Rapperswil-Jona

«Es lebe die internationale Solidarität»

Rund 400 Menschen haben sich am Freitag vor dem Hauptsitz der Geberit AG versammelt, um gegen die mögliche Schliessung zweier Geberit- Standorte in Frankreich zu demonstrieren.

Video: Fabienne Sennhauser

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«Faites du bruits!» Immer wie­der for­dert der Demonstrations­füh­rer die Leute auf, ihren Unmut mit lauten Ausrufen kundzutun. Rund 400 Menschen haben sich an diesem Freitagmittag im Grünfeld versammelt, um gegen die mögliche Schliessung zweier Geberit-Standorte in Frankreich zu demonstrieren. Dar­unter über 300 Franzosen aus den betroffenen Dörfern La Villeneuve-au-Chêne und Digoin. Ebenfalls mitge­reist sind Vertreter französischer Gewerkschaften, wie Confédération générale du travail (CGT) und Confédération française des travailleurs chrétiens (CFTC).

Unterstützung erhalten sie von der Regionalsektion der Unia Ostschweiz. «Auch in unserer Region gehen immer mehr Arbeitsplätze zugunsten des Profits verloren», erzählt Anke Gähme, Mitglied der Sektion Unia Ostschweiz, in ihrer Begrüs­sungs­rede. Es sei ­daher ­keine ­Frage gewesen, dass die Unia sich mit den franzö­sischen Arbeitnehmern solidarisiere. «Nur gemeinsam haben wir eine Chance. Es ­lebe die inter­natio­nale Solidarität.» Die Menge tobt und macht sich mit lauten Buhrufen auf den Weg zum Firmengebäude der Gebe­rit.

Noch keine Entscheidung

Ausgangspunkt des Protestes ist ein Entscheid der Konzernleitung der Gebe­rit AG vom Frühling dieses Jahres. Damals gab die Geschäftsführung bekannt, dass sie strategische Optionen für zwei Standorte ihrer Tochtergesellschaft Allia SAS in Frankreich prüfe. Beide Standorte sind im Bereich Badezimmerkeramik tätig und haben nach Angaben von Gebe­rit mit Produktionsüber­kapazitäten und anhaltendem Kos­ten­druck zu kämpfen. Aufgrund dieser Aus­gangs­lage habe sich ­Allia veranlasst gesehen, verschiedene Varianten zu prüfen, sagt Geberit-Mediensprecher ­Ro­man Sidler. «Natürlich ist die Schliessung der besagten Standorte eine der Optionen, die es zu prüfen gilt.» Der Prozess sei aber nach wie vor im Gange, eine definitive Entscheidung noch hängig.

Mehr als 250 Arbeitnehmer wären von den allfälligen Werksschliessungen betroffen. Um für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen, sind sie in ihrem Land bereits auf die Strasse gegangen. Nun wol­len sie mit ihrem Aufmarsch vor dem Hauptsitz der Geberit AG erneut ein Zeichen setzen.

Das ganze Dorf kämpft mit

Unterstützt werden sie dabei nicht nur von den Gewerkschaften. Auch zahlreiche Bewohner der betroffenen Dörfer sowie ­deren Bürgermeister ­haben die fünfstündige Car­fahrt nach Rap­pers­wil-Jona auf sich genommen. Vor dem Firmenhauptsitz der Geberit angekommen deponieren sie ihr Anliegen in Form einer Petition. «Für unser Dorf würde die Schliessung der Allia-Produktionsstätte den Ruin bedeuten», sagt Fa­bien ­Genet, Bürgermeister von Di­goin. ­Allia sei mit Abstand der grösste Arbeitgeber der Region. «Es muss eine andere Lösung gefunden werden.»

Für die Geberit AG ist es das erste Mal, dass sich ausländische Arbeiter und Behördenvertreter in der Schweiz zu einem solchen Protest zusammen finden, wie Mediensprecher Roman Sidler bestätigt. «Wir nehmen das Anliegen sehr ernst.» Deshalb ­habe man auch einem Treffen zugestimmt. Am Verhandlungsgespräch, das unmittelbar nach dem Protestakt über die Bühne geht, nehmen Vertreter der Arbeitnehmer, der französischen Gewerkschaften, deren Anwalt sowie die Bürgermeister der betrof­fenen Regionen teil. Über den Gesprächsinhalt gibt sich Sidler bedeckt. «Es ging uns primär einmal darum, zuzuhören.»

Erstellt: 21.10.2016, 12:04 Uhr

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