Rapperswil-Jona

Eine Ballettschule mit Geschichte

Auf 1. August übergeben Peter und Christina Lambert die Ballettschule in Rapperswil in jüngere Hände. Die neue Leiterin und Inhaberin Natalia Gabrjyonczyk ist seit mehreren Jahren an der renommierten Schule tätig und will sie ganz im Sinne der Lamberts weiterführen.

Die neue Inhaberin Natalia Gabryjonczyk (links) mit den Schulgründern, Christina und Peter Lambert.

Die neue Inhaberin Natalia Gabryjonczyk (links) mit den Schulgründern, Christina und Peter Lambert. Bild: zvg

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«Wir haben nach der Bekanntgabe unseres Abschieds sehr viele schöne und rührende Reaktionen erhalten», erzählt Christina Lambert in der Turnhalle an der Haldenstrasse in Rapperswil-Jona. Seit 2012 ist die Ballettschule Lambert dort einquartiert. Nach den Sommerferien beginnt für die Schülerinnen und Schüler eine neue Ära. Im 30. Jahr ihres Bestehens übergibt das Ehepaar Peter und Christina Lambert-Wallace ihre Ballettschule an Natalia Gabryjonczyk. Sie unterrichtet bereits seit rund drei Jahren an der Ballettschule und ist registrierte Lehrerin der Royal Academy of Dance London (RAD). Damit ist sie berechtigt, Schülerinnen und Schüler für die international anerkannten Prüfungen anzumelden.

Internationale Karriere

Für Christina und Peter Lambert ist es kein leichter Abschied. Nach professionellen Tanzkarrieren auf internationalen Bühnen, darunter in Südafrika und Deutschland, wo sie oft auch gemeinsam auf der Bühne standen, haben sie die Schule in Rapperswil-Jona vor knapp 30 Jahren gemeinsam aufgebaut und haben bis jetzt mit Leidenschaft unterrichtet. Pro Wochentag sind es heute drei bis fünf Klassen sowie eine am Samstag. Das Niveau reicht vom spielerischen Tanz für Kindergärtler bis zur höchsten Stufe des Klassischen Balletts. «Wir sind eine Hobbyschule mit professionellen Möglichkeiten», sagt Christina Lambert nicht ohne Stolz.

«Die Anfänge waren noch recht improvisiert», erinnert sie sich. Doch das änderte sich rasch. Bald konnte die junge Schule Räume in der Alten Fabrik beziehen und blieb dort während 25 Jahren. Dort lernten die Lamberts dann auch Natalia Gabryjonczyk kennen. Christina Lambert begleitete die künftige Inhaberin der Ballettschule als Mentorin während ihrer Lehrerausbildung. Bald war klar, dass sie ihre Wunschkandidatin für die Nachfolge wäre. »Wir haben dieselbe Auffassung von gutem Ballettunterricht», erklärt Christina Lambert. Mit dem schon fast sprichwörtlichen Drill im Ballettunterricht haben sie gar nichts am Hut. «Es geht darum, die Kinder zu motivieren, sodass sie am Ende der Stunde glücklich nach Hause gehen. Das ist unser höchstes Ziel», sagen beide. Unterrichtet werde mit Liebe - und einer Portion Witz. «Auch das gehört dazu.»

Über 1000 Kinder begleitet

Dank der Standards der Royal Academy of Dance mit regelmässigen Prüfungen würden den Kindern erreichbare Ziele gesetzt. «Sie bekommen Selbstvertrauen und Zuversicht, lernen Grazie und Musikalität», erklärt Christina Lambert, Auch das Gedächtnis werde im Ballett gefördert, schliesslich gibt es längere Choreographien auswendig zu lernen.

Rund 1000 Kinder haben die Lamberts in all den Jahren begleitet, viele von ihnen über 15 Jahre lang, vom Kindergarten bis zum Studium. Darunter ist auch das eine oder andere Ausnahmetalent. «Auf 99 Hobbykinder kommt ein Kind, das eine professionelle Berufsausbildung macht», sagt Christina Lambert. Die richtigen Ausnahmetalente sind noch seltener. Eines davon ist die 14-jährige Ayumi Kato, die vergangenes Jahr bereits auf der grossen Bühne des Opernhauses stand. Höhepunkte waren für Tänzer und Kinder jeweils auch die Ballettaufführungen, immer mit rund 240 Teilnehmern an den beiden Standorten in Rapperswil und Wädenswil und an die 1600 begeisterten Zuschauern.

