Uznach

Eine Brache in Uznach erhitzt die Gemüter

Am 10. Juni findet die Abstimmung über den Teilzonenplan Bahnhofareal statt. Gemeindeschreiber Mario Fedi und Markus Richli vom Referendumskomitee kreuzen die Klingen.

Markus Richli vom Referendumskomitee
gegen den Teilzonenplan Bahnhofareal SBB und Mario Fedi, Gemeindeschreiber von Uznach, im Streitgespräch (von links).

Markus Richli vom Referendumskomitee gegen den Teilzonenplan Bahnhofareal SBB und Mario Fedi, Gemeindeschreiber von Uznach, im Streitgespräch (von links). Bild: André Springer

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Was wollen die Gegner des Teilzonenplans erreichen?

Markus Richli: Wir wollen nicht einfach eine Überbauung ver­hindern, sondern vielmehr eine Diskussion lancieren, was mit der Brache geschehen soll. Nie in den letzten acht Jahren hat der Gemeinderat mit uns über eine alternative Nutzung des Geländes das Gespräch gesucht.

Was stellen Sie sich denn vor, was auf der Brache gebaut werden könnte?

Markus Richli: Man könnte eine Begegnungszone auf der Brache einrichten. Oder dort Parkplätze unterbringen oder eine Park­garage. Oder einen Bushof bauen.

Mario Fedi: Dem Referendumskomitee fehlen realistische Ideen. Es fordert Platz für einen Busbahnhof, dabei haben der Rat und das Amt für öffentlichen Verkehr schon vor einem halben Jahr entschieden, eben diesen Platz zu schaffen. Zudem kann man den Grundeigentümer nicht dazu zwingen, zugunsten der Allgemeinheit eine Begegnungszone zu bauen.

Unter allen Umständen wollen die Gegner den Sondernutzungsplan verhindern.

Markus Richli: Dies mit Recht! Denn über den Sondernutzungsplan kann das Volk nicht mehr abstimmen. Wir könnten höchstens noch auf Formfehler hinweisen. Wir warnen vor den unabsehbaren Folgen dieses Plans. Der Zug wäre definitiv abgefahren.

Mario Fedi: Das stimmt nicht. Die Anstösser können sich gegen eine Bebauung der Brache wehren, indem­ sie Einsprache gegen den Sondernutzungsplan machen. Es können private wie auch öffentlich-rechtliche Gründe ins Feld ge­führt werden. Zudem kann man schliesslich auch noch Einsprache gegen ein konkretes Bauprojekt machen.

Der Widerstand in Uznach ist aussergewöhnlich. Wieso haben über 600 Leute das Referendum unterschrieben?

Markus Richli: Mit Bestimmtheit sind das nicht alles Leute, die Angst haben, ihnen werde mit den Blöcken die Aussicht versaut. Vielmehr ist der Widerstand auch Ausdruck davon, dass der Gemeindepräsident während Jahren keinen Schritt auf uns zugemacht hat. Wir haben das Vertrauen in den Gemeinderat verloren, der einen schlechten Umgang mit den Bürgern führte und kein offenes Ohr für deren Anliegen hatte.

Mario Fedi: Jetzt ist aber ein ande­rer Gemeinderat am Ruder, der vermehrt das Gespräch mit der Bevölkerung sucht. Abgesehen davon ist zu beobachten, dass in jeder Gemeinde am Obersee der Widerstand gegen Bauprojekte sehr gross ist. Viele Bürger sind besorgt über die Baupolitik und Veränderungen gegenüber sehr kritisch eingestellt.

Markus Richli: Es geht bei diesem Referendum aber auch dar­um, dass wir verhindern wollen, dass ein Investor aus reinem Profitstreben ein paar überdimen­sionierte Blöcke hinklotzt, um auf diese Weise ein Maximum an Gewinn herauszuholen.

Mario Fedi: Genau aus diesen Gründen sind wir froh, dass das Referendum zustande gekommen ist! Denn jetzt hat der Gemeinderat die Bevölkerung im Rücken und ein Gutachten in der Hand: Damit kann er beim Investor umso mehr Druck machen, auf dass die öffentlichen Interessen gewahrt bleiben und nicht irgendeine leblose Betonwohnwand entsteht. Ganz nebenbei: Im Profitstreben unterscheiden die SBB sich nicht von jedem anderen privaten Grundeigentümer.

Ist das alles nicht ein Scheingefecht? Es geht ja gar nicht um die Nutzung der Brache, sondern um die Form des Projekts.

Markus Richli: Mir persönlich geht es tatsächlich um die Form der Blöcke, die vor unseren Häusern an der Eisenbahnstrasse gebaut werden sollen. Die Form ist aber auch wichtig und wesentlich, das ist kein Scheingefecht!

Mario Fedi: Ich mache dem Komitee den Vorwurf, dass es ihm nicht wirklich um die Nutzung der Brache als Wohnbauzone geht, sondern sich die Ängste einzig um Form, Höhe und Breite der Bauten drehen. Und hier kommt dann wieder das Vertrauen in den Gemeinderat ins Spiel: Denn der Rat hat es via Sondernutzungsplan in der Hand, die Form mitzubestimmen. Die Alternative zum Sondernutzungsplan wäre ja einfach die Regelbauweise, nach welcher der Investor einen ganz anderen Spielraum hätte.

Verdichtet bauen ist das Gebot der Stunde. Was spricht denn dagegen, dass man im Zentrum von Uznach auf einer Brache statt auf der grünen Wiese baut?

Markus Richli: Der Bahnhof von Uznach gehört eben gar nicht zum Kern des Ortes, sondern ist vielmehr peripher gelegen. Es ist ja nicht so, dass wir gegen die Schaffung von Wohnraum wären. Aber nicht auf diese Art und Weise.

Mario Fedi: Raumplanung ist eine Aufgabe, die nicht von heute auf morgen, sondern über Genera­tionen verfolgt werden muss. Der Richtplan sieht vor, dass in einer nächsten Generation auch der südliche Teil des Bahnareals überbaut wird. Mit den Veränderungen in der Siedlungsentwicklung rückt also der Uzner Bahnhof durchaus ins Zentrum der Ortschaft. Und was ist idealer im Sinne des ÖV, als in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes zu wohnen?

Was geschieht, wenn das Uzner Stimmvolk den Teilzonenplan Bahnhofareal ablehnt?

Mario Fedi: Die Folge wäre eine simple zeitliche Verschiebung: Wenn jetzt nicht umgezont wird, muss spätestens in zehn Jahren im Sinne der lokalen und kan­tonalen Richtplanung umgezont werden. Die Zonenordnung lässt nicht zu, dass die Brache einfach eine weisse Fläche bleibt. Allerdings steigt mit dem Siedlungsdruck auch das Risiko, dass auf dieser Brache durchaus noch ein oder zwei Geschosse mehr opportun werden. Denn es ist absehbar, dass rund um diese Brache ganz gehörig gebaut werden wird.

Markus Richli: Ich sehe es genau andersherum: Eine leer stehende Brache nimmt just den Druck weg auf die Umgebung. Denn wenn die Brache jetzt überbaut wird, hat dies den Effekt, dass rundherum auch höher gebaut wird. Zudem bedeutet eine leere Brache auch eine Chance für Uznach­. Sie bietet uns die Möglichkeit für einen Austausch, eine Diskussion, was wir mit dieser Brache anstellen wollen. (zsz.ch)

Erstellt: 01.06.2018, 20:57 Uhr

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