Rapperswil-Jona

«Es kribbelt jetzt in den Fingern»

Nach dem ökumenischen Kirchentag Mitte September wollen Reformierte und Katholiken nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen. Konkrete Projekte sind zwar noch nicht spruchreif, doch der gute Wille ist hüben wie drüben vorhanden.

Im Dialog für mehr Ökumene: Der reformierte Pfarrer Heinz Fäh (links) und der katholische Pfarreibeauftragte Robert Schätzle in der Kirche St. Franziskus in Kempraten.

Im Dialog für mehr Ökumene: Der reformierte Pfarrer Heinz Fäh (links) und der katholische Pfarreibeauftragte Robert Schätzle in der Kirche St. Franziskus in Kempraten. Bild: Sabine Rock

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«Wir können jetzt nicht einfach wieder sechs Jahre warten», sagt der katholische Pfarreibeauftragte Robert Schätzle. Der ökumenische Kirchentag in Rapperswil-Jona habe ein Kribbeln in den Fingern aller Beteiligten hervorgerufen. Sein reformierter Kol­lege aus dem Organisationskomitee, Pfarrer Heinz Fäh, spricht von der enorm positiven Resonanz, welche die mehrtägige Veranstaltung Mitte September ausgelöst habe. Für konfessionell gemisch­te Ehepaare etwa habe der ökumenische Kirchentag ein grosses Aufatmen gebracht, sagt Schätzle. Von ihrer Seite seien denn auch sehr viele Reaktionen gekommen.

Das Kribbeln wollen die beiden Pfarrherren ausnützen, den Schwung mitnehmen. Angesprochen auf konkrete Vorhaben hüllen sie sich allerdings vorläufig noch in Schweigen. Zwar soll die Zahl der ökumenischen Gottesdienste und Anlässe erhöht werden. «Das haben wir als Hausaufgabe mitgenommen», sagt Heinz Fäh. Andere Ideen und Projekte, mit denen der ökumenische Gedanke gestärkt werden soll, seien aber noch nicht spruchreif. Dar­über müssten sich zuerst noch die verschiedenen Teams und Räte beugen. Dennoch sagen Fäh und Schätzle übereinstimmend, die Zeit für einen Schritt in Richtung mehr Ökumene sei jetzt reif. Dass es sie braucht, ist für beide unbestritten. «Eigentlich müsste man begründen, warum es keine Ökumene­ braucht», sagt Fäh. Schätzle argumentiert theologisch: «Gott liebt die Buntheit mehr als die Einfarbigkeit.»

Vertrauensvoll leben

Vom Glauben her verbindet die beiden Konfessionen sehr viel, davon sind die beiden Kirchenmänner überzeugt. Die Schnittmenge im Gemeindeleben könne aber durchaus noch vergrössert werden. Robert Schätzle sagt: «Wir begegnen uns zwar dann und wann, verlieren uns aber auch wieder aus den Augen. Da können wir einen Schritt weitergehen.» Einig sind sich beide, dass es dabei nicht ums Bedienen von Äusserlichkeiten gehen kann. Gemeint ist vielmehr, die Menschen mit der Botschaft des Evangeliums in Verbindung zu bringen. Einer Botschaft, die Menschen stärken, ihnen helfen kann, Schwierigkeiten im Leben besser zu meistern. Das Leben aus der Perspektive des Vertrauens führen, nennt es Pfarrer Heinz Fäh.

Eigentlich müsste man begründen, warum es keine Ökumene braucht.Heinz Frei

Einig sind sich Fäh und Schätzle in einem weiteren Punkt: Die Unterschiede zwischen den Konfessionen sollen bei allen Bemühungen um die Ökumene nicht kaschiert werden. Wenn aber beide Seiten das einbringen, was sie haben, davon sind Fäh und Schätzle überzeugt, dann atmen viele Gläubige auf. Wie sähe denn eine gemeinsame ökumenische Liturgie aus? Der Katholik Robert Schätzle spricht von einer grossen Herausforderung, Formen zu finden, die weder in die absolute Wortlastigkeit noch in ein weihrauchgeschwängertes Brimborium münden. Für Heinz Fäh steht die Verkündigung des Wortes Gottes im Zentrum. Sie muss aber so erfolgen, dass sie für heutige Zuhörer verständlich ist und in den Alltag übersetzt werden kann.

Untergang oder nicht?

Über allen Bemühungen um Ökumene steht für beide Konfessionen das gleiche grosse Problem: Sie sind mit vielen passiven, kirchenfernen Mitgliedern und Kirchenaustritten konfrontiert. «Wir versuchen, die Stühle auf der untergehenden Titanic wieder aufzustellen, aber gegen den Untergang ist das nicht genug», sagt Robert Schätzle.

Heinz Fäh hält dieses Bild für unzutreffend. «Die Kirche mag kleiner werden und eine gewisse Machtstellung verloren haben», sagt er. Deswegen gehe sie noch lange nicht unter. Im Gegenteil könne sie auch als Minderheit im Sinne von Jesus «Salz der Erde und Licht für die Welt» sein und Orientierung anbieten. Für Schätzle bedeutet Volkskirche: Die Menschen gestalten und tragen die Kirche mit und legen Zeugnis ab, warum sie christlich leben. «Das Leben ist anders, wenn man Vertrauen auf Gott hat», sagt der katholische Pfarreibeauftragte und hat damit unvermittelt den Bogen zu seinem reformierten Kollegen geschlagen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.11.2017, 14:28 Uhr

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