Sicherheit

Einbrecher hassen seine Tipps

Die Kantonspolizei St. Gallen beschäftigt Profis, die wissen, wie man Einbrechern das Leben schwer macht. Der Polizist Urs Bücheler ist einer von ihnen. Er erzählt, welche Fehler Hausbesitzer oft begehen.

Ein ungesicherter Lichtschacht lässt sich mit einem Schraubenzieher einfach öffnen, wie Urs Bücheler von der Kantonspolizei St. Gallen demonstriert.

Ein ungesicherter Lichtschacht lässt sich mit einem Schraubenzieher einfach öffnen, wie Urs Bücheler von der Kantonspolizei St. Gallen demonstriert. Bild: Ralph Ribi

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Wenn ein Polizist auf Schulbesuch kommt, ist es für gewöhnlich still in der Klasse. Genau so ist es auch, wenn Urs Bücheler von der Kantonspolizei St.Gallen auf Hausbesuch geht. Mit seiner ruhigen, tiefen Stimme zieht er die Anwesenden in seinen Bann. Er ist eloquent, wählt seine Worte mit Bedacht, sein Blick ist freundlich, aber durchdringend. Was er sagt, glaubt man ihm.

Was Bücheler macht, ist dem, was Polizisten auf Schulbesuch tun, ziemlich ähnlich. Er informiert, er berät und er beantwortet Fragen. Büchelers Einsatzgebiet sind Einbrüche. Er kennt die Tricks und Techniken, die Einbrecher verwenden, um ins Haus zu gelangen. Der Kantonspolizist weiss, was sie daran hindern kann. Wohneigentümer können den 52-Jährigen für einen Beratungstermin buchen, und zwar kostenlos. Die individuelle Beratung inklusive Massnahmenprotokoll für den Betroffenen gehö­ren zur präventiven Arbeit der Kantonspolizei St.Gallen und somit zu ihren Aufgaben.

«Sie waren kurz davor, einzubrechen»

Diesmal berät Bücheler eine Familie im Fürstenland, die Einbruchswerkzeug in ihrem Garten gefunden hatte. Bei den Nachbarn sei kürzlich am helllichten Tag eingebrochen worden. «Die Täter waren kurz davor, bei uns zuzuschlagen. Sie haben die Flucht ergriffen, weil ich just in dem Moment nach Hause gekommen bin», sagt der Hausherr, der anonym bleiben will. Auch Polizist Bücheler darf von seiner Arbeit nicht alles preisgeben, bei diesem Besuch gibt es klare Vorgaben für den Journalisten.

«Zwar ist meine Funktion präventiv, ich berate aber auch viele Leute, weil bei ihnen eingebrochen worden ist», sagt Bücheler. «Das ist etwas sehr Emotionales, als Fachmann braucht es da viel Fingerspitzengefühl.» So seien Leute in seiner Gegenwart schon in Tränen ausgebrochen. «Für gewöhnlich erlebe ich die Beratungen aber als etwas Positives, ich kann den Leuten helfen.» Meist geniesse er bei seinen Besuchen viel Vertrauen. «Vor kurzem war ich bei einer Familie, deren Kind wollte unbedingt zu mir auf den Arm. Dort lag es dann die ganze Zeit lang», sagt Bücheler, zuckt mit den Schultern und schmunzelt.

Bei seinen Terminen geht der Berater stets gleich vor: Zuerst gibt es Theorie und Infos am Stubentisch, dann folgt eine Tour durchs Haus, wo der Spezialist heikle Stellen unter die Lupe nimmt –vornehmlich Türen, Tore und Fenster. «Ist diese Scheibe neben der Eingangstür aus Verbundglas?», fragt Bücheler und klopft mit der Faust dagegen. «Nein», beantwortet er seine Frage gleich selbst. Er runzelt die Stirn und sagt: «Der Türgriff ist von innen nicht mit einem Schlüssel blockierbar.» Das Problem: Einbrecher könnten ein Loch in die Scheibe schlagen, hindurchgreifen und von innen die Türfalle drücken. «Hier empfehle ich stabileres Fensterglas oder eine Türfalle, die sich mit einem Schlüssel blockieren lässt.»

Er geht weiter durchs Haus. Die Familie folgt ihm, ist beeindruckt, hängt an seinen Lippen. Auch die Kinder hören aufmerksam zu, was der Polizist sagt, blicken immer wieder ehrfürchtig zu ihm hoch. Bücheler geht aus dem Haus in den Garten, bleibt bei einem Lichtschacht stehen. «Das Gitter hier ist leicht abzuschrauben. Mit Metallplatten am Gitter, die im Schachtinnern verschraubt werden, lösen wir das Problem.»

Seit zwölf Jahren als Berater unterwegs

«Ich bin ein normaler Polizist, einfach ohne Uniform unterwegs und angestellt bei der Kriminalabteilung», sagt Bücheler. Seit 27 Jahren ist er bei der Kantonspolizei St. Gallen, seit 12 Jahren als Berater rund ums Thema Einbrüche tätig. Er besucht Privathaushalte und Unternehmen im ganzen Kanton. «Gelernt habe ich Automechaniker», sagt er. Technisches Verständnis und handwerkliches Geschick seien wichtige Voraussetzungen für seine Tätigkeit als Berater.

Urs Bücheler muss wieder los. Die Protokolle seiner Besuche, heute waren es drei, wollen geschrieben werden. Auch Büroarbeit gehört zu seinen Aufgaben. Das macht ihm nichts aus: «Ich mag die Abwechslung.» Er sagt es mit seiner überzeugenden Art – und man glaubt es ihm.

Beratungen können bei der Polizei telefonisch unter der Nummer 0582293829 vereinbart werden.

Erstellt: 30.10.2017, 16:17 Uhr

Polizei warnt

Gekippte Fenster sind eine offene Einladung

Ein wunder Punkt an den Häusern sind die Fenster, sagt Kantonspolizist Urs Bücheler. «Wichtig zu wissen ist: Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster.» Einbrecher können es problemlos öffnen, wenn es schräg gestellt ist. «Ein zentraler Punkt sind zudem die Pilzzapfen und die Schliessbleche.»

Damit meint er die Metallzapfen, die rund um das Fenster verteilt sind. Beim Schliessen und Drehen des Fenstergriffs gleiten sie in eine Blechfassung, welche am Fensterrahmen befestigt ist. «Je mehr dieser Vorrichtungen pro Fenster, desto besser. Die Bleche sollten zudem aus Stahl sein.» Sind sie aus Gusseisen, können sie leichter aufgebrochen werden. «Ebenfalls wichtig ist die Einstellung der Beleuchtung rund um das Haus», sagt Bücheler. «Sie sollte sich erst aktivieren, wenn jemand nahe an der Fassade vorbei geht oder sich daran zu schaffen macht.» Denn so geht sie weniger oft an, die Nachbarn oder ­Bewohner schauen dafür eher einmal hin.

Ebenfalls empfiehlt Bücheler, Werkzeuge wie Spaten, Beile oder Leitern in einem abschliessbaren Schopf zu lagern oder in den Keller zu stellen. So könnten sie nicht als Einbruchshilfen missbraucht werden. (mre)

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