Rapperswil-Jona

Fahrende hinterlassen Chaos und viele offene Fragen

Die Fahrenden, die in Wagen ihr Lager aufgestellt hatten, sind weitergezogen. Entgegen den Auflagen der Stadt wurde das Grundstück in einem verwahrlosten Zustand zurückgelassen.

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Am Sonntagabend sind sie aufgebrochen: Die Gruppe Fahrender, welche seit Ende Mai in Wagen hielt, hat ihr Lager geräumt. Am Montagmorgen um 8 Uhr hätte unter Anwesenheit der Polizei die Abgabe des Grundstückes an die Stadtverwaltung erfolgen sollen. Als die Vertreter der Stadt beim Grundstück ankamen, war kein Fahrender anwesend: Der Termin geplatzt. Der Polizei wurde mitgeteilt, dass sie 70 Kilometer weitergefahren seien, jedoch nicht, in welche Richtung. Zurückgeblieben sind Enttäuschung, unbezahlte Rechnungen und viel Abfall.

Gemeinsame Lösung

Vor Ort häufen sich Abfallsäcke neben einer Mulde. Ein paar Waschmaschinen wurden in der Scheune liegen gelassen. Die mobilen WC-Anlagen sind unbenutzt – im anliegenden Stall erklärt sich, wieso. Für den ortsansässigen Bauern, der das Grundstück vermietet hat, gestaltet sich die Abfallentsorgung schwierig: Drei Autos, darunter ein Wohnwagen mit französischem Kennzeichen, stehen noch auf der Wiese. Ob diese später abgeholt werden, ist fraglich. Die Kantonspolizei St. Gallen ermittelt, wer die Besitzer der Autos sind. Ansonsten sei die Sache für die Kantonspolizei abgeschlossen, meint Mediensprecher Gian Andrea Rezzoli. «Wir werden mit der Stadt eine Lösung suchen müssen», sagt Fabian Steuri, Anwalt des Grundstückbesitzers. Man könne zu diesem Zeitpunkt das Ausmass der Kosten und Schäden noch nicht einschätzen. «Wir halten uns den strafrechtlichen Weg offen», sagt er. Diesen hat die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen bereits eingeschlagen und dem Capo der Fahrenden am Sonntagabend vor der Abreise 1000 Franken als Sicherheit für ein Strafverfahren abgeknöpft.

Rechnung nicht gezahlt

Der Aufenthalt der Fahrenden in Wagen war mit vielen Problemen und Ärger verbunden. Anwohner hatten sich wiederholt über den Lärm beschwert, zuletzt bei einem Hochzeitfest, welches am Samstag stattfand. Reto Kunz, Geschäftsleiter der R. A. K. Festzeltvermietung aus Hinwil, begutachtet seine beschädigten ­Tische. Mehrere seiner Angestellten bauen gerade das Zelt ab, in dem gefeiert wurde. Kunz hatte eine telefonische Anfrage der Fahrenden zuerst abgelehnt. Als drei Personen zu ihm ins Geschäft kamen, gab er gegen Anzahlung nach. Es wurde abgemacht, dass die Fahrenden beim Abbau helfen. Als er ankam, fehlten diese und mit ihnen die restlichen versprochenen 2500 Franken. Ob und auf welchem Weg er sein Geld erhält, weiss er noch nicht. «Ich bin einfach froh, dass ich mein Zelt noch habe», sagt er.

Eine bittere Lektion

Auch für die Stadt Rapperswil-Jona hat die Geschichte mit den Fahrenden in Wagen komplizierte Züge angenommen. Stadtrat Roland Manhart (CVP) wählt klare Worte bei seiner Bilanz: «Die Übergabe ist tragisch abgelaufen.» Da es sich um Privatland handelt, sei die Stadt nicht mehr direkt involviert. Die Akte wird aber noch lange nicht geschlossen: Vor der Abfahrt mussten die Fahrenden eine Kaution von 6000 Franken hinterlegen, welche bei der Übergabe zurückerstattet werden sollte. Nach seinem Fernbleiben am Abgabetermin vom Montagmorgen hat sich der Chef der Fahrenden jedoch noch nicht bei der Stadt gemeldet. Was mit der Kaution geschieht, kann Manhart noch nicht sagen. Allfällige Kosten wegen Umweltschäden könnten allenfalls damit gezahlt werden.

Eine Lehre habe man aus der Situation aber bereits jetzt gezogen: Viele Probleme hätten vermieden werden können, wenn die Stadtverwaltung früher in die Verhandlungen einbezogen worden wäre, sagt er. Man wolle demnächst die hiesigen Grundstückbesitzer über die gesetzlichen Grundlagen informieren. Damit sollen zukünftige Situationen mit Fahrenden kontrollierter verlaufen. «In Zukunft werden wir penetranter agieren», hält Manhart fest.

Für den Grundstückbesitzer wird das wohl die letzte Erfahrung mit Fahrenden sein. «Mein Kunde wird es sich zweimal überlegen, ob er sein Land nochmals vermietet», sagt Fabian Steuri. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.07.2018, 19:43 Uhr

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