Zürichsee

Für die Sanierung des Gipfelischiffs fehlt noch viel Geld

Seit über 80 Jahren ist das Motorschiff Etzel auf dem See im Einsatz. Jetzt soll es aufwändig saniert werden. Doch der Genossenschaft fehlt noch viel Geld – auch weil nicht alle Gemeinden bereit sind, einen Beitrag zu leisten.

Das Motorschiff Etzel ist jedes Jahr auf rund 100 Charterfahrten im See unterwegs. Nun muss es aufwändig saniert werden.

Das Motorschiff Etzel ist jedes Jahr auf rund 100 Charterfahrten im See unterwegs. Nun muss es aufwändig saniert werden. Bild: Manuela Matt

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Sie ist eine der alten Damen auf dem Zürichsee: Die MS Etzel. Das 1934 gebaute Motorschiff ist nach wie vor im Einsatz und den meisten als «Gipfelischiff» besser bekannt. Ende Mai muss die MS Etzel zur Grundsanierung in die Werft: Neben Unterhaltsarbeiten an der Schiffsschraube ist eine Erneuerung des Dachs, der Aufbauten und der Innenausstattung geplant.

Die Genossenschaft MS Etzel ist für diese Sanierung auf Geldsuche. Derzeit klafft noch ein grösseres Loch in der Kasse. Knapp 300000 Franken fehlen den Motorschifffreunden. Gesamthaft rechnet die Genossenschaft mit Kosten von 760000 Franken. In den vergangenen Jahren wurden bereits 380000 Franken angespart, nun kamen von Städten, Gemeinden und privaten Spendern weitere 86000 Franken zusammen.

Allerdings ist die Spendensuche kein einfaches Unterfangen, wie das Beispiel der Gemeinde Freienbach zeigt. Die reiche Schwyzer Gemeinde lehnte das Unterstützungsgesuch von 6000 bis 12000 Franken ab. Der Grund: Die Gemeinde stört sich an der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG) und deren schlechten Fahrplan auf die Ufenau.

Doch das Schiff gehört längst nicht mehr der ZSG. Weshalb also muss ein historisch-interessierter Verein unter der schlechten Beziehung zwischen einer Gemeinde und der ZSG leiden? Gemeindepräsident Daniel Landolt rechtfertigt sich: «Das Schiff litt unter seiner Vergangenheit.» Der Freienbacher gibt zu, dass es eine emotionale Debatte im Rat gewesen ist. «Vielleicht kam das Gesuch einfach zum falschen Zeitpunkt.»

Sanierung in zwei Etappen

Oliver Morel, Präsident der Genossenschaft MS Etzel, ist über die Absage aus Freienbach überrascht. «Das Schiff gehört schliesslich seit über 15 Jahren nicht mehr der ZSG.» Allerdings gesteht auch Morel ein, dass die Spendensuche am oberen Seeteil schwieriger ist. Dort, wo das Gipfelischiff fährt oder besser bekannt ist, kommt das Geld einfacher zusammen. Die Gemeinde Küsnacht zahlt etwa 10‘000 Franken an die Sanierung, Herrliberg gut 6000 Franken und Rüschlikon 2000 Franken. Die Stadt Zürich hat für die Sanierung 12000 Franken gesprochen.

Das Schiff wird in zwei Etappen saniert. Im Sommer 2018 kommt es an Land, um etwa die Sanierungsarbeiten am Aufbau des Schiffes in Angriff zu nehmen. Das neue Dach wird aus Blech in authentischer Falztechnik angefertigt. In der Kabine wird das ursprüngliche Erscheinungsbild wieder hergestellt. Auch einen frischen Aussenanstrich erhält das Schiff. Der kleine Unterhalt des Antriebes wird in diesem Jahr gemacht, in fünf Jahren ist dort ebenfalls eine grössere Revision geplant. Die Kosten für die zweite Etappe stehen noch nicht fest. Die Sanierung in diesem Jahr muss im Sommer erledigt werden, damit der neue Anstrich eine gute Qualität erhält. Einmieten in der geschlossenen Werfthalle der ZSG würde hohe Mehrkosten verursachen und wäre auch nur während des Sommers möglich.

Ein Mitfinanzierungsgesuch hat die Genossenschaft unter anderem den Etzel- und Ufergemeinden und den umliegenden Kantonen gestellt. Weitere Gesuche will man dem Bundesamt für Kultur, Stiftungen und Privatpersonen senden. Kommt nicht alles nötige Geld zusammen bis die Sanierung startet, besteht laut Morel die Möglichkeit, Arbeiten zu etappieren oder gewisse Bereiche – wie etwa im Innenraum – nicht oder nur teilweise zu sanieren. Wichtig sei vor allem, dass die im Wasser liegenden Teile diesen Sommer erneuert werden könnten.

Weitere Informationen unter: www.msetzel.ch

Erstellt: 02.05.2018, 15:09 Uhr

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Die Genossenschaft MS Etzel besteht seit 2001. Sie wurde gegründet um das Motorschiff «Etzel» auf dem Zürichsee zu erhalten und weiter zu betreiben, nachdem die ZSG es ausgemustert und zu einem symbolischen Preis verkauft hat.

Das Motorschiff gilt deshalb als besonders erhaltenswert, weil der Schiffsantrieb aussergewöhnlich ist. In den 1930er Jahren entwickelte die Zürcher Maschinenfabrik Escher Wyss AG in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich einen Schiffsantrieb, bei dem die Maschine mit konstanter Drehzahl betrieben wird. Zur Regulierung der Geschwindigkeit werden die Propellerflügel direkt vom Steuerstand aus verstellt.

Dieser Verstellpropeller kam beim MS Etzel weltweit erstmals zur Anwendung. Heute fährt die MS Etzel jährlich an rund 30 Tagen als Gipfelischiff im unteren Seebecken und ist auf 100 Charterfahrten unterwegs. (ckn)

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