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Filmprojekt brachte ihn auf Distanz zum Vatikan

Eine katholische Kirche, die den Frauen mehr Rechte gibt: Für dieses Anliegen ist letztes Jahr eine Gruppe Menschen mit Esther Rüthemann aus Jona nach Rom gepilgert. Mit dabei: der Schönenberger Jungregisseur Silvan Hohl, der die Reise dokumentarisch festgehalten hat.

Der Jungregisseur Silvan Hohler drehte einen Film über eine Pilgergruppe, die für mehr Rechte und Mitbestimmung der Frauen in der katholischen Kirche kämpft.
Der Jungregisseur Silvan Hohler drehte einen Film über eine Pilgergruppe, die für mehr Rechte und Mitbestimmung der Frauen in der katholischen Kirche kämpft.
André Springer

Zwei Wochen habe es gedauert, bis ihm plötzlich klar geworden sei, wovon ihm die Mutter mal eher beiläufig erzählt hätte – «Es war das perfekte Drehbuch.» Das sagt der 22-jährige Silvan Hohl, Filmstudent aus Schönenberg, heute. Gut eineinhalb Jahre sind seit jenem Moment her, der sich angefühlt habe wie ein Urknall. Und aus der Idee ist ein fast zweistündiger Kinofilm geworden, der im Zürcher Kino Le Paris seine Premiere gefeiert hat. «Habemus Feminas!» heisst das Werk.

Der Anklang an die Papst­verkündigungsformel «Habemus Papam» ist nicht zufällig. Denn wie Hohl Anfang 2016 von seiner Mutter erfuhr, machte sich eine Gruppe von Männern und Frauen auf, zu Fuss von St. Gallen nach Rom zu wandern. Unter ihnen als Initiantinnen waren etwa die Pastoralassistentinnen Hildegard Aepli aus St. Gallen und Esther Rüthemann aus Rapperswil-Jona. Ziel der Pilgerreise war es, dem Papst das Anliegen nach mehr Rechten und Mitbestimmung der Frauen in der Kirche zu unterbreiten.

Pilgerprojekt fasziniert

«Die Materie war mir vertraut», sagt Hohl, der zehn Jahre als Ministrant in Schönenberg diente. Sein lebhaftes Interesse an Kirchenfragen sei nie gewichen. Ein Interesse jedoch, das zunehmend kritisch-distanziert wurde. Der Einbezug der Frauen in die Ämter der katholischen Kirche sei ihm als hoffnungsloses Thema erschienen, bis er von dem Pilgerprojekt gehört habe. «Menschen der Basis suchten im friedlichen Dialog mit der Obrigkeit eine Lösung», sagt Silvan Hohl. Das habe ihn beeindruckt. «Die Brisanz des Themas und die dramaturgischen Herausforderungen haben mich gereizt, einen Dokumentarfilm über die Pilgerreise zu drehen», sagt Hohl, der bis anhin vor allem Spiel- und Kurzfilme ­gemacht hatte – dies seit seinem 13. Lebensjahr.

Er habe nur noch «drauflosgearbeitet», nachdem sich die Idee für seinen Film manifestiert hatte. «Wenn man von einer Sache überzeugt ist, gibt es kein Wenn und Aber mehr», sagt er. Viel Zeit, Bedenken und Einwände zu wälzen, sei ihm ohnehin nicht geblieben. Es galt, Geld aufzutreiben, Bewilligungen einzuholen und die Filmcrew zusammenzustellen. Letztere hatte er mit Kameramann Nino Burkhart und Tontechniker Ahren Merz, beide fast im gleichen Alter wie er selber, schnell gefunden.

Entfremdung des Vatikans

Auch die Finanzen waren fürden Anfang rasch geregelt, dank Crowdfunding sowie durch Beiträge einzelner Kirchgemeinden und des Synodalrates des Kantons Zürich. Um einiges komplizierter gestaltete es sich indes, eine Filmerlaubnis für den Vatikan zu erhalten. Über zwei Monate habe sich die Korrespondenz mit immer anderen Kontakt­personen hingezogen, alle möglichen Unterlagen habe er eingereicht – um kurz vor der Ankunft in Rom ein Filmverbot zu erhalten: Dies war für den Regisseur indes symptomatisch für die Struktur des Vatikans, die ihm während des Projekts auf prägende Weise bewusst werden sollte.

«Im Austausch mit den Pilgern habe ich festgestellt, wie stark sich die Institution der katholischen Kirche von der Basis entfremdet hat», sagt Hohl. «Eigentlich ist die Pilgerreise an sich eine Ironie. Dass für etwas gekämpft werden muss, das selbstverständlich sein sollte.» Die Pilger wurden am Ende ihrer Reise nicht vom Papst empfangen. Für Hohl eine Aussage beispielloser Gleichgültigkeit. «Mir wurde immer klarer, dass ich mich mit dem Vatikan nicht mehr identifizieren konnte», sagt er und wählt seine Worte mit einer für sein ­jugendliches Alter erstaunlichen Klarheit.

Erst als Kurzfilm geplant

Der Grund für den Film war, dass er für seine Ausbildung an der School of Audio Engineering (SAE) in Zürich eine Abschlussarbeit für das Modul «Dokumentarfilm und Reportage» vorzu­legen hatte. Verlangt war ein Film von 15 Minuten Spieldauer. Die Diskussionen mit den Pilgern machten aber schon bald klar, dass Hohl ein längeres Format brauchte.

Trotz seiner dezidierten Haltung zur Institution Kirche sei es ihm wichtig gewesen, jedem Charakter seine Meinung zu lassen und die Geschichte nicht durch Interviews zu beeinflussen. «Die Schwierigkeiten kamen dann beim Schnitt», sagt der junge Regisseur. Selbstzweifel und Selbstkritik hätten ihm zu schaffen gemacht. «Ich bin ein Perfektionist, ohne Deadline wäre ich wohl noch immer an der Arbeit», gibt er zu. Nun steht er in Verhandlungen mit verschiedenen Kinos, um sein Werk alsbald einem breiten Publikum zeigen zu können.

Am Freitag, 29. September, ist der Film «Habemus Feminas!» im Kino Leuzinger an der Oberen Bahnhofstrasse in Rapperswil zu sehen.

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