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Er soll seine Eltern bestohlen haben

Ein 59-Jähriger hat vom Konto seiner Eltern 160'000 Franken abgezwackt. Er sagt, er habe das Geld den Eltern gegeben. Ein Teil bleibt unauffindbar, dennoch wurde der Mann verurteilt. Seine Version war zu abenteuerlich.

Dem Kreisgericht in Uznach erschien die Geschichte zu abenteuerlich. Es verurteilte den 59-Jährigen zu einer bedingten Geldstrafe von 320 Tagessätzen zu 130 Franken.
Dem Kreisgericht in Uznach erschien die Geschichte zu abenteuerlich. Es verurteilte den 59-Jährigen zu einer bedingten Geldstrafe von 320 Tagessätzen zu 130 Franken.
Archiv ZSZ

Sein über 80-jähriger Vater muss ein schlimmer Mensch sein. Zumindest wenn man den Aussagen Glauben schenkt, die ein 59-jähriger Schweizer am Montag am Kreisgericht See-Gaster gemacht hat. Ein jähzorniger Mensch sei sein Vater. Man müsse tun, was er wolle. Nur darum will der 59-Jährige Ende 2015 160'000 Franken vom Konto der Eltern auf sein eigenes transferiert haben. Sein Vater habe ihm diesen Auftrag ­gegeben, um wahlweise eine Liegenschaft in Thailand zu kaufen oder mit seiner Ehefrau im südostasiatischen Land in ein Altersheim zu ziehen.

Das Geld will der Sohn den Eltern gegeben haben, ein selbst gezimmerter Empfangsschein mit den Unterschriften der Eltern soll das belegen. Er habe die Aktion nicht hinterfragt, sagte der 59-Jährige, auch wenn sie ihm seltsam vorgekommen sei. Doch eben, der Vater sei für seinen jähzornigen Charakter bekannt, darum habe er den Auftrag ohne Fragen erledigt.

Noch seltsamer mutet an, dass die Eltern dem Sohn kurz darauf von den abgehobenen 160'000 Franken 90'000 wieder zurückgegeben haben sollen. Er habe dem Vater gesagt, dass er gesundheitliche Probleme habe, so der Sohn. Daraufhin habe ihm dieser Geld angeboten. Das Angebot habe er zwar zurückgewiesen, der Vater habe aber allen Geschwistern je 30'000 Franken geschenkt, wofür er ebenfalls einen Beleg vorwies. Die restlichen 70'000 Franken seien bei den ­Eltern in Eschenbach in einem Couvert verblieben.

Eltern waren schon dement

Die Staatsanwaltschaft glaubte diese Geschichte nicht. Nachdem eine Schwester den 59-Jährigen angezeigt hatte, kam es zur Anklage wegen Veruntreuung. Gemäss Staatsanwaltschaft hat der Mann das Geld transferiert und abgehoben. Um die Geschwister zu beruhigen, soll er ihnen einen Anteil abgegeben haben. Die Eltern hätten das Geld nie gesehen.

Die «Thailand-Geschichte» sei eine Illusion gewesen, das sei in der Familie bekannt gewesen sein. Die beiden über 80-jährigen Eltern hätten eine solche Reise kaum mehr machen können, zumal zum Zeitpunkt der Transaktion wohl beide schon am Beginn einer Demenz standen. Die Schwester des Beschuldigten will darauf gedrängt haben, die Eltern in einem Pflegeheim unterzubringen. Wollte der Sohn das Geld in Sicherheit bringen und die Pflegekosten der Allgemeinheit aufhalsen? Er wies jegliche Andeutungen in diese Richtung als Unterstellungen ab. «Erstunken und erlogen» sei alles, was Staatsanwaltschaft und Kesb ihm vorwerfen, sagte der in grober Arbeitskleidung erschienene Beschuldigte.

Vor Gericht zeigte er Charakterzüge, die er seinem Vater vorwirft. Auf die Fragen des Richters reagierte er genervt und aufbrausend. Der anwesenden Beiständin der Eltern warf er vor, sich auf ihn eingeschossen zu haben. Seine Schwester oder die Beiständin selber könnten das fehlende Geld genauso gut gestohlen haben, sagte der 59-Jährige. «Das müsst ihr mir erst mal beweisen, dass ich die 70'000 Franken habe», meinte er. Während die Staatsanwaltschaft eine bedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen zu 140 Franken verlangte, forderte der Beschuldigte einen Freispruch.

Indizien statt Beweise

Dem Richter erschien die Geschichte zu abenteuerlich. Er verurteilte den 59-Jährigen zu einer bedingten Geldstrafe von 320 Tagessätzen zu 130 Franken. Es sei zwar richtig, dass es keinen Beweis dafür gebe, dass der Beschuldigte über das fehlende Geld verfügt, so der Richter. Doch es gebe genügend Indizien, die gegen seine Version sprechen. Die Begründung für seine Aktion sei schlicht unrealistisch, hielt der Richter dem Beschuldigten vor. Kein Beweis seien auch die Belege. In ihrem Zustand hätten die Eltern wohl alles unterschrieben.

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