Ernsthaft, nicht verbissen

Wichtig waren den Lamberts stets auch konstante Klassen. «Es ist wichtig, dass die Kinder bei all den Freizeitangeboten bei etwas bleiben können, das ihnen gefällt. Unterrichtet wird ernsthaft, aber ohne verbissenes Gesicht», sagt Christina Lambert. Ohnehin habe sich im Ballett in den vergangenen Jahrzehnten so einiges geändert. Längst gehört auch Modern Dance mit zur klassischen Ausbildung, während es früher «nur» um klassisches Ballett und die so genannten Charaktertänze (Volkstänze) ging.

Nicht immer lief in der Geschichte der Schule alles am Schnürchen. 2009 mussten die Lamberts die Alte Fabrik verlassen, weil die Stadt die Bibliothek in ihren Räumen einquartieren wollte. Dies hätte schon fast das Aus der Ballettschule bedeutet. «Mit Hilfe des Schulpräsidenten Thomas Rüegg fanden wir zum Glück unseren neuen Standort in der Turnhalle an der Haldenstrasse», sagt Christina Lambert.

Nur der Name wird neu

Natalia Gabryjonczyk blickt ihrer neuen Aufgabe ab August mit Freude entgegen. «Die Schülerinnen und Schüler kenne ich ja schon persönlich und werde sie nun bald noch besser kennenlernen», sagt sie. Ihre Leidenschaft fürs Ballett hat sie schon in jungen Jahren entdeckt. Früh war ihr klar, dass sie Ballettlehrerin werden will. Schon als Kind organisierte sie Ballettstunden mit ihren beiden Schwestern und den Nachbarskindern. Im Rahmen ihrer tänzerischen Ausbildung besuchte sie täglich Unterrichtsstunden bei verschiedenen namhaften Lehern im In- und Ausland. An der Kunst- und Sportschule Zürich absolvierte Natalia Gabryjonczyk eine umfassende Tanzausbildung mit Schwerpunkt Klassisches Ballett. Ihre Diplome als Ballettlehrerin erlangte sie von der Russian Ballet Association und der Royal Academy of Dance. Sie hat eine Ausbildung in Spanischem Tanz und wirkte an verschiedenen Projekten in Madrid und bei der Puszta Company mit. Seit mehreren Jahren ist sie pädagogisch tätig, unter anderem an der Ballettschule Lambert und an der Ballettschule für das Opernhaus Zürich.

Die Ballettschule in Rapperswil-Jona will sie in der gleichen Art wie bisher weiterführen. «Die Schule ist sehr gut aufgestellt, grössere Veränderungen sind nicht nötig», sagt sie. Die Ballettklassen werden weiterhin von ihr, Clare West oder Stefanie Olbort unterrichtet. Auch die Zusammenarbeit mit der Schule und der Musikschule wird weitergeführt. Seit 2009 wird eine vom kantonalen Bildungsdepartement anerkannte Talentklasse für begabte Ballettschülerinnen ab der Oberstufe geführt. Was ändert, ist jedoch der Name: Aus der Ballettschule Lambert wird die Ballettschule Natalia Gabryjonczyk.

Erstellt: 09.06.2017, 13:51 Uhr

Ein Bild aus früheren Tagen: Christina und Peter Lambert während eines gemeinsamen Auftritts. (Bild: zvg)

Ballett, Jazz und Hiphop

Kinder ab fünf Jahren besuchen an der Ballettschule Lambert /Natalia Gabryjonczyk die Pre-Primary und Primary, eine tänzerisch-spielerische Vorschulung. Es folge die Grade eins bis acht, vom zweiten Grad an werden zwei Wochenlektionen empfohlen. Es folgen die Intermediate- und Advanced Levels. Hier sind drei bis vier Lektionen pro Woche nötig. Es handelt sich dabei bereits um eine vorprofessionelle Ausbildung.

Angeboten werden an der Ballettschule auch Tanzkurs in Modern Dance, Jazztanz und Hiphop. (zsz)

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