Rapperswil/Shanghai

Filmischer Triumph im Dreieck zwischen der Schweiz, der Mongolei und Shanghai

Es ist ein grosser Triumph für den Rapperswiler Regisseur Batbayar Chogsom: Gleich mit seinem Erstlingswerk «Out of Paradise» hat er am renommierten Internationalen Shanghai Film Festival den Hauptpreis gewonnen.

Batbayar Chogsom freut sich mit den Schauspielerinnen Enerel Tumen (links) und Erdenetsetseg Tsend-Ayush über die Auszeichnung.

Batbayar Chogsom freut sich mit den Schauspielerinnen Enerel Tumen (links) und Erdenetsetseg Tsend-Ayush über die Auszeichnung. Bild: zvg

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Batbayar Chogsom klingt noch ganz verschlafen, als er das Telefon abnimmt. Dazu hat der Rapperswiler auch allen Grund: Er hat mit seinem Erstlingsfilm «Out of Paradise» den Hauptpreis des renommierten internationalen Shanghai Film Festivals gewonnen. Das wurde kräftig gefeiert. Danach musste der 44-Jährige die ganze Nacht hindurch Glückwünsche per SMS beantworten. Vor lauter Aufregung konnte er nicht einschlafen.«Ich bin überwältigt.» Niemals hätte der gebürtige Mongole damit gerechnet, mit dem goldenen Pokal für den besten Spielfilm ausgezeichnet zu werden. Er hat sich im Wettbewerb gegen 23 Mitwerber aus der ganzen Welt durchgesetzt. Sein Film erzählt die Geschichte eines mongolischen Nomadenpaars, dass wegen einer schwierigen Schwangerschaft in die Stadt muss, und dort vom modernen Leben überwältigt wird. «Out of Paradise» überzeugte die Jury mit seiner Einfachheit, seiner Ernsthaftigkeit und seiner Poesie, wie sie mitteilt.

Das Filmfestival in Shanghai ist eines der bedeutendsten in Asien und gehört in eine Reihe von international bekannten Festivals wie Cannes, Berlin, Venedig oder Locarno. Mehrere tausend Filme hatten dieses Jahr im Vorfeld um einen Platz im Wettbewerb gekämpft.

Der Film funktioniert überall

Das ganze Festival war für Chogsom eine tolle Erfahrung. Gemeinsam mit zwei seiner Darstellerinnen wurde er nach Shanghai eingeflogen. Dort ergab sich die Möglichkeit, den Film zum ersten Mal mit einem nicht-schweizerischen Publikum zu schauen. «Out of Paradise» hatte im Januar an den Solothurner Filmtagen debütiert, wo er für den Publikumspreis nominiert war. Zur grossen Enttäuschung des Regisseurs, gewann er dort aber nicht. Neben Solothurn, wurde die schweizerisch-mongolische Ko-Produktion bisher nur am Filmfestival Fribourg gezeigt.

Der Film habe in Shanghai gleich gut funktioniert, wie beim Schweizer Publikum, findet Chogsom. An einer Stelle aber hätten sich die unterschiedlichen Kulturen gezeigt. Das Kind des Ehepaars wird auf traditionelle mongolische Art eingewickelt. An dieser Stelle hätten die Schweizer immer gelacht, weil das Kind auf sie wie eine Puppe gewirkt habe. «Beim chinesischen Publikum ist diese Reaktion ausgeblieben.»

Trophäe und Zertifikat als bester Spielfilm für «Out of Paradise» am Shanghai Film Festival. Bild: zvg.

Alles ein wenig einfacher

Chogsom ist es wichtig, zu betonen, dass der Sieg nicht nur für ihn den ersten Erfolg bedeutet, sondern auch für einen Grosseiler seiner Crew. Auch für Mitstreiter wie Komponist Urs Bollhalder oder Kameramann Simon Bitterli ist es die erste Arbeit an einem Langspielfilm.

Nun hofft Chogsom, dass es mit dem Erfolg des Filmes einfacher wird, seine nächsten Projekte zu realisieren. Bei «Out of Paradise» dauerte es nämlich von der Idee bis zur Umsetzung acht Jahre. Geplant ist, dass der Film im Herbst in die Schweizer Kinos kommt. Doch zuerst geht auf grosse internationale Reise. Das wünscht sich zumindest Simon Hesse, Inhaber der Zürcher Produktionsfirma Hesse Film. «Der Preis ist eine grosse Sache und erhöht die Chancen des Filmes in Nordamerika oder Australien gezeigt zu werden.»

Zuerst einmal aber, geniesst Batbayar Chogsom noch einen letzten Abend in Shanghai. Sein Film wird erneut aufgeführt, und im Anschluss stellt er sich den Fragen des Publikums. Danach geht es vom Glamour des Filmfestivals in Shanghai zurück ins beschauliche nach Rapperswil-Jona. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.06.2018, 16:39 Uhr

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