Linthgebiet

Erneut weniger Kesb-Fälle als im Vorjahr

Im vergangenen Jahr hat die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) im Linthgebiet mehr Dossiers geschlossen, als neue eröffnet. Gemäss Kesb gelang dies, indem die Behörde Eltern «vermehrt in die Pflicht nahm».

Im Linthgebiet hatte die Kesb 2015 weniger Fälle zu bearbeiten als noch im Vorjahr.

Im Linthgebiet hatte die Kesb 2015 weniger Fälle zu bearbeiten als noch im Vorjahr. Bild: Keystone

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Ende 2015 führte die Kesb Linth für 820 Personen ein Dossier. Das sind 78 weniger als noch vor einem Jahr. Die für die zehn Gemeinden des Wahlkreises Gaster/See zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde führte dabei 548 Dossiers im Erwachsenenschutz, bei den übrigen 272 Dossiers ging es um Kinderschutzmassnahmen, wie aus dem gestern publizierten Jahresbericht der Kesb Linth hervorgeht.

Mit dem Rückgang der Kesb-Fälle setzt sich der Trend der Vorjahre fort: Schon 2014 hatte die Behörde im Verlauf des Geschäftsjahrs mehr Dossiers geschlossen, als neue eröffnet. Damals war die Zahl um 127 Dossiers gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

Kesb sollte Sohn platzieren

Die Kesb führt dies darauf zurück, dass man im Kinderschutz vermehrt «die Eltern in die Pflicht nimmt und in ihrer Verantwortung stärkt.» Was dies konkret bedeutet, erklärt Kesb-Präsident Walter Grob anhand eines Beispiels: Letzthin habe eine alleinerziehende Mutter von der Behörde verlangt, ihr pubertierender Sohn sei in einem Heim unterzubringen. Begründung: Sie halte ihn nicht mehr aus. Darauf sei die Kesb allerdings nicht eingestiegen. «Häufig finden wir mit den Eltern und den Kindern gemeinsame Abmachungen, die das Zusammenleben für beide Seiten wieder erträglicher machen», erläutert Grob. Manchmal helfe auch der Beizug von Fachpersonen oder der Hinweis auf Beratungsangebote. Man wolle auch vermitteln, dass gewisse «Probleme» normal seien und es diese auszuhalten gelte, auch wenn das nicht immer einfach sei.

Nicht zwingend Beistand

Aber auch im Erwachsenenschutz ging die Zahl der Dossiers zurück. Dies, weil die Behörde nach eigenen Angaben heute weniger fürsorgerisch agiert als die bis 2012 zuständigen Vormundschaftsbehörden der Gemeinden. Heute werde der Grundsatz des Selbstbestimmungsrechts konsequent angewendet. «Nur weil jemand Betreibungen hat oder zu viel trinkt, braucht er noch nicht zwingend eine Beistandschaft», führt Grob aus. «Solange die Person urteilsfähig ist und weiss, was sie tut, ist es ihr Entscheid, so zu leben.»

«Kaum Obhutsentzüge»

Gemäss Grob sind die in der öffentlichen Wahrnehmung sehr präsenten Fälle von Obhutsentzug tatsächlich sehr selten. Jährlich kommen nach seinen Angaben Fremdplatzierungen jeweils zwei- bis viermal vor. Im vergangenen Geschäftsjahr hat die Kesb Linth in drei Fällen Kinder fremdplatziert.

Weit häufiger ordnet die Kesb für ein Kind – oder auch erwachsene Person – eine Beistandschaft an. «Diese arbeitet dann entsprechend ihrem Auftrag mit ihrem Klienten, baut eine Beziehung zu ihm auf. Normalerweise hören wir erst nach zwei Jahren wieder etwas, wenn die Beiständin ihren Rechenschaftsbericht einreicht», führt Grob aus. Wenn allerdings Angehörige, der Betroffene oder die Beiständin eine Anpassung der Massnahme beantragten, komme die Kesb bereits früher ins Spiel.

Erstellt: 12.02.2016, 17:55 Uhr

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