Rapperswil-Jona

Eine Juwele am See, die vom Rummel verschont bleiben soll

Nach einiger Verzögerung ist der neue Seezugang Gubel nun offen. An dessen Einweihung blickte Bauchef Thomas Furrer zurück in der Kempratener Geschichte und feierte den «kleinen, feinen Ort» als Sommerjuwel. Die Kosten für den Bau des Seezugangs blieben wider Erwarten unter 700'000 Franken.

«Gut Ding will Weile haben»: Landschaftsarchitekt Silvan Fischer (Mitte) und Bauchef Thomas Furrer (rechts) eröffnen den Seezugang Gubel.

«Gut Ding will Weile haben»: Landschaftsarchitekt Silvan Fischer (Mitte) und Bauchef Thomas Furrer (rechts) eröffnen den Seezugang Gubel. Bild: Michael Trost

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07.59 Uhr. Um diese ungewöhnliche Uhrzeit lud die Stadtverwaltung gestern zur Eröffnung des Seezugangs Gubel. «Zu diesem ominösen Zeitpunkt springt jeweils am Morgen das Tor auf», erklärte Bauchef Thomas Furrer (parteilos) den originellen Zeitpunkt für die Eröffnung des neuen Seezugangs in Kempraten.

Dem Projekt entsprechend wolle die Stadt nicht nur den Zugang zum Wasser «klein und fein» gestalten, sondern auch dessen Einweihung, sagte der Ressortvorsteher Bau, Liegenschaften. In der Tat wurden die Gäste an von weissen Tischtüchern bedeckten Tischchen zu «Frühstücks-Häppchen» empfangen und konnten beim Kaffeetrinken zuschauen, wie Sonnenstrahlen langsam das Schloss auf der gegenüberliegenden Seeseite aus dem Schlaf kitzelten. «Es ist ja fast ein wenig ein Aufrichtefest», meinte Furrer, denn zur Einweihung des neuen Seezugangs waren neben Medienschaffenden auch die involvierten Planer, Gartenbauer, die beiden Anwohner sowie die kantonale Kreisplanerin Anna Hausmann gekommen.

Auch zugegen war natürlich Markus Naef von der Stadtverwaltung, der im Laufe der Planung das Projekt von Marcel Gämperli übernommen und «super umgesetzt habe», wie Furrer festhielt.

Das Tor kam zu spät

Dass das verträumte Plätzchen am See, welches wenn möglich von «Rummel» verschont bleiben solle, erst verzögert eröffnet werden konnte, verhehlte Furrer nicht: «Das Motto für diesen Ort könnte «Gut Ding will Weile haben» heissen», meinte der Stadtrat scherzend. Unter anderem trage das zu spät gelieferte Tor Schuld an der verzögerten Eröffnung des Seezugangs, der jeweils von 22 bis 8 Uhr geschlossen ist.

«Es gibt in der Schweiz kein Recht auf öffentlichen Seezugang, aber es besteht ein grosses Verlangen danach.»
Thomas Furrer, Bauchef Rapperswil-Jona

In seiner Rede blickte Thomas Furrer zurück an den Anfang des Projekts «Seezugang Gubel», welches an der Bürgerversammlung 2015 denkbar knapp bewilligt worden war. Zwei Stimmen gaben damals den Ausschlag ­zugunsten des Seezugangs. Wie stark dieser umstritten war, zeigt unter anderem eine Facebook-Gruppe, in welcher Gegner zum Widerstand gegen das Projekt aufgerufen hatten.

Der Stapi war einst Kritiker

Auch der frühere FDP- und heutige Stadtpräsident Martin Stöckling regte sich an der betreffenden Versammlung darüber auf, dass die Stadt 750 000 Franken für ein «Bänkli und einen Baum» ausgeben wollte. Jetzt, wo der Seezugang fertig ist, steht allerdings fest, dass das Kostendach für einmal unterschritten wurde: «Wir sind unter 700 000 Franken geblieben», hielt Thomas Furrer fest. Das Land, welches die Besitzer der Stadt im Baurecht abgegeben haben, umfasst rund 500 Quadratmeter. Betreut wird dieses künftig vom städtischen Werkdienst.

Selbst hingerissen von der fabelhaften Aussicht auf Schloss und Lindenhügel im Morgenlicht meinte Furrer optimistisch, die Stadt habe der Einwohnerschaft mit diesem «paradiesischen Platz» wohl kaum zu viel versprochen. «Im Sommer kann man fast nicht anders, als hier herunterzukommen.» Und da diese Nische am See einzigartig sei, habe die Stadt auch ausschliesslich hochwertige Materialien verwenden wollen, so etwa Sandstein aus Bolligen.

Historisch bedeutsamer Ort

«Es gibt in der Schweiz kein Recht auf öffentlichen Seezugang, aber es besteht ein grosses Verlangen danach», resümierte Furrer. «Ich freue mich für die Kempratener.» Der Ort sei ein historischer, denn er werde ja bekanntlich bereits seit Jahrtausenden besiedelt. Davon zeugt die angrenzende archäologische Ausgrabungsstätte, an der man unter anderen Austernschalen und Kalköfen gefunden habe, wie Furrer in Erinnerung rief.

Silvan Fischer vom gleichnamigen Richterswiler Landschaftsarchitekturbüro erklärte, dass sein Team in seinem Konzept «klare Gestaltung mit weichen Formen» habe kombinieren wollen. Neben dem Bolliger Sandstein wurde im neuen Seezugang Kalkstein aus den Alpen verwendet — ein Material, das Standfestigkeit verheisse und zu diesem Standort passe, wie Fischer fand.

Als Symbol für die zahlreichen Rückschläge, welche das Projekt einstecken musste, überreichte der Landschaftsarchitekt Bauchef Thomas Furrer einen Rettungsring, und meinte lachend: «Das ganze Team wäre manchmal froh gewesen, einen rettenden Ring in der Nähe zu wissen». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.07.2018, 16:29 Uhr

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