicht zur Kulturbeiz. Dennoch will der Stadtrat das Gebäude der Bevölkerung zugänglich machen. Bild: Archiv Manuela Matt

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Junge Kunst und lokale Küche, das sollte das Erfolgsrezept der geplanten Kulturbeiz im alten Feuerwehrdepot von Rapperswil-Jona werden. Nun kommt alles anders: Am Freitag gab der Stadtrat bekannt, dass er die Verhandlungen mit dem Füürwehklub (ehemals Ebärklub) um die Zukunft des denkmalgeschützten Gebäudes nicht weiterführen wird. Dies weil die Investitionen für die Umsetzung des Kultur- und Gastrokonzepts aus Sicht der Stadt nicht refinanzierbar gewesen wären.

Rückblende: Im Frühling 2015 schrieb die Stadt einen Projektwettbewerb für die Nutzung des alten Feuerwehrdepots aus. Zum Sieger war daraufhin der Konzeptvorschlag des heutigen Füürwehrklubs erkoren worden. Weil aber dessen Konzeptvorschlag nicht zu 100 Prozent den Wettbewerbsbedingungen entsprach kam es vorerst nicht zur Vertragsunterzeichnung zwischen den Parteien.

Stattdessen wurde in etlichen Verhandlungsrunden über ein detailliertes Gastrokonzept, das Rechtsverhältnis oder die Finanzierung diskutiert. Anfangs Sommer zog der Stadtrat nach einer fast dreijährigen Verhandlungszeit die Reissleine und forderte von den Initianten «erhebliche Kurskorrekturen», ansonsten würden die Gespräche beendet. Nach einem allerletzten Gespräch gab sich Bauchef Thomas Furrer (parteilos) Ende August dann verhalten positiv: Der Füürwehrklub habe noch einmal intensiv an seinem Konzept gearbeitet. «Das Projekt Kulturbeiz ist nicht gestorben, aber auch noch nicht geboren.»

Wertverlust von über vier Millionen

Nun also die erneute Kehrtwende: An seiner Budgetsitzung von Anfang Woche entschied der Gesamtstadtrat, das Projekt Kulturbeiz definitiv nicht weiterzuverfolgen. «Die Investitionen von 2,35 Millionen Franken sind mit dem Konzeptvorschlag des Füürwehrklubs schlicht nicht refinanzierbar», erklärt Thomas Furrer. Während die rund 850 000 Franken für den Innenausbau wohl noch über den Mietzins amortisierbar wären, hätten die 1,5 Millionen Franken für die eigentliche Gebäudesanierung nicht ohne Subventionierung der Stadt erfolgen können.

Hierfür hätte der Stadtrat eine Vorlage vor die Bürgerversammlung bringen müssen, in welcher er beantragt das Feuerwehrdepot vom Finanzvermögen in das Verwaltungsvermögen zu transferieren. Diese Änderung hätte gemäss dem Bauchef einen Wertverlust von über vier Millionen Franken für die Stadt bedeutet. «Der Stadtrat war der Meinung, dass eine solche Vorlage bei den Bürgern keine Mehrheit findet.»

Füürwehrklub ist iritiert

Der Entscheid des Stadtrats erreichte den Füürwehrklub bereits am Dienstag. David Jung, Projektleiter der Kulturbeiz beim Füürwehrklub zeigt sich erstaunt über die Argumentation des Stadtrats. «Wir haben lange und intensive Gespräche mit dem Stadtrat geführt.» Dabei sei auch das Thema Finanzierung immer wieder auf den Tisch gekommen. Aus Sicht des Füürwehrklubs sei man nach der letzten Verhandlungsrunde innerhalb der Rahmenbedingungen zu einer machbaren Lösung gekommen. Dass die Stadt erwartete, dass auch die Kosten der Gebäudesanierung im Projekt zu amortisieren sind, davon sei aber nie mehr die Rede gewesen, sagt Jung. Entsprechend iritiert sei man über den jüngsten Entscheid des Stadtrats.

Dem widerspricht der Bauchef: Der Stadtrat habe bereits bei Bekanntgabe des Projektwettbewerbs klar deklariert, dass die Stadt zwar die Infrastruktur bereitstelle, sich ansonsten aber nicht weiter am Projekt beteiligen wolle. Furrer gesteht aber auch Fehler ein. «Das Ganze war ein Zickzack-Kurs und vielleicht hätten wir uns früher eingestehen sollen, dass das Projekt an zu vielen Ecken krankt.»

Junge sollens richten

Hätte, wäre, könnte – der Bauchef mag nun nicht mehr der Vergangenheit nachhängen. Ungeachtet der gescheiterten Verhandlungen mit dem Füürwehrklub hält der Stadtrat an seinem Entscheid fest, das alte Feuerwerhrdepot der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Man werde nun das Gespräch mit zwei Interessenten aus dem Gastrobereich aufnehmen, die in den letzten Monaten ihr Interesse an der Nutzung des über hundertjährigen Gebäude signalisert hätten. Bei wem es sich darum handelt, will Furrer noch nicht verraten. Nur so viel: «Die Zukunft liegt in der Jugend.»

Wie es mit dem Füürwehrklub weitergeht, ist indes noch unklar. Ob es sich die Mitglieder vorstellen könnten, ihre Idee einer Kulturbeiz allenfalls an einem anderen Ort in die Tat umzusetzen, konnte und wollte David Jung am Freitag noch nicht beantworten. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.09.2018, 09:21 Uhr

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