Rapperswil-Jona

«Es gibt keinen Plan, kein Konzept, keine Vision»

Stadtpräsident Erich Zoller (CVP) muss im Wahlherbst gegen mindestens drei Konkurrenten antreten. Diese kritisieren die Führungskraft des Präsidenten.

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Auf dem Wunschbaum vor dem Stadthaus flattern Stoffbändel im Wind. Darauf können Bürger ihre Wünsche aufschreiben. Auf einem steht: «Ein neuer Stadtpräsident! Zoller muss weg!» Just vor diesem Baum lädt Stefan Ritz zur Pressekonferenz ein, um seine Kandidatur für das Stadtpräsidium bekannt zu geben. «Ein ungeschriebenes Gesetz sagt, dass man sich als alt Gemeinderat nicht in die aktuelle Politik von Rapperswil-Jona einmischt», sagt Ritz, der zwei Jahre lang kurz vor der Fusion als UGS-Politiker im Joner Gemeinderat war: Doch heute sei es wichtig, dass diese Regel zum Wohl der Stadt gebrochen werde.

Flickwerk statt Strategie

In den letzten Wochen hätten ihn viele Bekannte und Freunde angefragt, ob er nicht kandidieren wolle. «Dies, weil die Parteien keine Kandidaten ins Rennen schicken», sagt Ritz. «Sie wollen keinen Machtkampf mit Erich Zoller, damit die Wahl ihrer Stadträte nicht gefährdet ist.» Damit werde Parteipolitik über das Wohl der Stadt gestellt, findet Ritz. «Ich stelle mich zur Verfügung, weil ich eine echte Wahl will.» Die Stadt Rapperswil-Jona müsse in den kommenden Jahren einige Schwierigkeiten lösen.

«Ich will die Stadt nicht nur verwalten, sondern auch  entwickeln.»Stefan Ritz, Projektleiter in der katholischen Kirche im Kanton Zürich

Doch zurzeit nehme man von aussen nur ein Flickwerk wahr und keine Gesamtstrategie: «Es gibt keinen Plan, kein Konzept, keine Vision in dieser Stadt», sagt der Projektleiter, der in der Jugendseelorge der katholischen Kirche im Kanton Zürich tätig ist. Hinzu komme, dass man den Masterplan, den man bei der Fusion in Angriff genommen habe , aus den Augen verloren habe: «Verdichten nach innen, hiess die Devise. Aber mit einer grünen Lunge in der Stadt!» Ritz wirft Zoller vor, dass dieser nur verwalte und aussitze, statt die Stadt zu entwickeln. Ritz, der als Privatperson und Parteiloser antritt, will 30 000 Franken für den Wahlkampf aufwenden.

Kein Vertrauen in die Behörde

Etwas bewegen beziehungsweise verändern will auch der parteilose Felix Hof: Der ehemalige Leiter des Regionalen Beratungszentrums Rapperswil-Jona kandidiert für das Präsidium, weil er einen Stillstand in der Entwicklung der Stadt beobachtet: «Die Stadt ist gelähmt. Ihr ist vollends jegliche Innovationskraft abhanden gekommen.» Hof vermisst bei Zoller Entschlussfreude, Ideen, das Feuer, die Stadt voranzutreiben. «Vor allem im Bereich Verkehr sehe ich viel Optimierungspotenzial», sagte der 58-jährige Chefpsychologe, der beim Bund arbeitet. Wichtig sei aber auch, dass die Bürger wieder Vertrauen in die Behörden und Sozialdienste der Stadt gewinnen können.

Führung der Stadt ist Problem

Bruno Hug, Verleger der Gratiszeitung «Obersee-Nachrichten», will derweil mit seiner Kandidatur dafür sorgen, dass die Stadt eine neue Stadtführung erhält respektive einen «politischen Neuanfang» macht: Das Ziel sei auch, einen zweiten Wahlgang zu erzwingen. Rapperswil-Jona müsse besser geführt werden, meint Hug: «Es ist wichtig, dass klare Entscheide gefällt werden, statt herumzudiskutieren und halbfertige Projekte vorzulegen.» Zu Letzteren zählt Hug die Reform im Stadtrat, aktuell das Altersleitbild und generell die Verkehrspolitik.

«Es ist wichtig, dass klare Entscheide gefällt werden, statt herumzudiskutieren und halbfertige Projekte vorzulegen.»Bruno Hug, Verleger «Obersee-Nachrichten»

Der 62-Jährige kritisiert überdies die Rolle von Erich Zoller in der Kesb-Kontroverse: Es sei mittlerweile klar, wie unseriös Grobs Wahl zum Kesb-Chef gewesen sei, sagt der parteilose Hug. Er schätzt seine politische Position als bürgerlich-liberal ein. Zu seinem Budget im Wahlkampf hat sich Hug «noch keine Vorstellungen gemacht».

Zoller gelassen

Erich Zoller wird in seinen Ferien von den drei Kandidaturen gegen ihn überrascht: «Ich schaue dem Wahlkampf relativ gelassen entgegen», sagt der CVP Politiker auf Anfrage. «Aber es werden bestimmt interessante Wochen». Was sagt Zoller dazu, dass sein wohl grösster Widersacher, Bruno Hug, nun ebenfalls in Stadthaus einziehen will? «Mit der jetztigen Kandidatur wird klar, was das Ziel seiner unzähligen Artikel gegen mich war.» Zoller hält die Kandidatur verbunden mit der Berichterstattung für eine «durchschaubare Angelegenheit.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.07.2016, 17:08 Uhr

Doppelmandat

Bruno Hug und die Obersee-Nachrichten

Bruno Hug will Stadtpräsident werden. Ist die Doppelrolle als Journalist und Verleger der «Obersee-Nachrichten» (ON) und die des Politikers vereinbar? Diese Frage ist nicht neu: Vor Jahrzehnten waren solche Doppelmandate etwa von Chef­re­dak­toren im Nationalrat durchaus üblich. Heute werden die En­gage­ments, etwa von «Weltwoche»-Herausgeber Roger Köppel (SVP) in den eidgenössischen Räten, kritischer beleuchtet. Medienexperten sehen die journalistische Unabhängigkeit gefährdet. Hug kann dieser Kritik wenig abgewinnen: «Nein, ich sehe das nicht als problematisch an. Verleger und Redaktor zu sein ist mein Beruf», sagt er.

Was bedeutet die Kandidatur für das Medienhaus Somedia, zu welchem die ON gehören? CEO Andrea Masüger sagt dazu: «Die Kandidatur ist mit Somedia abgesprochen.» In einem poli­ti­schen Milizsystem sei immer damit zu rechnen, dass ein Berufstätiger für ein öffentliches Amt kandidiere. Trotzdem hat das Unternehmen mit Hug Regeln definiert, sagt Masüger: «Wir ­haben mit Bruno Hug vereinbart, dass er während des Wahlkampfs publizistisch in den Hintergrund tritt.» Themen, welche auf den Wahlkampf Einfluss haben, müssten von anderen Personen in der Redaktion bearbeitet werden. Hug hatte etwa seit längerem mit einer Artikel-Serie zur Kesb den politischen Alltag in der Stadt mitgeprägt. Masüger sagt: «Bruno Hug wird in dieser Phase vor allem verlegerisch-administrativ tätig sein.» Noch ist Hug Kandidat. Doch welche Richtlinien hat Somedia für die Ausübung von Ämtern? «Unsere Regeln besagen, dass ein Vollamt in einer politischen Behörde mit einer redaktionellen Tätigkeit nicht vereinbar ist», sagt der Somedia-CEO. (ckn)

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