Natur

Fichte und Buche werden aus den hiesigen Wäldern verschwinden

Der Klimawandel wirkt sich immer mehr auf die Wälder aus. Vor allem Fichte und Buche geraten immer mehr unter Stress. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für den ­Befall durch Schadorganismen frappant.

Der Klimawandel wirkt sich je länger, desto mehr auf die Baumvielfalt im Schweizer Mittelland aus.

Der Klimawandel wirkt sich je länger, desto mehr auf die Baumvielfalt im Schweizer Mittelland aus. Bild: Keystone

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Die durchschnittliche Jahrestemperatur in der Schweiz ist seit 1864 um rund zwei Grad angestiegen, das ergeben langjährige Studien von Meteo Schweiz. Gemäss aktuellen Klimaszenarien wird sich dieser Trend weiter fortsetzen. Für die Meteorologen ist zudem klar: Neben dem Temperaturanstieg werden sich auch die Niederschlagsmengen und -intensitäten verändern, auch wenn deren Entwicklung noch schwer abzuschätzen ist.

Die klimatischen Veränderungen wirken sich zusehends auch immer mehr auf das Ökosystem Wald aus. Förster und Waldeigentümer setzen deshalb alles daran, ihre Pflegeeingriffe im Wald schon jetzt auf die künftigen Klimabedingungen auszurichten. So fand etwa im Kanton St. Gallen vor einigen Tagen ein Weiterbildungstag für Forstleute statt, der sich vertieft mit dem Thema Klimawandel beschäftigte.

Baumgrenze verschiebt sich

«Bereits heute zeigt der Schweizer Wald diverse Symptome, die dem kontinuierlichen Temperaturanstieg und der Zunahme von Trockenperioden geschuldet sind», sagt der St. Galler Kantonsforst­ingenieur Maurizio Veneziani. So verschiebe sich der Blühbeginn der verschiedenen Baumarten zusehends nach vorne. Eine Tatsache, die auch die Pollenallergiker zu spüren bekommen. Immer mehr beobachtet der Forstinge­nieur zudem bräunlich vergilbte Blätter, die durch eine Überhitzung des Blattgewebes entstehen.

Um langfristig auf die Auswirkungen des Klimawandels vor­bereitet zu sein, arbeitet der Kanton St. Gallen eng mit der Eid­genössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zusammen. Bereits 2009 startete das WSL das Forschungsprojekt «Wald und Klimawandel». Dieses soll die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken für den Wald aufzeigen und den Forstleuten praxistaugliche Anpassungsmassnahmen liefern.

Bei seinen Modellierungen geht das WSL in den nächsten 30 bis 40 Jahren von einer weiteren Erhöhung der durchschnittlichen Jahrestemperatur um rund zwei Grad aus. Dadurch ist mit einer Verschiebung der Vegetationszonen um 500 bis 700 Höhenmeter nach oben zu rechnen: durch die klimatische Erwärmung, gekoppelt mit längerer Vegetationszeit pro Jahr, erhalten Baumarten wie Buche oder Eiche die Möglichkeit, in höhere Lagen vorzudringen.

Mehr Eichen und Föhren

Am empfindlichsten trifft der Klimawandel die Wälder in den unteren Lagen (400 bis 600 Höhenmeter). Deren Hauptvertreter Buche und Fichte werden deutlich an Terrain verlieren. Das zeigt auch ein Papier des Amtes für Landschaft und Natur (ALN) des Kantons Zürich. Auch Esche und Ahorn dürften je länger je mehr leiden. Viele Schädlinge und Krankheitserreger würden von den höheren Temperaturen profitieren. Der Borkenkäfer zum Beispiel wird zwei bis drei statt wie bisher nur eine bis zwei Generationen pro Jahr haben. «Damit steigen die Schäden bei Fichten, vor allem wenn diese durch Wetterextreme wie Trockenheit, starke Gewitter oder Sturmböen ohnehin geschwächt sind», schreibt das ALN. Der Klimawandel begünstige auch die unerwünschte Ausbreitung mancher gebietsfremder Pflanzen.

Um dennoch eine grosse Baumvielfalt zu erhalten, setzt man sowohl im Kanton Zürich wie auch im Kanton St. Gallen darum künftig vermehrt auf jene Arten, die Wärme und Trockenheit ­relativ gut ertragen. Denn nur so liessen sich die negativen Auswirkungen der Klimaerwärmung auf den Wald reduzieren. Das ALN listet etwa Eibe und Eiche als klimatolerante Baumarten auf. Als trockenheitsresistent gelten laut Veneziani auch Föhre, Linde und Kirsche. In Zukunft also dürfte sich die Zusammensetzung der Wälder im Schweizer Mittelland verändern.

Erstellt: 16.07.2018, 13:59 Uhr

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