Regierungsrat SG

«Esther Friedli ist die zweite Siegerin»

Marc Mächler wurde in die St. Galler Regierung gewählt. Beachtlich ist jedoch, dass SVP-Frau Esther Friedli auf Anhib fast 40000 Stimmen holte. Politologe Mark Balsiger im Interview.

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Esther Friedli schaffte die Wahl in die St. Galler Regierung nicht. Sie liegt jedoch nur 5700 Stimmen hinter dem Gewählten Marc Mächler. Ein gutes Ergebnis für die SVP-Kandidatin?
Mark Balsiger: Esther Friedli ist die zweite Siegerin dieses Wahltages. Sie hat mit 38 Prozent aller Stimmen ein sehr gutes Ergebnis erzielt, das ihr bei ihrer weiteren Karriere helfen kann. Die SVP konnte innerhalb von weniger als zwei Monaten erfolgreich eine Kandidatin aufbauen.

Weshalb hat es trotzdem nicht zur Wahl gereicht?
Friedli machte einen hervorragenden Wahlkampf. Sie ist frisch, warmherzig und sympathisch aufgetreten. Allerdings musste sie mit Marc Mächler gegen eine bekannte FDP-Grösse antreten, die man seit Jahren in der St. Galler Politik kennt. Zudem spielten verschiedene Details eine Rolle: Friedli ist eine Zuzügerin und sie trat erst vor zwei Monaten der Partei bei, diese Kurzfristigkeit goutierten nicht alle. Dass sie früher in der CVP Mitglied war, kostete Esther Friedli ebenfalls Stimmen.

In sozialen Medien ist eine Reaktion häufig: Es sei erstaunlich, dass Friedli ohne politischen Rucksack auf Anhieb fast 40 000 Stimmen hole. Wie bewerten Sie das?
Friedli konnte die treuen Stammwähler der SVP mehrheitlich abholen. Vielleicht war sie auf dem politischen Parkett nicht so bekannt, aber niemand hat an ihrem Rucksack gezweifelt. Als ehemalige Generalsekretärin des Bildungsdepartements ist sie eine gute Kennerin der Verwaltung. Dieses Know-how machte sie zu einer ernsthaften Konkurrentin Mächlers.

Überrascht hat der Wahlkampf: Toni Brunner trat in einem frech-ironischen Videoclip auf und versprach, mehr Hausmann zu sein, wenn seine Esther gewählt würde. In der «Schweizer Illustrierten» präsentierten die beiden ihren Liebesbrief. Trotz Wahlerfolg für die FDP: Müssen die Parteien bei kommenden Wahlen kreativer werden, um das nächste Mal nicht übertrumpft zu werden?
Die Partnerschaft mit Toni Brunner ist eine glückliche Fügung. Esther Friedli ist selber Wahlkampfspezialistin und wusste die Prominenz von Toni Brunner ­gekonnt zu nutzen, ohne diesen Faktor überstrapaziert zu haben. Sie wusste, dass das Youtube-Video eine Mediengeschichte wert sein würde. Und mit dem Liebesbrief in der «Schweizer Illustrierten» konnte sie eine weitgehend apolitische Wählerschicht ansprechen – weiche Faktoren zählen auch. Mit einem unbekannten Partner hätte Friedli eine solche Kampagne nicht ähnlich erfolgreich umsetzen können. Das gilt für sämtliche Parteien. (zsz.ch)

Erstellt: 25.04.2016, 08:25 Uhr

Mark Balsiger, Politologe (Bild: zvg)

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