Rapperswil

Eis, zwei, Bundesrat!

Dienstreisen unternimmt Bundesrat Ueli Maurer nur, wenn es der Schweiz etwas bringt. Am Dienstag reiste er als Ehrengast ans «Eis-zwei-Geissebei». Die Ausbeute: zwei glänzende Fünfliber für die ramponierte Staatskasse.

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Von einem Bundesrat erwartet man ja nicht per se eine lustige Rede. Und so hat Finanzminister Ueli Maurer (SVP) die Gäste am gestrigen 668. «Eis-zwei-Geissebei» gleich doppelt überrascht: erstens mit seiner blossen An­wesenheit, zweitens mit einem pointierten Vortrag, der das Prädikat «vorzüglich» rechtfertigt.

Er freue sich immer, wenn er das Bundeshaus für ein paar Stunden verlassen dürfe und unter normale Leute komme, sagte Maurer einleitend. Mit so viel Schmus hatte er das Publikum von Anfang an auf seiner Seite und es sah ihm in der Folge auch die freundnachbarschaftlichen Sticheleien nach.

Auch der Stau hat sein Gutes

Als Hinwiler kennt Maurer die Rosenstadt gut. «Von zu Hause aus schaue ich immer gerne auf euch hinunter. Das heisst, wenn ihr ausnahmsweise keinen Nebel habt.» Aus persönlicher Erfahrung kennt Maurer auch den Stau in der Stadt. Dieser hat für den Bundesrat aber auch sein Gutes: «Auf dem Seedamm geniesse ich nicht unbedingt den Blick aufs Schloss, aber auf den dahinterliegenden Bachtel.»

Lobende Worte fand Maurer für die ortsansässige Nationalrätin Barbara Keller-Inhelder, die 2008 von der CVP zur SVP konvertierte. «Keller beweist, dass es nicht nur ein Leben nach dem Tod, sondern auch ein Leben nach der CVP gibt.» Seiner Parteigenossin stellte er ein gutes Zeugnis aus: Sie fehle im Rat praktisch nie und schreibe immer mit. Kleinlaut fügte Maurer aber hinzu: «Diese Disziplin hat sie nicht von der SVP. Die hat sie wohl aus der Zeit davor.»

Eine bedeutungsvolle Reise

Ortsgemeindepräsident Matthias Mächler hielt in der diesjährigen Auflage des Geissebeins die Begrüssungsrede. Dabei schärfte er das Bewusstsein der Anwesenden für die staatstragende Bedeutung des traditionsreichen Fasnachtsanlasses: «In einem Zeitungsinterview hat Ueli Maurer gesagt, dass er nur dann reist, wenn es der Schweiz etwas bringt. Darauf dürfen wir uns wohl etwas einbilden.»

Was Maurers Rapperswil-Reise dem Land tatsächlich brachte? Mächler spendierte dem Finanzminister ein Sparsäuli mit zwei Fünflibern darin, als Obolus in die löcherige Staatskasse. Fünf Franken im Namen der Ortsgemeinde, bezahlt von der Ortsgemeinde, und weitere fünf Franken im Namen der Stadt, aber ebenfalls von der Ortsgemeinde bezahlt. Mächler lakonisch: «So läuft es bei uns ja immer.»

Letzte Woche hat der Eschenbacher Gemeindepräsident Josef Blöchlinger der Stadt und der Ortsgemeinde am Schübligbankett ein pikantes Angebot gemacht. Anstatt wie vorgesehen 16 Millionen Franken in das Schloss zu buttern, sei das Geld nach Eschenbach zu überweisen. Im Gegenzug will Blöchlinger an zwei Tagen pro Woche als polnischer Schlossgeist zur Belebung der Burg beitragen. Matthias Mächler zeigte sich angetan von der Idee: «Unter der Voraussetzung, dass Blöchlinger an den übrigen fünf Wochentagen im Kinderzoo als polnischer Zuchtbulle zur Verfügung steht.»

Unterbelichtete Mannschaft

Abschliessend ging Mächler auf die mangelhafte Beleuchtung der Fussballanlage im Grünfeld ein. «Von höchster Verbandsinstanz haben wir die Bestätigung dafür, das Rocco Delli Collis Pizza­bäckertruppe unterbelichtet ist. Und dies, obwohl Bachelor Vujo Gavric gar nicht mehr mitspielt.»

Nach der kulinarischen Stärkung aus der «Rathaus»-Küche blieb beim traditionellen Kabarett kein Auge trocken. Markus Speck brillierte in der Rolle von Hauswart Jonas Rappolter. Verletzungsbedingt ging er an Krücken, was ihn aber nicht weiter handicapierte. In Anspielung auf den anwesenden Alt-Regierungsrat Hans-Ulrich Stöckling sowie auf Stadtpräsident Martin Stöckling meinte er: «Auf zwei ‹Stöck› mehr oder weniger kommt es hier drin nun wirklich nicht an.»

Philipp Elsener, Linus Hofmann und Basil Vollenweider machten im Saugericht zuerst dem städtischen Bauchef Thomas Furrer und dann dem Präsidenten des FC Rapperswil-Jona, Rocco Delli Colli, den Prozess. Rolf Heeb brillierte einmal mehr in seiner Paraderolle als UNO-Beobachter. Im Gemeindehaus habe man versuchsweise die Büros mit Aquarien ausgestattet, wusste er zu berichten. «Der Versuch wurde abgebrochen, weil die Fische zu viel Hektiv verbreitet haben.» In Anlehnung an die Kesb-Kampagne der «Obersee-Nachrichten» meinte er ausserdem: «Ich wünsche mir eine Welt ohne Hug und Trug.»

Einen musikalischen Akzent mit viel Lokalkolorit setzten die Geissesänger Max Aeberli, Barbara Schlumpf, Martin Garrecht, Oliver Greis und Regierungsrat Beni Würth. Dabei wurde last but not least auch noch Stadtpräsident Martin Stöckling in die Pflicht genommen. Nach dem fasnächtlichen Übernahmeangebot der Gemeinde Eschenbach an die Stadt Rapperswil-Jona sei der Stapi nun gefordert: «De Stöck muess jetzt chli Gas gäh, suscht heissts dänn imne Jahr: De Wurschtchranz ghört zu Eschebach, d Gross-Fusion wird wahr!» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.02.2018, 21:45 Uhr

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