Rapperswil-Jona

Einblicke in die Welt der Schnecken

250 Schneckenarten gibt es in der Schweiz. Dass die allermeisten von ihnen gar kein Grünzeug mögen, war nur eine von vielen überraschenden Erkenntnissen, die eine Exkursion des Vereins Natur Rapperswil-Jona zu bieten hatte.

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Sie sind des Hobbygärtners Alptraum. Schnecken, die seine Setzlinge fressen und denen er mit giftigen Körnern, Bierfallen und Gartenscheren zu Leibe rücken muss. Cristina Boschi hat einen ganz anderen Blick auf die lautlosen Kriechtiere. Die Wildtierbiologin ist eine der besten Schneckenexpertinnen des Landes und sagt: «Schnecken sind mehr als Salatfresser.»

Auf einer Exkursion des Vereins Natur Rapperswil-Jona will Boschi genau das den 30 Teilnehmern beweisen.Genau genommen fressen von den 250 hierzulande bekannten Schneckenarten nur gerade vier Nacktschnecken frisches Grünzeug. Alle anderen ernähren sich von vermoderten Pflanzen oder Pilzen. Und dann gibt es noch zwei Arten, die als Räuber unterwegs sind. Die sogenannte Mortillets Glanzschnecke lähmt mit einem giftigen Biss sogar Artgenossen, um sie dann zu verspeisen.

Doch das sind die grossen Ausnahmen. Die Schnecken, welche die Exkursionsteilnehmer finden, sind überaus friedlich und genügsam. Boschi führt die Gruppe zuerst an ein Wiesenbord. Der Standort ist feucht, das kann man am kürzlich geschnittenen Schilf erkennen. Jetzt heisst es Becher fassen und auf geht es zur Schneckenjagd.

Bei Hitze Deckel zu

Erwachsene und Kinder stehen gebückt wie Erntehelfer an der Böschung und füllen ihre Becher erstaunlich schnell. Die meisten Schneckenhäuschen sind leer, das Tier ist also längst gestorben. Zum Entzücken der Kinder finden sich aber auch einzelne lebende Schnecken. Neben der bekannten Weinbergschnecke gehören die schwarz- und weissmündige Bänderschnecke – auch Hain- oder Gartenschnirkelschnecke – die wenig bekannte Strauchschnecke und sogar die goldene Bernsteinschnecke sowie die Glatte Glanzschnecke mit ihrem schwarzen Körper zur Ausbeute.

Wichtig für die Bestimmung ist vor allem die Mündung, also die Stelle, wo der Schneckenkörper aus dem Häuschen tritt. Wenn es heiss ist, verschliessen viele Schneckenarten die Mündung mit einer Art Deckel aus Schleim und Kalk, um ihren Körper vor dem Austrocknen zu schützen.

Diskusscheibe und Liebespfeil

Ein paar hundert Meter weiter, am Waldrand hinter dem Forstwerkhof Grunau, findet die Gruppe ganz andere Schneckenarten. Die wenig mobilen Tiere sind naturgemäss sehr standorttreu: Auch wo der Wald vor Jahren abgeholzt wurde, findet man noch haufenweise Arten, die für Waldboden typisch sind. «Schnecken sind das Gedächtnis der Landschaft», nennt es Cristina Boschi.

«Schnecken sind das Gedächtnis der Landschaft.»Cristina Boschi, Schneckenexpertin

Hier sind es flache, scharfkantige Steinpicker, die wie eine Miniatur-Diskusscheibe aussehen, spindelförmige Schliessmundschnecken, die sich mit einer Klappe ins Häuschen einschliessen können, gefleckte Schüssel- oder Turmschnecken. Sie alle sind kaum einen Zentimeter gross. Die Riemen- und die Maskenschnecken haben, wenn sie frisch geschlüpft sind, sogar Härchen auf ihrem Häuschen. Wozu sie gut sind, habe die Forschung noch nicht herausgefunden, erklärt die Schneckenexpertin. Wie überhaupt viele Geheimnisse der Schnecken noch nicht gelüftet seien.

Die eierlegenden Tiere sind von April bis Juni und von August bis Oktober aktiv. Im Hochsommer und im Winter gehen sie in Ruhestellung. Die meisten Schnecken sind zwittrig, haben also männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Es gibt aber auch Arten mit zwei Geschlechtern. Bei der Paarung spielen Rituale eine grosse Rolle, wie Cristina Boschi erklärt.

Über deren Bedeutung wisse die Forschung ebenfalls nur wenig. So paaren sich einige Schneckenarten an kunstvollen, meterlangen Schleimfäden, andere wie die Weinbergschnecken stossen dem Partner vor der Paarung eine kalkhaltige, mehrere Millimeter lange Lanze in den Körper. Über die genaue Funktion dieses Liebespfeils rätselt die Wissenschaft noch immer. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.09.2018, 15:30 Uhr

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