Uznach

Eine alte Scheune wird zum magischen Ort

In wenigen Tagen feiert das neue Stück der Commedia Adebar Premiere. Mit dem «Zauberer von Oz» weckt die Truppe die verschlafene Escherscheune aus ihrem Dornröschenschlaf.

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Soll das Theater überleben, muss es seine Grenzen öffnen und sich beispielsweise auf den Zirkus zurückbesinnen. So lautet die Forderung des erfolgreichen Konstanzer Theaterintendanten Christoph Nix. Der Uzner Theatermacherin Barbara Schlumpf braucht Nix das nicht zu sagen, sie weiss es. Deshalb lässt sie die Commedia Adebar mal in einer ausrangierten Kiesgrube auftreten, mal in einer ausgeräumten Fabrikhalle und diesmal, in ihrer 22. Produktion, auf einem Bauernhof, der auch ein Zirkus ist.

Keine fünf Minuten vom Bahnhof Uznach entfernt steht die ehemalige landwirtschaftliche Liegenschaft Escherhof, Eigentum der Burgerkorporation. Auf dem Scheunendach prangt der Titel des Stücks, das in einer knappen Woche hier Premiere haben wird: Der Zauberer von Oz. Es ist eine fantastische Geschichte, die der amerikanische Schriftsteller Lyman Frank Baum 1900 geschrieben hat und die in Amerika so bekannt ist wie bei uns Dornröschen oder Rotkäppchen. Die Uznerin Rahel Jud hat eine schweizerdeutsche Version verfasst.

Bühne über dem Güllenloch

Das Spektakel findet auf der Südseite der Scheune, über dem ehemaligen Güllenloch statt. Die Burger als Eigentümer seien den Theaterleuten sehr entgegengekommen, sagt Barbara Schlumpf. Das Gebäude passe in seiner stabilen Herrschaftlichkeit bestens zum Theater. So wird der Kuhstall zur Beiz, in der die Zuschauer bis nach Mitternacht die Philosophie des Stücks diskutieren können. Barbara Schlumpf umschreibt diese wie folgt: Man sucht das, was man immer schon hatte. Man braucht keinen Zauberer, der von aussen kommt und einem die Wünsche erfüllt.

Im ehemaligen Kuhstall, verspielt dekoriert von der Künstlerin Mariuschla Hürlimann, finden auch Garderobe und Schminkraum Platz. Draussen symbolisieren dreissig Meter breite und sechs Meter hohe rote Stoffbahnen das Manegenrund eines verlassenen Wanderzirkus. Hier erzählt der Zirkusdirektor die Geschichte des Zauberers von Oz . Viele Requisiten, und darauf ist Regisseurin Barbara Schlumpf besonders stolz, stammen vom Circus Knie.

Wind aus dem Heugebläse

«Hereinspaziert!» ruft Zirkusdirektor und Zauberer Urs Imhof mit gewaltiger Stimme. Kaum hat er sein Publikum begrüsst, hebt ein gewaltiger Wirbelsturm das Haus der kleinen Dorothee (Rachel Wüst) ab. Und weil wir auf einem verlassenen Bauernhof sind, und weil Barbara Schlumpf Regie führt, kommt der Sturm aus dem Heugebläse – und er bläst heftig. Die Stoffbahnen fliegen mit Dorothees Unterröcken um die Wette, das Heulen tönt so echt, dass man gleich noch die Balken knarren hört. Dazu kann man die Landwirtschaft riechen und die Störche, die der Theatergruppe einst ihren Namen gaben, segeln im Minutentakt über die Escherscheune. So muss Christoph Nix sich das mit dem Grenzen öffnen vorgestellt haben.

Nach dem grossen Sturm findet sich Dorothee in einer anderen Welt wieder, samt Haus und Hund Toto. Sie begegnet dort unter anderem der Vogelscheuche (Monika Schneider), dem Blechmann (Roli Widmer) und dem Löwen (Andi Widmer), bösen und guten Hexen sowie natürlich dem Zauberer von Oz. Mit Hilfe von viel Magie findet das Mädchen schliesslich zurück nach Hause.

Tribüne ohne Dach

Die sechzehn Schauspielerinnen und Schauspieler bringen Farbe und Leben in die Escherscheune . Für ihr Freilichtspiel nutzen sie das ganze Gebäude, mit Rutschbahnen und Strickleitern, die aus den Fenstern hängen, mit Licht (Paul Bürgi) und viel Theatertechnik (Peter Affentranger). Die Musik kommt wie in den letzten Produktionen von Jimmy Gmür und Chrigel Bosshard. Die Schauspieler bringen ihre Ideen ein und entwickeln einzelne kleine Szenen bis kurz vor der Premiere weiter.

Diese findet am 23. Mai statt und bis dahin gibt es noch einiges an Arbeit, wie Produktionsleiter Rolf Hürlimann an der gestrigen Presseorientierung sagte. Das Bühnenmaterial sei zwar, der Lokalität entsprechend, einfach; der Aufwand für die Sicherheit dafür umso grösser. So dauerten allein die Baggerarbeiten für die Verankerung der Vorhangvorrichtung drei Tage. Teuer sei die Produktion damit geworden, sagt Hürlimann, man liege aber im Budget.

Eine Freilichtaufführung ohne Regendach birgt ein zusätzliches Risiko. Die Truppe habe lange diskutiert, ob man dieses eingehen wolle, erzählt Rolf Hürlimann. Schliesslich habe man sich aber auf die eigenen Wurzeln besonnen. «Die Adebare gehören ins Freie.» Gespielt werden könne auch bei Regen, sagt Barbara Schlumpf, die Kostüme (Anna Maria Glaudemans) hielten das aus. Und die Adebar-Fans sowieso.

Premiere des neuen Stücks «Der Zauberer von Oz» ist am 23. Mai. Gespielt wird bis am 16. Juni, jeweils ab 20.45 Uhr, Dauer 85 Minuten, ohne Pause. www.commediaadebar.ch (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.05.2018, 16:28 Uhr

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