Zürichsee

Einweggrills sorgen für rauchende Köpfe bei den Gemeinden

In den heissen Sommertagen kehren die Einweggrills wieder in die Seeanlagen zurück - und hinterlassen ärgerliche Brandlöcher in den Wiesen. Nicht alle Gemeinden wissen, wie sie mit dem Problem umgehen sollen.

Die handlichen Einweggrills hinterlassen in den Wiesen der Seeanlagen Brandlöcher und trüben in den Gemeinden die Gemüter.

Die handlichen Einweggrills hinterlassen in den Wiesen der Seeanlagen Brandlöcher und trüben in den Gemeinden die Gemüter. Bild: Silvia Luckner

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Sommerzeit ist Grillzeit. Wer dabei Geld und Platz sparen will, greift schnell mal zum Einweggrill: Die handlichen Geräte sind oft für unter 10 Franken erhältlich und können schnell wieder entsorgt werden.

Besonders bei Badeausflügen am See sind sie beliebt. Bei unsachgemässem Gebrauch hinterlassen die Kleingrille aus Aluminium jedoch Brandlöcher in den Rasen. Neuere Modelle verfügen zwar über Standfüsse oder bestehen aus Karton und richten weniger Schaden an. Die Brandstellen sind aber immer noch weit verbreitet. Was seit Jahren grössere Städte wie Zürich und Basel zur Verzweiflung treibt, betrifft auch die Gemeinden um den Zürichsee.

Ärgernis ohne Lösung

Laut Fredi Hildbrand, Verwaltungsrat der Ortsgemeinde Schmerikon, haben sich die Brandstellen seit jüngster Zeit auch am Schmerkner Hafen bemerkbar gemacht. «Die sieht man jetzt überall», sagt er. Es sei zwar ärgerlich, ob man etwas dagegen unternehmen muss, könne man aber noch nicht einschätzen.

Ein Verbot wie es vor Kurzem in Rorschach am Bodensee eingeführt worden ist, findet Hildbrand überrissen. «Es macht keinen Sinn jede Kleinigkeit zu verbieten», bemerkt er. Weiter nördlich ist man von den Brandlöchern weniger betroffen. «In Rapperswil besteht kein Handlungsbedarf», sagt Guido Wunderlin, Leiter des Polizeidienstes. Besucher könnten auf die vielen öffentlichen Feuerstellen ausweichen, weshalb keine Fälle bekannt seien.

Verzicht auf Bussen

Dass Grillplätze nicht überall ausreichen, Leute zum Verzicht von Einweggrills zu bewegen, sieht man in Richterswil. Laut Thomas von Atzigen, Bereichsleiter Tiefbau und Entsorgung, beschäftigt man sich dort seit geraumer Zeit mit dem wachsenden Problem.

Betroffen ist hier vor allem das Hornareal. «Obwohl wir öffentliche Grillstellen zur Verfügung stellen, gibt es immer noch Brandstellen», sagt er. Da die Einweggrills die Wurzeln wegbrennen würden, müsse man den Rasen neu säen, was Zeit und Arbeit in Anspruch nehme. «Es geschieht aber noch nicht in dem Ausmass, dass sich die Politik einschalten müsste», hält von Atzigen fest.

Nur Einzelfälle

Auf Bussen verzichten die Gemeinden um den Zürichsee bisher. In Küsnacht hat man jedoch in vereinzelten Fällen die Kosten der Rasensanierung an den Urheber des Brandschadens weitergegeben, wie Daniel Wipf, stellvertretender Gemeindeschreiber, bestätigt. Laut Wipf müsste man diese aber auf frischer Tat ertappen. «Es gibt zwar eine Polizeipräsenz an den Seeufern, wir können aber nicht ständig Kontrollen durchführen», sagt Wipf.

Eine kreative Lösung für die Einweggrills hat man am Ufer der Linth gefunden. Laut Christian Holderegger (FDP), Gemeindepräsident von Uznach, wurden beim Ausbau des Flussbades Grynau im Jahr 2014 Metallplatten in den Rasen am Ufer eingelassen. Auf diesen können die Einweggrills ruhen, ohne den Rasen zu beschädigen. Zusammen mit den öffentlichen Grillplätzen habe man somit die Bedürfnisse der Flussbadbesucher gut abgedeckt. «Wir sind mit dieser Lösung sehr zufrieden», sagt Holderegger. Kürzlich habe ein unvorsichtiger Besucher trotzdem ein grosses Brandloch verursacht. «Das sind jedoch Einzelfälle», sagt Holderegger. «Wir können nur auf das Gewissen der Bevölkerung vertrauen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 19.07.2018, 15:01 Uhr

Greenpeace fordert Verbot

Einweggrills stehen regelmässig im Fokus, wenn es um ökologische Aspekte geht. Nun hat sich die Organisation Greenpeace zu Wort gemeldet. Deren Sprecher Yves Zenger fordert gegenüber «20 Minuten» ein schweizweites Verbot für Einweggrills. Alle Produkte, die hergestellt wurden, um einmal gebraucht gleich weggeworfen zu werden, seien eine unnötige Belastung und eine Verschwendung von Ressourcen. «Einweggrills sind höchstens effizient, wenn es darum geht, mit wenig Geld viel Umwelt zu schädigen», sagt Zenger.
Erste Gemeinden haben bereits reagiert. So darf etwa an der Seepromenade in Rorschach seit kurzem nicht mehr grilliert werden. Die Stadt unterstreicht dies mit mobilen Verbotstafeln am Seeufer. Der Hauptgrund für das Verbot seien hauptsächlich die Einweggrills, schreibt das «St. Galler Tagblatt». Diese würden die Wiesenflächen beschädigen, weil durch das Grillieren das Gras darunter verbrenne.

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