Flüchtlinge

Erleben, was flüchten heisst

Am Samstag findet der nationale Flüchtlingstag statt. Im Linthgebiet werden dazu verschiedene Veranstaltungen organisiert. Die Erfahrungen der Flüchtenden sollen dadurch im Ansatz erlebbar gemacht werden.

Die Flucht erleben: Am Flüchtlingstag soll Verständnis für
Vertriebene geschaffen werden.

Die Flucht erleben: Am Flüchtlingstag soll Verständnis für Vertriebene geschaffen werden. Bild: Symbolbild/Keystone

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Als die Mitglieder des Solidaritätsnetzes Ostschweiz gestern für eine Pressekonferenz ins Seebad Schmerikon kommen, stehen sie vor einem Zaun: ein unüberwindbares Hindernis. «Da waren wir gleich ein wenig brüskiert, auch wenn es sich nur um wenige Minuten handelte, bis wir Einlass erhielten», erzählt Urs Bernhardsgrütter, Diakoniebeauftragter der Seelsorge Rapperswil-Jona.

Aus gegebenem Anlass vergleicht er diesen Moment mit den Erfahrungen, die Flücht­linge durch­laufen, wenn sie sich auf den Weg nach Eu­ropa machen. Denn bei der Pressekonferenz geht es um den Schweizerischen Flüchtlingstag am Samstag. Dafür­ hat die Sektion Linth­gebiet des Solidaritätsnetzes ­Ostschweiz ein Programm zusammengestellt, welches sich in Schmerikon konzentriert.

Was würde der Erzengel tun?

Ziel ist es, durch Erleb­nisse ein Gespür für die Situation der Flüchtlinge zu schaffen. «Es geht nicht dar­um, die Problematik zu verharmlosen», erklärt Künstlerin Mirjam Riga­monti. «Aber der spielerische Zugang vermag Verständnis zu wecken.»

Das ganze Wochenende hindurch finden daher verschie­dene Anlässe statt. Den Auftakt macht das Theaterstück «Der Engel», verfasst von Silja Walter, die 2011 verstorben ist. Die Benediktinerin, die im Kloster Fahr zuhause war, beschäftigt sich darin mit der Frage, wie der Erzengel Rafael auf die vielen Kriege und die dadurch ausgelösten Fluchtbewegungen rea­gie­ren würde. Das Zürcher Thea­ter 58 ist verantwortlich für die Inszenierung auf der Sommerbühne Schmerikon.

Der Flüchtlingstag schliesst auch die Ausstellung «Xaver Suters Reise nach Amerika 1849» ein, die seit gut einem halben Jahr im Stadtmuseum Rapperswil-Jona zu sehen ist. Flücht­linge sollen die Möglichkeit erhalten, auch einmal ein Museum zu besu­chen. Gleichzeitig sollen die Parallelen zwischen den heutigen Fluchten in die Schweiz und der Auswanderung aus dem Linth­gebiet Mitte des 19. Jahrhunderts aufgezeigt werden.

Die Flucht als Labyrinth

Auf dem Gelände der Alten Zementi beim Dampfschiffssteg in Schmerikon wird unter der Leitung von Mirjam Riga­monti ein Laby­rinth erstellt. Besucher machen sich auf einen verschlun­genen Weg, laufen im Kreis oder werden auf allen Seiten von Verbots­tafeln eingeengt. «Damit sollen einige Schwierigkeiten einer Flucht erlebbar gemacht werden», sagt Riga­monti.

Am gleichen Ort stellt Bild­hauer Er­nesto ­Ghenzi einen grossen Sandstein auf. Dar­auf können Flüchtlinge ihre schwie­rige Reise symbolisch einmeisseln. Auch Einheimische sind willkommen, denn das Ziel ist ein Gedan­kenaustausch. «Der Stein ist das Mittel zum Zweck», meint ­Ghenzi. Er hofft, die Stele später an einem öffentlichen Ort aufstellen zu können.

Am Sonntag ist auch der Flüchtlingssonntag der Schweizer Kirchen. In Gottesdiensten in den katholischen Kirchen in Eschenbach und Benken wird ­für die Vertriebenen und ein Leben in Würde gebetet. Flüchtlinge haben­ bei der Gestaltung der Gottes­dienste mitgeholfen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.06.2018, 10:46 Uhr

Flüchtlingstag

Programm im Linthgebiet

Theater: Freitag, 15. 6., 21 Uhr. «Der Engel» von Silja Walter, Sommerbühne Schmerikon. Museum: Samstag, 16. 6., 13.30 Uhr. Spezialführung für Flüchtlinge und Betreuer durch die Ausstellung «Xaver Suters Reise nach Amerika 1849» im Stadtmuseum Rapperswil-Jona. Beschränkte Platzzahl, Anmeldung unter urs.bernhardsgruetter@krj.ch / 055 225 78 22.

Rahmenprogramm: Geschichten erzählen und Malen mit Gerda Alder im Pfarreiheim Herrenberg. Kunst: Samstag, 16. 6., und Sonntag 17. 6., 13.30–17 Uhr. Labyrinth begehen und Sandstein bearbeiten. Alte Zementi beim Dampfschiffssteg Schmerikon. Gottesdienste: Sonntag, 17. 6., 10.30 Uhr. Ökumenischer Gottesdienst, katholische Kirche Eschenbach. Gleich­zeitig katholische Eucharistiefeier in der katholischen Kirche Benken, mit anschliessendem Apéro.

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